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Malta: «Nabel des Meeres»

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Malta: «Nabel des Meeres»

Der Archipel im Mittelmeer und seine bedeutende Rolle in der europäischen Geschichte

Malta, so gross wie Appenzell, zwischen Sizilien und Libyen gelegen, ist das kleinste Mitglied der erweiterten EU. Das «Gästebuch» der winzigen Inselgruppe liest sich wie ein «Who is Who» des Abendlandes.

Von HANSRUEDI VÖLKLE
(Text und Bilder)

«Nabel des Meeres» nannte Homer die Insel Malta. Auf der Rückreise von Troja wurde Odysseus von der Nymphe Kalypso auf Gozo, der kleineren der beiden Inseln, zurückgehalten. Keine Legende ist der Besuch des Apostels Paulus, der auf seiner Reise nach Rom im Herbst 59 n. Chr. dort Schiffbruch erlitt. An der engsten Stelle im Zentrum des Mittelmeers gelegen, war Malta seit jeher ein idealer Beobachtungsposten. Phönizier, Punier, Griechen und Römer, aber auch Vandalen, Ostgoten, Byzantiner, Araber, Normannen und viele weitere landeten auf Malta.

Lang ist die Liste der Besucher, Besetzer und Besitzer. «Malta gehört immer der grössten Macht im Mittelmeer», sagt ein Sprichwort. Erst 1964 wurde Malta unabhängig und am 1. Mai wurde es in die EU aufgenommen. Was nach «Nine-Eleven» zur Utopie wurde, ist hier im Laufe der Jahrhunderte gewachsen: eine Mischkultur aus abendländisch-christlichem und morgenländisch-nordafrikanisch-arabischem, mehr als nur ein friedliches Nebeneinander dreier Kulturen und Religionen, wie im maurischen Spanien.

Von der Frühzeit bis zum Mittelalter

Die frühesten Zeugen einer menschlichen Hochkultur, die Megalithtempel auf Malta und Gozo, gelten als die ältesten freistehenden Bauten der Menschheit. Errichtet von einem unbekannten, im mittleren Neolithikum aus Sizilien eingewanderten Volk, sind sie mit rund 7000 Jahren weitaus älter als die Pyramiden, als Stonehenge oder als die minoischen und mykenischen Paläste. In der Bronzezeit hinterliess ein weiteres, namenloses Volk geheimnisvolle Karrenspuren. 1)

Im Laufe der Jahrhunderte waren alle Völker des Mittelmeerraumes auf Malta. Aus der Zeit der Araber stammen noch heute die gebräuchlichen arabische Ortsnamen wie Mdina, Rabat oder Mosta und die maltesische Sprache – eine Mischung nordafrikanisch-arabischer Dialekte mit punischen, sizilianischen und englischen Einflüssen – und die farbigen, hölzernen Balkone. Es folgten die Normannen, die Hohenstaufen, und über das Haus Anjou ging Malta an Pedro III. von Aragon und durch die Heirat von Isabella von Kastilien mit Ferdinand von Aragon 1469 an Kastilien über. Kaiser Karl V. gab der Geschichte Maltas eine entscheidende Wende (siehe Kasten).

Belagerung durch die Türken

Die Türken durchschauten die Strategie Kaiser Karls V., die Insel zu einem Bollwerk gegen den Islam zu machen. Sie setzten eine gewaltige Flotte von 400 Schiffen mit über 30 000 Mann in Gang, um Malta zu erobern und es als Sprungbrett nach Sizilien und Europa zu benutzen. Das Abendland hielt den Atem an: die Grossmacht der Osmanen gegen den winzigen Felsen Malta mit lediglich 650 Rittern, 1000 spanischen und ein paar 1000 maltesischen Soldaten. Süleiman der Prächtige – er träumte von einem Weltreich und stand 1529 schon vor Wien – gegen Grossmeister Jean Parisot de la Valette, aus französischem Adel, einer der besten Militärstrategen seiner Zeit, hochgebildet, sieben Sprachen beherrschend. Zwei 70 Jahre alte, zum äussersten entschlossene Männer, die sich schon 43 Jahre zuvor, bei der Belagerung von Rhodos, begegnet waren; Todfeinde bis aufs Blut, doch jeder voller Respekt für seinen Gegner. Vom 18. Mai bis zum 8. September 1565 dauerte die Belagerung. Der von Süleiman zum Auskundschaften vorher auf die Insel gesandte Spion sollte Recht behalten, als er dem Sultan meldete: «Diesen Platz werden wir niemals erobern.»
Es gab Tausende von Toten, darunter die Hälfte der Ritter und ein Drittel der Malteser; die Zerstörung war gewaltig. Auch die Türken verloren mehr als die Hälfte ihrer Männer. Als die Lage am prekärsten war, zogen die Türken ab – möglicherweise, weil endlich die Flotte von Don Garcia de Toledo, dem Vizekönig von Sizilien, unter dem Kommando des Genuesen Andrea Doria den Johannitern zu Hilfe eilte.

Imposanter Auf- und Ausbau

Europa hatte tatenlos zugeschaut, wie sich die Ritter ohne fremde Hilfe verteidigten, und hatte wohl ein schlechtes Gewissen, denn nun wurden diese mit Lob, Anerkennung und Schenkungsurkunden überschüttet, und das Geld für den Wiederaufbau floss in Strömen. Auf der Halbinsel Sceberras entstand die neue Hauptstadt Valetta, ein Schachbrettmuster von rechtwinklig sich kreuzenden Strassen, auf der Landseite durch ein Bollwerk und einen Burggraben und auf der Seeseite durch das Fort St. Elmo abgesichert. Der Papst sandte seinen Festungsbaumeister Francesco Laparelli di Cortona, sein Nachfolger wurde der Malteser Girolamo Cassar. Festungen, Kirchen, Ordenspaläste, ein Hospital, ein Theater und gar eine Oper wurden gebaut und eine Universität und eine medizinische Hochschule gegründet, an der jüdische Ärzte arabische Medizin lehrten. Michelangelo da Merisi, genannt il Caravaggio, weilte 1606-08 auf Malta, wo er die Enthauptung des hl. Johannes malte.

Die Befestigungsanlagen wurden erneuert und ergänzt durch Tunnels, unterirdische Getreidespeicher und Proviantlager. Valetta als schönste Barockstadt Europas wurde mit ihren Nachbarstädten zur gewaltigsten Festungsanlage der Welt. Als Baumaterial diente – und dient noch heute – der goldgelbe Globigerinenkalk, aus dem die ganze Insel besteht, ein organogener Stein, der im Tertiär aus den Schalen schneckenähnlicher Meerestiere entstanden war. Er lässt sich leicht zersägen und härtet an der Luft aus. Grand Harbour, eine Arena aus Städten, Festungen, Palästen und Kirchen, bleibt der imposanteste Naturhafen des Mittelmeers. Als Napoleon 1798 auf seinem Ägyptenfeldzug war, konnte er Malta, damals unter Ferdinand von Hompesch, ohne jegliche Kampfhandlung einnehmen, da die Ritter gemäss ihrem Gelübde nie die Waffen gegen Christen erheben durften und daher kampflos abzogen. Zwei Jahre später wurde die Herrschaft Napoleons durch die Engländer abgelöst, deren Kronkolonie Malta bis ins 20. Jh. blieb.

Churchills unsinkbarer
Flugzeugträger im Mittelmeer

Zwei Augen und zwei Ohren hatten die Ritter auf die Wachttürmchen der Festungen um Grand Harbour meisseln lassen. Sie ahnten wohl nicht, welche symbolische Bedeutung diesen auch noch im 20. Jh. zukommen würden. Von Malta aus konnten nicht nur die Schiffsbewegungen im Mittelmeer überwacht, sondern auch der Funkverkehr abgehört werden. Nachdem Spezialisten im englischen Bletchley Park die deutsche Chiffriermaschine Enigma geknackt hatten, waren die Engländer dank ihrer Horchposten auf Malta – die ganze Insel starrte vor Funkantennen – immer über die militärischen Aktivitäten der Achsenmächte informiert. Von Malta aus beschoss die Royal Air Force die Häfen und Flugplätze in Sardinien, Sizilien und Süditalien und dezimierte die Schiffskonvois für den Nachschub der italienischen und später der deutschen Afrikafeldzüge erheblich, sodass zeitweise nur ein Bruchteil der für Nordafrika bestimmten Schiffsladungen durchkamen.

Schon 1941 hatte Rommel die Schlüsselstellung Maltas erkannt, als er nach Berlin meldete: «Ohne Malta wird im Endeffekt die Achse die Kontrolle über Nordafrika verlieren.» Der karge Felsen Malta mit seiner – wie Mussolini sie verächtlich nannte – Handvoll arabischer Bauern war in der Tat für Italien der gefährliche Skorpion im Mittel

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