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«Michelle Yeoh ist weit weg von uns»

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«Michelle Yeoh ist weit weg von uns»

Freiburger Filmfestival zeigt Geburt eines neuen malaysischen Kinos – ein Gespräch mit Regisseur Ho Yuhang

Vor vier Jahren hat sich eine kleine Gruppe Filmemacher aufgemacht, erstmals in Malaysia anspruchsvolle und auch gesellschaftskritische Filme zu machen. Zwei von ihnen, James Lee und Ho Yuhang, sind am Freiburger Filmfestival mit Streifen präsent.

Von URS HAENNI

In den Kinosälen Kuala Lumpurs findet ein Besucher keine cinematografischen Perlen. Entweder bekommt man die bekannten Hollywood-Streifen zu sehen, oder dann gibt es Action- und Horrorfilme malaysischer Herkunft. Malaysias Kino hat auch Stars hervorgebracht: Die frühere Miss Malaysia, Michelle Yeoh, brachte es bis zum Bond-Girl, nachdem sie an der Seite von Jackie Chan zum grössten asiatischen weiblichen Actionstar geworden war.

Doch seit vier Jahren erregt eine neue Generation malaysischer Filmemacher die Aufmerksamkeit an internationalen Filmfestivals in Europa, Asien und Nordamerika. Amir Muhammed, James Lee, Ho Yuhang, Osman Ali und Yasmin Ahmed heissen die allesamt noch nicht 35-jährigen Exponenten des neuen malaysischen Independent-Kinos. Ihre Filme basieren neu auf privater statt wie bisher auf staatlicher Unterstützung.

Auf malaysischen Kinoleinwänden sind diese Filme noch selten zu sehen; Vertrieb und Verkauf bleiben das Hauptproblem. Doch es gibt Anzeichen, dass diese Filme langsam vom Untergrund an die Öffentlichkeit drängen.

Im Interview mit den FN erklärt Ho Yuhang, was es mit dieser Bewegung auf sich hat.

Herr Ho, was fällt Ihnen ein, wenn Sie folgende Stichworte hören: Michelle Yeoh . . .

Michelle Yeoh ist sehr weit von uns weg.

. . . «Sandokan». . .

Das sagt mir nichts.

Es gab hier vor langer Zeit einen Fernsehfilm: «Sandokan – der Tiger von Malaysia».

Ah, ja. Jemand hat mir mal davon erzählt, am Filmfestival in Rotterdam.

Stört es Sie, dass ich Kino und Malaysia mit diesen beiden Begriffen in Verbindung bringe?

Gar nicht. Es ist sogar interessant, wie andere Kulturen über uns lernen. Einige Leute haben solche Assoziationen durch Speisen. Ich finde dies spannend.

Als Sie den Film «Mu» gedreht haben, welches Publikum hatten Sie vor Augen?

Eigentlich überhaupt keines. Ich machte den Film, den ich mit meinem Herzen machen wollte. Das Publikum hat Erwartungen, aber der Film kann diese nicht erfüllen.

Können Sie denn frei von wirtschaftlichen Zwängen filmen?

Ich habe wenig Geld für den Film gebraucht. Mein Produzent sagte: Leg los! Er hatte Vertrauen in mich.

Warum gibt es in Malaysia erst seit kurzem Independent-Filme?

Es herrschte ein traditionelles Schema. Kino wurde als etwas für die Massen angesehen, mit einem kommerziellen Ablauf. Doch die Jugend ist ungeduldig geworden. Sie wollte nicht mehr die ewig gleichen Szenarien sehen. Es sollten auch mal Gefühle dargestellt werden. Dazu kommt, dass wir mit einfacher und billiger Video-Technologie plötzlich die Mittel in der Hand hatten, solche Filme zu machen.

Kann man wirklich von einer neuen Bewegung sprechen?

In den Instituten für Massenkommunikation gibt es Filmschulen, da können die Lehrer den Schülern jetzt Instrumente in die Hand drücken, damit sie einfach mal filmen gehen. Aber es gibt kein eigentliches Manifest für eine Bewegung. Es war nichts geplant, sondern entstand aus privaten Kontakten und Freundschaften. Die Szene ist natürlich noch sehr klein.

Wie gehen Sie mit der Zensur in Malaysia um?

Es gibt eine staatliche Abteilung für Zensur. Aber wir kümmern uns nicht darum. Unsere Filme werden nicht in Kinos gezeigt, und deshalb sind die Zensoren zu faul, sich um uns zu kümmern. Um zu verdienen, mache ich noch Werbespots, und da habe ich mit der Zensur zu tun. Aber ich befolge die Regeln. Ich bekämpfe sie nicht, und sie wollen auch keinen Dialog mit uns.

Ihre Filme widersprechen dem staatlichen Credo von Konsum und Wirtschaftswachstum . . .

Ja, alles, was die nationale Agenda in Frage stellt, wird als gefährlich angesehen. Es gibt auch keine starke politische Opposition. Aber die Malaysier sind ja nicht dumm. Ich zeige die soziale Realität, lasse dabei aber die Leute nicht schlecht aussehen.

Sie zeigen das Leben des chinesischen Bevölkerungsteils . . .

Ja, sonst gibt es nur Filme der Malay. Die Chinesen werden nie richtig porträtiert. Ich aber gebrauche im Film nur die chinesische Sprache. Von staatlicher Seite heisst es dann, ich repräsentiere nicht Multikulturalität.

Hätten Sie die Möglichkeit, mit Michelle Yeoh zu arbeiten, welche Rolle würden Sie ihr geben?

Eine ganz normale Alltagsrolle, keine Superheldin. Am besten eine Mutter.

Malaysia im Programm des Filmfestivals: «Mu – Heiligtum» (Ho Yuhang, 2004): Fr., 11. März, 20.30 Uhr, Rex 2; «Mei Li De Xi Yi Ji – Die wunderbare Waschmaschine» (James Lee, 2004): So., 13. März, 20.30 Uhr, Rex 2.

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