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Männer waren ihre Musen und ihre Monster

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Autor: Carole Schneuwly

Wer an Niki de Saint Phalle denkt, denkt zuallererst an ihre üppigen, farbenprächtigen Nanas, welche die Künstlerin international bekannt machten. Der Espace Jean Tinguely – Niki de Saint Phalle in Freiburg zeigt nun in einer neuen Ausstellung ein anderes wichtiges Thema im Schaffen der zweiten Ehefrau Tinguelys: ihre vielschichtigen, bunten Tierwelten.

Tiere seien Niki de Saint Phalle in zweierlei Hinsicht wichtig gewesen, sagte Caroline Schuster Cordone, Kuratorin der Ausstellung und Vizedirektorin des Museums für Kunst und Geschichte, am Dienstag vor den Medien. Sie habe Tiere geliebt und sich immer für ihr Wohl und ihre Rechte eingesetzt. «Darüber hinaus setzte sie die Tiere in ihren Werken oft als Symbole ein, die auf ihr Leben und ihre Gefühle verwiesen.»

Niki und ihre Männer

Rund 70 Werke sind in der Ausstellung vereint. Viele davon stammen aus der museumseigenen Sammlung, wobei dem Legat von Rico Weber, Niki de Saint Phalles und Jean Tinguelys langjährigem Assistenten, eine besondere Bedeutung zukommt. Dazu kommen Leihgaben aus privaten Sammlungen sowie mehrere Skulpturen aus dem Besitz der Niki Charitable Art Foundation mit Sitz in Kalifornien. Einige der Werke sind gemäss Caroline Schuster erstmals öffentlich zu sehen.

Dass Niki de Saint Phalles Tierfiguren oft für etwas anderes stehen, zeigt sich schon beim ersten Werk auf dem Rundgang, einer Serigrafie aus der Serie «Californian Diary» (1993–1995): Die Arbeit «My men» ist eine Auseinandersetzung mit «ihren Männern», die sie, wie in vielen anderen Werken auch, als Tiere darstellt. Die zwiespältige Beziehung zu diesen Männern drückte sie selbst einmal so aus: «Die Männer in meinem Leben, diese Bestien, waren meine Musen, das Leiden, davon zehrte meine Kunst – ich danke ihnen.»

Manchmal reichten Tierfiguren nicht, um das Wesen dieser Männer auszudrücken, da mussten schon Monster her: «Wenn die Männer verliebt sind, dann sind sie Tiere», so die Künstlerin. «Sind sie böse, dann werden sie zu Monstern.» Solche Monster tauchen in Niki de Saint Phalles künstlerischem Universum immer wieder auf. Sie stehen für alles Böse auf der Welt, für die dunkle Seite, die in jedem Menschen wohnt, und auch für Nikis eigene Dämonen: «Die Hölle ist ein Monster. Ich bin das Monster.»

Vögel und Schlangen

Trotz all dieser Abgründe kommt in der Ausstellung Niki de Saint Phalles lebensfrohe, farbige und freche Seite nicht zu kurz. Vögel etwa spielten für die Künstlerin eine zentrale Rolle als poetische und positive Wesen. Sie verstand sie als Botschafter zwischen den Welten und stellte sich ihren eigenen Schutzengel als Vogel vor. Ein anderes Lieblingstier Niki de Saint Phalles war die Schlange, eine Faszination, die auf ein Erlebnis in ihrer Jugend zurückging, als sie bei einem Spaziergang zwei Giftschlangen entdeckte und sich von ihrem Anblick kaum losreissen konnte.

Andere Inspirationen fand Niki de Saint Phalle in der Kunstgeschichte. So liess sie sich wie viele andere Künstlerinnen und Künstler von Albrecht Dürers Rhinozeros aus dem Jahr 1515 inspirieren und schuf ihre eigenen Versionen davon. Auch der Drache als beliebtes Symbol des Bösen spielt in ihrem Werk eine Rolle. Für Niki verkörperte er oft die Idee einer Herausforderung oder der Überwindung eigener Ängste. Bezeichnenderweise stellte sie auch Jean Tinguely gerne als Drachen dar.

Vernissage am Sonntag

Zusätzlich zu den Zeichnungen, Drucken, Collagen und Skulpturen zeigt die Ausstellung eine Auswahl von Briefen und Notizen der Künstlerin, die selber kleine Kunstwerke sind und Niki de Saint Phalle als Menschen greifbar machen. Weitere Einblicke in ihr Leben und ihr Wesen bieten drei Filme.

Die Ausstellung ist ab sofort zu sehen. Die öffentliche Vernissage findet wie gewohnt am Geburtstag Jean Tinguelys, dem 22. Mai, statt (18.30 Uhr). Zu dieser Gelegenheit erwartet der Espace am Sonntag Niki de Saint Phalles Enkelin Bloum Cardenas, Mitglied der Niki Charitable Art Foundation. Gleichzeitig wird dann auch die Maschine «Hommage à Bernard Blancpain» von Jean Tinguely vorgestellt, die das Museum von der Familie Blancpain erhalten hat und die neu im Espace ausgestellt ist (die FN berichteten).

Espace Jean Tinguely– Niki de Saint Phalle, Murtengasse 2, Freiburg. Bis zum 21. August. Mi. bis So. 11 bis 18 Uhr, Do. bis 20 Uhr.

Vielfältige Reverenzen: Inspiration für das «Rhinocéros» aus dem Jahr 1995 war Albrecht Dürers berühmtes Rhinozeros.Bild Aldo Ellena

Niki de Saint Phalle mit einer ihrer Tierfiguren.Bild zvg

Zur Person

In Paris begegnete sie Jean Tinguely

Niki de Saint Phalle wurde 1930 im Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine geboren, wuchs aber hauptsächlich in den USA auf. Ab den Fünfzigerjahren lebte sie mit ihrem ersten Ehemann, Harry Mathews, und den zwei gemeinsamen Kindern wieder in Paris. Hier lernte sie Jean Tinguely kennen, mit dem sie 1960 ein Atelier bezog und den sie 1971 heiratete. 1998 wurde ihr Lebenswerk, der Tarotgarten in der Toskana, eröffnet. 2002 starb sie in Kalifornien, wo sie zuletzt gelebt hatte. cs

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