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Mitch geht

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Ob Michel Favre am vergangenen Wochenende beim Fest zum 35-jährigen Bestehen der Sozio-kulturellen Animation Marly und zu seinem Abschied ein paar Tränen über die Wangen liefen, entzieht sich der Kenntnis dieser Zeitung. Eines ist aber gewiss: Wenn ja, dann waren es Tränen der Rührung und nicht der Trauer. Denn kein Geld der Welt hätte den Mann dazu gebracht, seine Entscheidung rückgängig zu machen. Und so geht Michel Favre nun mit 60  Jahren vorzeitig in Rente. «Ich habe mal ausgerechnet: Wenn ich bis 65 bleiben würde, könnte ich den Jugendlichen erzählen, dass schon ihre Grossmütter und -väter bei mir waren», sagt Favre lachend. «Aber es ist wohl besser so, wie es ist.»

 

Die Marke Mitch

Michel Favre alias Mitch ist in Marly eine regelrechte Institution. Seit 1985 hat er in über drei Jahrzehnten die Jugendarbeit in der Gemeinde aufgebaut. Heute umfasst die Sozio-kulturelle Animation auch generationenübergreifende Projekte. Mitch ist schon fast zu so etwas wie einer Marke geworden. Als ihm einige Jugendliche in den Anfängen seiner Karriere den Übernahmen Mitch gaben, fand Michel Favre das zwar nicht so prickelnd. Als er 1989 aber Vater wurde, kündigte das Pfarrblatt die Geburt «der Tochter von Mitch Favre» an. Da wurde ihm klar, dass sich dieser Name bereits in den Köpfen der Leute festgesetzt hatte. Später begann Michel ­Favre «Mitch» als Markenzeichen zu nutzen. «Wenn jemand etwas auf die Beine stellen wollte, sagte ich immer: Geh und sag, dass Mitch dahinter steht. Das hat in der Regel gewirkt.»

Sein Credo

Der gute Ruf kam allerdings nicht von allein. Zwar war Marly die erste Gemeinde der Schweiz, die einen kommunalen Jugendarbeiter einstellte, als Favre aber 1995 die schiere Zahl der Projekte nicht mehr alleine stemmen konnte, war die Gemeinde nicht bereit, eine zusätzliche Stelle zu schaffen. Mitch war drauf und dran, einen anderen Job anzunehmen. «Als jedoch ein Jugendlicher der Gemeinde schrieb, sie dürfe mich nicht gehen lassen, kam ich ins Wanken. Ich merkte, dass es nichts bringt, die Umgebung ändern zu wollen, sondern, dass ich mich ändern muss.» Und so zog Mitch die Bewerbung zurück und machte sich den Grundsatz zu eigen, nicht gegen die Dinge ankämpfen zu wollen, sondern das Positive zu nähren, so dass es mehr und mehr Raum einnimmt. Mit Erfolg: Nebst Mitch, der ein Pensum von 90 Prozent hatte, sind heute bei der Sozio-kulturellen Animation drei weitere Personen beschäftigt, alle zwischen 30 und 80  Prozent. Dazu ist das Sekretariat mit 55  Stellenprozenten dotiert.

«Jugendliche müssen nerven»

Der Gesinnungswandel in der Gemeinde ging auch mit einem Wandel in der Gesellschaft gegenüber der Jugendarbeit einher. «Früher musste ein Jugendlicher zuerst einen Stein werfen, um gehört zu werden. Jugendliche wurden über die Probleme, die sie machten, definiert. Heute sieht man in ihnen vor allem die Ressourcen, die sie entwickeln können», sagt Michel Favre. Die Jugendlichen von einst und von heute seien aber dieselben geblieben, weder besser noch schlechter. «Wenn mich Leute gefragt haben: Hei, geht es mit diesen Jugendlichen, habe ich immer gesagt: Ja mit ihnen schon, nur mit den Erwachsenen ist es manchmal schwierig.» Jeder habe eben seine Rolle zu spielen: «Die Jugendlichen haben jung zu sein, die Erwachsenen erwachsen.» Dabei sei es die Aufgabe der Jugendlichen, zu nerven und die Grenzen zu suchen.

Animator oder Agitator?

Gleichzeitig hält Favre die Vorstellung, dass Jugendarbeit da ist, um Probleme aus der Welt zu schaffen, für falsch. «Es ist das Gegenteil der Fall: Es ist die Aufgabe der Sozialarbeit, Probleme an das Tageslicht zu bringen.» Die schlimmste Form von Gewalt sei die Ignoranz, findet Favre. Da sein, zuhören und Angebote machen, lautete darum seine Devise. Dennoch hat er in den letzten zwei Jahren auch feststellen müssen, dass es schwieriger geworden ist, an die Jugendlichen heranzukommen. «Nicht, wenn es darum geht zu konsumieren, sondern dann, wenn man sie für ein Engagement gewinnen will.» Favre führt dies auf den erhöhten Medienkonsum zurück, der dazu führe, dass die Jugendlichen weniger greifbar seien.

Den Draht zu ihnen hat Favre allerdings nie verloren. Auch das Feuer für die Kids, das in ihm schon als begeisterter Pfadi-Leiter geweckt worden war, ist nie erloschen. In den letzten Jahren ist er aber bewusst in die zweite Reihe getreten. Einerseits, weil ihm bewusst wurde, dass der Altersunterschied immer grösser wurde, andererseits, weil er die Sozio-kulturelle Animation von Marly in die Zukunft führen wollte. «Ich habe intensiv an der Auflösung der Marke Mitch gearbeitet. Ich wollte nicht, dass das Ganze zusammenbricht, wenn ich gehe.»

Der private Michel Favre

Die Sozio-kulturelle Animation sei Arbeit und Leidenschaft zugleich gewesen, sagt Favre zum Abschluss des Gesprächs. Beides habe ihn verschlungen. Wer also nach dem privaten Michel Favre fragt, bekommt nicht viel zu hören. «Meine Partnerin hat manchmal zu mir gesagt: Hei, was schuftest du bis zum Umfallen? Es ist ja nicht deine Firma!» Aber genau dieser Umstand, dass nämlich die Sozio-kulturelle Animation eine Gemeindeaufgabe sei, die auf viele freiwillige Helfer angewiesen sei, die sich in ihrer Freizeit investieren, habe dazu geführt, dass er nicht einfach Feierabend habe machen können, wenn die OK-Sitzung für ein Fest vorbei war. «Ich hatte keine Wahl, ich musste noch auf ein Bier bleiben, um den Menschen meine Wertschätzung zu zeigen.» Manchmal habe er das schon anstrengend gefunden, weil dabei sein eigenes Privatleben auf der Strecke geblieben sei. Dennoch blickt ­Favre zufrieden auf sein Leben als Mitch zurück: «Ich habe mein Bestes gegeben.» Die Hände in den Schoss legen wird er aber auch in Zukunft nicht. Er werde weiterhin als Super­visor für Sozialarbeit tätig sein und sich im kantonalen Integrations­programm «Gemeinsam in der Gemeinde» engagieren. Favre freut sich aber auch auf mehr Zeit für seine Familie, aufs Gitarrespielen, Tauchen und Wandern. Und der gelernte Bäcker-Konditor will kochen. «Das soll sexy sein», sagt er schmunzelnd.

«Die Aufgabe der Sozialarbeit ist es, Probleme an das Tageslicht zu bringen.»

 

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