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Mit «Drift» im Sumpf des Absurden

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Kristina Soldati

Die freiburgisch-zürcherische Tanzcompagnie Drift hat am Mittwochabend im Nuithonie ihren neusten Wurf gelandet: «Cadavre Exquis». Makabres ist die Spezialität dieser Truppe. Ein lebendiges Streichquartett säumt die Bühne, während vier leblose Figuren wie für einen Ritus im Zirkel liegen. Sie falten sich wie von fremden Mächten in die Höhe und an denselben Knickstellen sorgfältig wieder zusammen.

Der Kreation liegt das lustige Faltspiel «Cadavre Exquis» zugrunde, bei dem die Spieler reihum auf einem Blatt verdeckt nach und nach einen Körper zeichnen, beginnend mit dem Kopf. Das entrollte Endprodukt amüsierte bereits die französischen Surrealisten, die angeblichen Erfinder des Spiels.

Dass mit dieser dadaistischen Montage makabre Bilder entstehen, ist ganz nach dem Geschmack der Choreografin Béatrice Jaccard. Seit der Gründung der Compagnie Drift spürt sie mit Vorliebe künstlerisch dem Grotesk-Absurden im Alltag nach. Wenn zum Beispiel im Stück Mann auf Frau trifft, Verbeugung auf Knicks, Ehrerbietung auf Unterwürfigkeit, ist das Alltag. Wenn Ehrbezeugung buckelt, die Untertänigkeit sich verrenkt, sein Kopf fast im Sand steckt und ihre Hände und Füsse auffordernd sich gen Himmel recken, dann ist das der Sumpf des Absurden. Unsere eingefleischten Reflexe verstärken einander und verselbständigen sich frohlockend.

Starke Bilder

Solche überzeichnete Körpersprache bot uns schon Wilhelm Busch, in bewegter Folge bot sie uns dann der Stummfilm – und nun im Takt der Komposition von Helga Pogartschar: der Tanz.

Die Szenen reihen sich aneinander wie die Körperteile des komischen Faltspiels, nahtlos, aber inhaltlich offen. Das Stück schafft starke Bilder und verkettet sie wie im Zeichentrick. Weit aufgerissene Angstaugen, ausgefahrene Krallen, staubwirbelnde Rennbeine … Solche Versatzstücke von emotionalem Ausdruck bilden den Bewusstseinsstrom des heutigen Zeitgenossen. Kontextlos bombardieren sie diesen auf Plakaten und Clips. Das Bewusstsein ist schon seit langem kein Fluss mehr. Vielmehr zerhackte Eindrücke. Aber endlos wiederbelebt, wie die Kriegshelden unserer Videospiele. Die Compagnie sei für ihre intelligente Art zu choreografieren beglückwünscht. Sie verdient mehr Raum, und es braucht mehr dieser talentierten Drift-Tänzer (neben der Choreografin: Judith Rohrbach, Monica Munoz Marin und Marco Volta), um auch mal raumgreifende Bewegung zu erforschen – und natürlich zu sezieren.

Weitere Vorstellungen: Nuithonie, Villars-sur-Glâne. Fr., 26. November, und Sa., 27. November, jeweils 20 Uhr; So., 28. November, 17 Uhr.

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