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Micarna speckt ihr Projekt ab

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Maflü, das Ausbildungs- und Integrationsprojekt der Micarna für Flüchtlinge, befindet sich derzeit in der zweiten Runde. «Im Vergleich zur ersten Durchführung im vergangenen Jahr können wir jetzt besser abschätzen, wen wir suchen», sagt Deborah Rutz, Mediensprecherin des Fleischverarbeiters, vor Ort in Courtepin.

Nahm die Migros-Tochter 2017 noch 20 Flüchtlinge ins Maflü auf, davon 14 in Courte­pin und 6 in Bazenheid (SG), sind es in der zweiten Runde nur noch 9, davon 4 in Courtepin, sagt Sabrina La Gioia, welche die Lernendenprojekte bei der Micarna betreut. Rutz erklärt die Abnahme der Teilnehmerzahlen mit den strengeren Selektionskriterien. Neu ist das Sprachniveau, das mindestens die Stufe A2 erreichen muss, für die Auswahl der Teilnehmer wichtiger als vorher. «Die sprachliche Gemeinsamkeit ist sehr wichtig», sagt Rutz. Zudem wird in der zweiten Runde von Maflü nur noch der Bereich des Fleischfachmanns angeboten und nicht mehr die Technik sowie die Reinigung. Einen speziellen Grund gebe es dafür aber nicht, so Rutz.

Für die zweite Durchführung von Maflü hat die Migros-Tochter das Kursangebot verändert. «Wir haben gemerkt, dass Sprachkurse für die Flüchtlinge nicht ausreichen. Die anderen Fächer, wie Mathematik, haben wir nun verstärkt», sagt Rutz. «Auch wie man lernt, ist ein neues Thema in den Kursen.»

Die Bilanz der ersten Runde von Maflü sei «sehr positiv», sagt La Gioia. Während des Praktikums habe es keine Abbrüche gegeben. Jedoch hätten nicht alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Maflü eine Lehre bei der Micarna begonnen. Die Gründe seien zu ge­ringe Sprachkompetenzen oder fehlende Motivation gewesen. «Einzelne wollten nicht weiter mit Fleisch arbeiten», sagt sie.

Beruf ist weniger beliebt

Das Unternehmen will mit seinem Projekt nicht nur zur Integration der Flüchtlinge beitragen. Das Ziel ist auch, qualifiziertes Personal zu finden beziehungsweise auszubilden. Denn in der fleischverarbeitenden Industrie in der Schweiz fehlen Fachkräfte. «Die indus­trielle und körperliche Arbeit als Fleischfachfrau oder -fachmann ist heute für die Schüler nicht mehr so attraktiv», erklärt Rutz. Die Ausbildungs­berufe aus den Bereichen der Technik und der Hauswirtschaft seien zwar beliebt; jedoch könnten sich viele Schülerinnen und Schüler keine Lehre in Industriebetrieben vorstellen, wo auch Pikettdienste zu leisten sind. Vom Fachkräftemangel sei nicht nur die Micarna, sondern die gesamte Branche betroffen, sagt Rutz. «Wir haben allerdings den Vorteil, dass wir in unserer Lernwerkstatt selbst ausbilden können und nicht nur auf den Arbeitsmarkt angewiesen sind.»

Die Teilnehmer der ersten Maflü-Runde kamen aus Eritrea, Afghanistan und Pakistan. In der zweiten Runde sind es Syrer und Eritreer, wie der 24 Jahre alte Nazrawi und der 27-jährige Melake, die nur ihre Vornamen angeben möchten. Die beiden Eritreer leben seit vier Jahren in der Schweiz nahe der Stadt Freiburg. Nazrawi hat das sechsmonatige Praktikum vergangenes Jahr im Frühling absolviert und befindet sich jetzt in der Vorlehre. «Im August möchte ich meine Lehre beginnen und mit dem Diplom abschliessen, um dann hier zu arbeiten», sagt er in fliessendem Französisch. Gut gefalle ihm die Zusammenarbeit mit den anderen Lernenden in der Lernwerkstatt.

Melake hat sein Praktikum im Januar begonnen. In Eritrea habe er bereits diverse Jobs gehabt, erzählt er. Fleischverarbeitung sei für ihn zwar etwas ganz Neues, aber ihm gefalle diese Arbeit. Er bezeichnet sie als eher still, und es werde ohne Stress gearbeitet. «Gerne will ich auch noch lernen, wie man Würste macht», sagt der junge Mann.

Zahlen und Fakten

Als Flüchtling vom Praktikum zur Lehre

Die Migros-Fleischverarbeitungstochter Micarna hat 2016 die Aktion «Micarna Ausbildung für Flüchtlinge» (Maflü) lanciert. Dieses Projekt richtet sich an vorläufig aufgenommene Jugendliche und junge Erwachsene aus dem Asylbereich (Ausweis F) und an anerkannte Flüchtlinge (Ausweis B), die seit einem bis drei Jahren in der Schweiz leben und sich in einer der beiden Amtssprachen auf Niveau A2 verständigen können. Zudem sollen sich die Flüchtlinge für eine weiterführende Ausbildung interessieren und tendenziell noch nicht älter als 35 Jahre sein. In den ersten sechs Monaten, die als Praktikum gelten, arbeiten die Teilnehmer von Maflü halbtags in der Lernwerkstatt der Micarna. Nachmittags werden sie in einer Schule unterrichtet. Dort können die Flüchtlinge, die meist bereits einen Sprachkurs ausserhalb der Micarna besucht haben, ihr Französisch verbessern und Begriffe lernen, die sie in ihrem Beruf benötigen. Auch das Leben und die Kultur in der Schweiz werden in den Kursen thematisiert. Abhängig von ihrer Motivation und ihren Fähig­keiten können die Flüchtlinge anschliessend eine klassische Lehre beginnen oder – falls notwendig – noch eine Vorlehre absolvieren. Auch während der Vorlehre wird wöchentlich ein eintägiger Sprachkurs ange­boten. Die Micarna führt das Projekt Maflü in Courtepin in Zusammenarbeit mit dem Kanton Freiburg, dem mit der Flüchtlingsbetreuung beauftragten Unternehmen ORS sowie mit der Hilfsorganisation Caritas durch.

jmw

 

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