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Moratorium und klare Kriterien

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Moratorium und klare Kriterien

Papierlosen-Kollektiv fordert eine gezielte Studie des Kantons

Das Freiburger Papierlosen-Kollektiv fordert einen Aufschub von gewaltsamen Rückschaffungen. Der Kanton solle stattdessen eine Studie über die Sans-Papiers in Auftrag geben. Dies ergäbe klarere Kriterien für die Ausländerpolitik.

Von CHRISTIAN SCHMUTZ

«Die Papierlosen tragen zum Wohlstand und zum kulturellen Reichtum dieses Landes bei», sagte Lionel Roche, Kontaktperson des Freiburger Papierlosen-Kollektivs. «Gleichzeitig bekommen sie keine Rechte. Das ist doch unmenschlich.» Für ihn ist klar, dass es sich bei den Papierlosen um ein soziales Phänomen handelt, das auf einer grösseren Ebene angepackt werden muss.

Laut Unterstützungskomitee hat sich die Situation in der Schweiz in den fast zwei Jahren seit seiner Gründung kaum verbessert. Die grosse Mehrheit entspreche nicht dem «Kreisschreiben Metzler» von Dezember 2001. Und wenn, dann werde eine sehr willkürliche Regulierungspolitik angewandt, sagte Ladina Schleich vom Komitee.

Freiburg soll
Verantwortung übernehmen

Die Freiburger Behörden würden ihrerseits sagen, die Ausländer- und Asylpolitik des Bundes sei zu restriktiv um gleichzeitig eine schwangere Frau aus dem Kosovo mit ihren zwei kleinen Kindern aus der Schweiz gewaltsam auszuschaffen. Das Papierlosenkollektiv beschwerte sich in einem offenen Brief an Staatsrat Claude Grandjean über diese scheinheilige Politik. «Es genügt nicht sich hinter den Befehlen und Entscheiden aus Bern zu verstecken. Es ist Zeit, dass Sie Ihre Verantwortung übernehmen», steht im Brief.

Die Papierlosen machen nun einen Schritt vorwärts. Bald gebe es ein Schreiben an den Staatsrat. «In den ersten zwei Monaten dieses Jahres hat es 53 neue Sans-Papiers im Kanton Freiburg gegeben», glaubt Schleich. Es müsse jetzt ganz einfach zuerst eine wissenschaftliche Studie über die soziologische Wirklichkeit der Papierlosen geben. Damit habe man etwas in der Hand, um endlich in der Ausländerpolitik klare Kriterien zu schaffen.

In dieser Zeit brauche es aber ein Moratorium für alle Rückschaffungen, damit richtig für die Studie geforscht werden könne. «Man muss wissen, wo diese Leute sind, wo sie für wie viel Lohn arbeiten und wie sie Zugang zu Gesundheit und Ausbildung haben», sagte Lionel Roche.

«Keine Kriminelle, sondern Arbeiter»

An der Pressekonferenz gestern Vormittag sprachen Direktbetroffene aus verschiedenen Ländern über ihr Schicksal. «Südamerikaner werden im Asylverfahren systematisch abgelehnt», beschwerte sich ein 25-jähriger Chilene, der mit seiner Familie mehr als zehn Jahre in der Schweiz gewohnt, dann in Chile studiert und nach seiner Rückkehr keine Papiere mehr bekommen habe. «Ich habe nie Arbeits-
losenunterstützung oder Sozialhilfe benötigt», sagte eine Kollegin ohne Papiere. Sie sei doch keine Kriminelle, sondern wolle einfach hier arbeiten.

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