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Meisterhafte Verzierungskunst

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Freddy Eichelberger spielte auf der Chororgel der Kathedrale

Die Toccaten des süddeutschen Komponisten Johann Kaspar Kerll lassen dessen Bezug zur Oper deutlich werden: mächtige Akkorde als dramatischer Ausgangspunkt, dazwischen ein verworren tremolierendes, in schnellen Läufen sich auf- und abbewegendes, spannungsgeladenes Suchen, bis ein weiterer Akkord als klärende Zwischenstation zur vorübergehenden Entspannung einlädt. Ebenso verdeutlichen melodisch-harmonische Färbungen wie in der Toccata IV «con
durezze e ligature» verschiedene Stimmungslagen. Der Organist Freddy Eichelberger streicht diese Spannungsbögen mittels gezielt und dezent eingesetzten Temposchwankungen heraus, ohne dabei die ruhig angelegte Grundstruktur des Werkes zu verlieren. Überhaupt wird bei diesem Konzert eine jede Person, die berocke Kunst mit üppigem Prunk gleichsetzt, eines Besseren belehrt. Hier bietet sich ein herausragendes Beispiel filigran verspielter, aus feinsten Nuancierungen und virtuosesten Ornamenten bestehender Musik, deren Wiedergabe nebst musikhistorischem Wissen ein hohes Niveau an instrumentaler Virtuosität voraussetzt.

Wie der Organist, so ist auch die Violinistin Odile Edouard diesen Anforderungen in höchstem Masse gewachsen. Ihre faszinierende Bogentechnik erlaubt eine facettenreiche Gestaltung, scharfe Akzentuierungen, pointierteste Rhythmisierungen, zartesten Saitenklang im Wechsel mit dichter Klangfülle. Leicht prägen sich die kurzen Themen der Sonaten von Johann Heinrich Schmelzer ein, um so aufmerksamer und gespannter können deren Verzierungen und Variationen verfolgt werden. Oft verdeutlicht der Wechsel zwischen Orgel und Violine die Linienführung. Violine und Orgel nehmen im Wechsel denselben musikalischen Gedanken auf und spinnen diesen weiter, bis sich das Soloinstrument in immer ausladenderen Variationen verselbständigt und die Orgel zu ihrer Begleitfunktion zurückkehrt. Im Zusammenspiel beweisen die Musikerin und der Musiker ihre breite gemeinsame Erfahrung, die es ihnen erlaubt, sich als selbstverständlich wirkende Einheit ganz in den Dienst der Musik zu stellen. Sogar die obwohl notwendige, so doch manchmal während eines Konzerts als Bruch wirkende Stimmung der Violine wird von der Orgel in modulierende Akkorde eingekleidet, ganz im Stil barocker Intonationen.
Es ist ein Verdienst der Freiburger Orgelakademie, dass die historisch äusserst wertvollen Orgeln von Freiburg und Umgebung mittels namhafter Interpreten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die bereits zum dritten Mal stattfindende Akademie unter der künstlerischen Leitung von Maurizio Croci setzt sich zum Ziel, das Wissen um die Orgel auf vielseitige Weise zu fördern.
Wissenschaftliche Vorträge und praktische Kurse zur Aufführungspraxis alter Musik, unter anderem mit dem Freiburger Ordinarius für Musikwissenschaft, Professor Luigi Ferdinando Tagliavini, werden ebenso angeboten wir Vorstellungen einzelner Orgeln und ein vielfältiges Spektrum an Konzerten. Dass hierbei nebst der fachlichen Bildung auch die Seele reichhaltige Nahrung erhält, lässt sich mit dem Mittwochskonzert von Odile Edouard und Freddy Eichelberger nur allzu gut beweisen.

Trouvaillen der Musik

Trouvaillen der Musik in mehrfacher Hinsicht gab es beim Konzert in der Kapelle des ehemaligen Bürgerspitals am Dienstag. Dank einem glücklichen Fund des Organisten und Musikwissenschafters François Seydoux konnte das wertvolle Orgelpositiv aus der Hand des Nürnberger Orgelbaumeisters Sebald Manderscheidt wieder in Besitz der Freiburger Burgergemeinde und damit in seine Heimatstadt gelangen.

Dank der in diesen Tagen stattfindenden Orgelakademie ist der Innsbrucker Organist Reinhard Jaud in Freiburg zu Gast. Mit seinen hervorragenden Kenntnissen auf dem Gebiet historischer Orgeln und der Interpretation alter Musik verhilft er dem kleinen Instrument zu vollem Klang. Auf das Instrument zugeschnitten ist ebenso das Programm mit Werken süd- und mitteldeutschen Stils des 17. Jahrhunderts. Beginnend mit einer feierlichen Toccata und einer verspielt wirkenden Canzona von Johann Christian Erbach zieht sich durch das ganze Programm ein Wechselspiel zwischen akkordisch gehaltenen Orgelvorspielen und thematisch arbeitenden Fugen und Canzonen. Erhält man von Johann Jakob Frobergers Ricercar durch die eher dumpf klingenden tieferen Lagen des Orgelpositivs einen düsteren Eindruck, so wechselt die Galliarda Natalizantis von Johann Erasmus Kindermann zu immer helleren Registern und erinnert an weihnächtliche Fröhlichkeit. Die beiden Fugen in a von Johann Krieger muten durch die chromatische Thematik und die komplexe Satzstruktur beinahe modern an. Es ist ein besonderes Verdienst, dass sich der Organist der Innsbrucker Hofkirche und Kathedrale um die Wiederaufführung vergessener oder unbekannter Komponisten bemüht und so einen Eindruck vom Reichtum und der Vielfalt des Kunstschaffens im süd- und mitteldeutschen Raum vermittelt. Dabei erstaunt immer wieder die Vielseitigkeit des Manderscheidt’schen Instrumentes. Trotz Begrenzung in Tonumfang und Registern vormag das Orgelpositiv den Raum mit barocker Kraft und Festlichkeit zu füllen. Das Instrument verzichtet auf elektronisches Gebläse, bei der Restaurierung wurde die ursprüngliche Balgbetätigungsanlage mittels zweier Lederriemen wiederhergestellt. So ist nebst dem Interpreten auch den kräftigen Armen des «Tonerzeugers» ein Kränzlein zu winden.
Zu diesen und weiteren Komponisten gesellt sich der durch seinen Kanon bekannte Johann Pachelbel. In der Partita über den Choral «Freu dich sehr, o meine Seele» wird die Choralmelodie auf verschiedene Weise umspielt und lässt den Eindruck von Ruhe und Grösse entstehen. Auch in den Magnificatfugen beeindruckt die Unterschiedlichkeit der Themenwahl und deren Bearbeitung. Reinhard Jaud beweist bei diesen virtuosen Läufen einmal mehr sein vielschichtiges Können. Mit lang anhaltendem Applaus wird er um eine Zugabe gebeten, und der Abend klingt mit einer weiteren Pachelbelschen Magnificatfuge aus.

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