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«Mit denen kann man nicht reden»

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Spontane Grosskundgebung gegen die Absage des Valete-Konzertes

Autor: Von UELI STRASSER

«Valete! Valete!» skandieren die Jugendlichen, vielleicht sechshundert an der Zahl. Vom Kollegium St. Michael wälzt sich der Umzug über die Perolles-Allee in Richtung Heilig-Kreuz-Schulhaus. Was ist passiert?

Ursprung der Demonstration ist die Entscheidung des St.-Michael-Rektorates, das traditionelle Valete- (Maturafeier-)Konzert am 29. Juni 2000 auf dem Schulhausplatz nicht zu bewilligen. Zunächst seien die Konzerte mit Bands aus der Region organisiert worden, erklärt die Sekretärin. In den letzten Jahren seien jedoch öfters auch bekanntere Gruppen eingeladen worden, was mehr Publikum angelockt habe, ohne dass die notwendigen Infrastrukturen dafür zur Verfügung gestanden wären. Die Folgen: unkontrollierbarer Konsum von hartem Alkohol und anderen Drogen, Urinlachen an jeder Hauswand und Abfallberge in allen benachbarten Gassen.
Als Alternative hatte die Schulleitung vorgeschlagen, das Konzert in der Festhalle St. Leonhard abzuhalten. Die Organisatoren weigerten sich jedoch, in eine Halle zu gehen und fragten bei der Stadt an, ob sie den Georges-Python-Platz für ihre Zwecke buchen könnten.
Weil auch die Gemeinde ablehnte, ist gestern Morgen um acht Uhr auf dem Schulhof eine Schweigekundgebung organisiert worden. Aus dem stillen Protest entwickelte sich plötzlich eine Demonstration, welche sich quer durch das Stadtzentrum in Bewegung setzte, um die Unterstützung ihrer Kolleginnen und Kollegen an den beiden anderen städtischen Mittelschulen zu holen.

Heilig-Kreuz: überrascht

Die Sekretärin des Kollegiums Heilig-Kreuz ist noch ganz konsterniert, als sie eine Viertelstunde nach der Aktion am Telefon Auskunft gibt:«Nein, bei uns findet kein Unterricht mehr statt.» Kam die Aktion überraschend? «Wir haben zehn Minuten zuvor ein Telefon vom St.-Michael-Rektorat erhalten, mit der Information, dass die Schüler vermutlich zu uns unterwegs sind.» Und hat jemand versucht, die Schüler aufzuhalten? Lachend entgegnet sie:«Das wäre wohl hoffnungslos gewesen.»

Annemarie Schobinger, die Rektorin des Kollegiums Heilig-Kreuz sieht die Sache ähnlich: «Da kann man nichts machen; die einen sind mitgegangen, die anderen sind hier geblieben. Aber die ganze Sache sollte man nicht überbewerten.» Sie schildert den Kontakt mit den St.-Michael-Gymnasiasten:«Eine Schülerin ist zu mir gekommen und hat mir gesagt, dass sie einen Streik machen, weil das Valete dieses Jahr nicht stattfinden soll. Sie hätten versucht, darüber mit ihrem Schulleiter zu sprechen;aber der habe nicht mit sich reden lassen.» Die Rektorin nimmt ihren Amtskollegen sofort in Schutz:«Wenn die Jugendlichen sagen, dass man mit jemandem nicht reden kann, heisst das vermutlich, dass er nicht nachgegeben hat.»
Hat der Streik disziplinarische Konsequenzen für die Schüler? «Das habe ich mir noch nicht überlegt», sagt Schobinger. «Konsequenzen wird es aber nur geben, wenn sie Sinn machen.»

Gambach: weniger Glück

Nächster Halt des Trosses: Kollegium Gambach. Mit wenig Erfolg, wie Rektor Jean-Pierre Bugnon erzählt:«Bei unserem Haupttrakt ist der Zugang etwas schwierig, und deshalb sind die Schüler nicht bis ins Gebäude gekommen.» Die Menge habe natürlich vor der Schule lauthals für ihr Anliegen geworben, aber sie hätte sich sonst korrekt verhalten.

Bugnon berichtet, dass er sich sehr friedlich mit einer Anführerin unterhalten habe. Schon nach kurzer Zeit seien die Demonstranten in Richtung des zweiten Gambach-Gebäudes abgezogen. Gemäss Roland Schmidt, dem Leiter der deutschsprachigen Abteilung, haben sich dort einige Schüler ihren Kollegen angeschlossen, «und andere stehen noch etwas unentschlossen herum». An geordneten Unterricht sei jedenfalls am Vormittag nicht mehr zu denken.

Zurück im Kollegium St. Michael

Gegen halb elf Uhr steht der Umzug – mit in der Zwischenzeit etwa 1500 Personen – wieder im Hof des St.-Michael-Schulhauses und fordert die Direktion zu Verhandlungen auf. Aber in einem Punkt geht Rektor Nicolas Renevey mit den Schülern einig: «Mit denen kann man nicht reden.» Die Stimmung sei zu emotional und anarchistisch:Es gebe niemanden, der die Gruppe vertrete oder sie unter Kontrolle habe.

Renevey gibt an, von der Aktion nichts geahnt zu haben. Erst am Morgen habe man festgestellt, dass ein Streik organisiert worden ist, und dann habe eins zum anderen geführt. «Nicht alle Schüler haben mitgemacht», schränkt der Rektor ein; rund ein Drittel sei im Schulhaus geblieben.
Zu möglichen Konsequenzen will sich Renevey ebenfalls noch nicht äussern. Für ihn ist jedenfalls klar, dass die Demonstration ohne Erfolg bleiben wird: «Dieses Jahr wird bestimmt kein Konzert stattfinden; wie es in den nächsten Jahren aussieht, darüber müssen wir noch reden.» Der Valete-Tag mit Spielen und die Disco am Freitag sollen jedoch wie geplant durchgeführt werden.

Und weiter zum Rathaus

In der Zwischenzeit hat sich die Gruppe aufgemacht in Richtung des Rathauses, wo nochmals ein Halt stattfindet. Polizeikommissar Michel Genoud nimmt das Heft in die Hand und weist die Schüler wieder zu-
rück zum Kollegium St. Michael. Dies gelingt erst, nachdem er das
Mikrofon an die Schüler weitergegeben hat.

Auf Geheiss von Genoud wird beim Schulhaus eine Kommission gebildet, mit sieben Gymnasiasten, dem Schulleiter Renevey und Polizeidirektor Jean Bourgknecht, den die Polizei kurzfristig aufgeboten hat. Doch schon nach kurzer Zeit endet die Diskussion erfolglos und wird vertagt. Am Kollegium St. Michael wird wahrscheinlich morgen Mittwoch eine ausführliche Debatte in der Aula stattfinden. So lange braucht Renevey nämlich, um sein weiteres Vorgehen zu planen.
Auch Oberamtmann Nicolas Deiss hatte gestern alle Hände voll zu tun: «Die Demonstration war weder angemeldet noch bewilligt; die Polizei hatte die Aufgabe, sie so rasch als möglich zu kanalisieren und in die richtigen Bahnen zu lenken.» Es war nicht möglich, eine «Ad-hoc-Bewilligung» zu erteilen, weil niemand die Verantwortung übernehmen wollte. Nach Auskunft von Polizeisprecher Charles Marchon kam es trotz der chaotischen Konstellation nirgends zu Ausschreitungen – einzig der Verkehr musste eige Behinderungen in Kauf nehmen.

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