Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Mit Samthandschuhen angefasst

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Mit Samthandschuhen angefasst

Der Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel referierte über Journalismus

Vor 150 Studierenden hat Roger Köppel an der Universität Freiburg über den Journalismus der Weltwoche referiert. Kritische Voten blieben in der Diskussion weitgehend aus.

Von MICHAEL EHRLER

«Ich bin überrascht, dass sich so viele Studierende für einen Journalisten aus Zürich interessieren», sagte Köppel zu Beginn seines Referates zum Thema «Germanistik und Berufspraxis Medien». In der Tat fanden erst dann alle Zuhörer Platz, nachdem der Hörsaal zweimal gewechselt worden war.

Rückkehr zu alten Tugenden

Köppel nutzte in seinem Vortrag die Gelegenheit, die aktuelle Marschrichtung der Weltwoche unter Rückgriff auf die Vergangenheit des Blatts zu rechtfertigen. Er verzichtete dabei ganz auf Polemik, sondern stellte den Journalismus, wie er bei der Weltwoche gepflegt wird, sachlich und durchaus selbstkritisch dar. Authentizität, Glaubwürdigkeit, Verzicht auf Abgehobenheit und Orientierung an der Realität seien für ihn die Eckpfeiler eines guten Journalismus. Nach diesen Kriterien habe er die Weltwoche ausgerichtet, als er im August 2001 das Amt des Chefredaktors übernommen habe. Er habe sie dadurch auch vom starren Politjournalismus, der das Blatt in den Untergang getrieben hatte, entfernt. Seine Vorgänger hätten sich zu stark am deutschen Renommierblatt «Die Zeit», diesem «räsonierenden Lehrerzimmer», orientiert. Die Weltwoche sei dadurch im Konzert der meinungsbildenden Blätter zur unbedeutenden Begleitmusik herabgesunken.

Thema muss interessieren

Köppel meinte provokativ, «ein Blatt wie die Weltwoche ist an sich überflüssig». Deshalb könne die Weltwoche nur überleben, wenn sie sich ins Gespräch bringe. Im Gegensatz zur alten Weltwoche sei deshalb ein ganz neuer Massstab für die Themenwahl nötig gewesen. «Es gibt nur interessante und uninteressante Themen», eine Unterscheidung von seriösen und seichten Themen sei völlig verfehlt, sagte er. Themen müssten so gewählt werden, dass man zum «Souffleur des intelligenten Tischgesprächs» werde, dass jene Themen angesprochen würden, über die die Leute reden.

Kaum kritische Fragen

Köppels Ausführungen schienen das Publikum zu überzeugen. Kritische Fragen blieben weitgehend aus oder bezogen sich konkret auf einzelne Artikel. Auch die Frage zum Rechtsrutsch des Blattes konnte Köppel nicht in Verlegenheit bringen. Er gestand durchaus eine gewisse Verschiebung nach rechts ein und betonte, dass er mit dem Etikett «rechts» weniger Mühe habe, als er dies etwa mit dem Attribut «unglaubwürdig» hätte. Im Zusammenhang mit der politischen Ausrichtung des Blattes wies Köppel auch auf die grosse Meinungshomogenität der Zürcher Medien-Szene hin, von der sich die Weltwoche absetzen wolle. «Von den anderen gibts schliesslich schon genug», so Köppel. In vielen Zeitungen würde die SVP stigmatisiert und des Unrechts bezichtigt, obwohl hinter vorgehaltener Hand durchaus Sympathien gehegt würden.

Wege in den Journalismus

Die einzige Frage, die Köppel ins Schwitzen brachte, war die Bitte, er solle die drei besten Geschichten nennen, die während seiner Ära in der Weltwoche erschienen sind. Nach längerem Überlegen sagte er, dass dazu der zeitliche Abstand noch zu wenig gross sei, und gab dann schliesslich doch einige Texte an, die ihn beeindruckt hätten oder die er, wie den Beitrag «Eine Million pro Flüchtling», mutig gefunden habe.

Einen grossen Raum nahmen Fragen ein, wie man in den Journalismus gelangen könne oder welche Studienrichtungen Köppel bei den Bewerbern bevorzuge. Dass er Ökonomen und Historiker bevorzugt und Germanisten nur dann, wenn sie sich vom Literatur-Anspruch verabschieden, wurde im Saal ohne Reaktion aufgenommen.

Mehr zum Thema