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«Mutter der Nation» ist tot

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«Mutter der Nation» ist tot

Schauspielerin Inge Meysel an Herzstillstand gestorben

Resolute Frauen von der Putzfrau bis zur Diebin und vor allem Mütter spielte sie dutzendfach. Das brachte ihr den Titel «Mutter der Nation» ein. Inge Meysel ist am Samstag im Alter von 94 Jahren friedlich eingeschlafen.

Von BRITA JANSSEN/dpa

Die Legende der deutschen Fernseh- und Theaterunterhaltung mit ihrer unverwechselbaren Stimme galt als forsche Kämpferin und unerschütterliche Kratzbürste. Bevor sie in ihren letzten Lebensjahren an Altersdemenz erkrankte und intensiver Betreuung bedurfte, war sie für ihre Scharfzüngigkeit ebenso gefürchtet wie für ihre herzliche Direktheit geliebt.

Herzstillstand

Seit langem lebte Inge Meysel allein in ihrer Villa in Bullenhausen bei Hamburg am Elbdeich, wo sie jetzt auch an einem Herzstillstand starb. Erst vor wenigen Wochen war sie nach einem Oberschenkeltrümmerbruch und längerem Spitalaufenthalt dorthin zurückgekehrt.

Das 1,56 Meter grosse Bündel aus Energie und Temperament hat sich bis fast zuletzt gern eingemischt. Was andere von ihr hielten, schien ihr nicht allzu wichtig zu sein. Das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse lehnte die Schauspielerin 1981 kiebig ab: «Einen Orden dafür, dass man anständig gelebt hat?»

Couragiert war die Meysel nicht nur in ihren Rollen. Ende der 70er lief die gebürtige Berlinerin zusammen mit der Frauenrechtlerin Alice Schwarzer Sturm gegen die Vermarktung der Frau als Sexualobjekt im Magazin «Stern».

Kämpferin

Ihre kämpferische Grundeinstellung hat die Meysel einmal mit den bitteren Erfahrungen erklärt, die sie im Nationalsozialismus machen musste. «Ich bin immer in Kampf- und Abwehrstellung, weil ich mit 23 wegen der Nazis nicht mehr arbeiten durfte. So habe ich eine Abwehr in mir hochgezüchtet, damit mich niemand mehr verletzen kann.»

Spass am Leben habe sie «so lange, wie es Spass am Kampf für mich gibt», sagte sie einmal. Viel zu wenig Menschen hätten im Dritten Reich den Mund aufgemacht – und das sei so geblieben.

Auftrittsverbot der Nazi

Die 1910 in Berlin als Tochter eines jüdischen Tabakhändlers und einer Dänin geborene Meysel kam nach dem zwölfjährigen Auftrittsverbot bei den Nazis durch Helmut Käutner 1945 ans Hamburger Thalia Theater.

In den folgenden Jahren besetzte sie vorwiegend das Fach der Salondame im Boulevard. Zusammen mit ihrem zweiten Mann, dem Regisseur John Olden, mit dem sie von 1956 bis zu seinem Tod 1965 verheiratet war, näherte sie sich gleichzeitig aber auch dem Charakterfach in Stücken von John Priestley, Tennessee Williams oder Gerhart Hauptmann.

Letzter Auftritt in der Schweiz

Unvergessen ist vielen ihre Darstellung der Käthe Scholz in der TV-Serie «Die Unverbesserlichen» (1965-1971). Die robuste, ein wenig alltagsmüde Familienglucke Käthe wurde zu einer Paraderolle der Meysel.

Trotz aller Popularität, «die man aushalten muss», verstand Inge Meysel sich immer als «Handwerkerin in einem reproduzierenden Gewerbe». «Schauspieler müssen wissen, dass der Autor der eigentliche Künstler ist», sagte Deutschlands populärste Volksschauspielerin, die auch im Bernhard-Theater in Zürich aufgetreten war.

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