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«Nach der Messe gabs Tabak»

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«Nach der Messe gabs Tabak»

Kirchenrenovation in Bellechasse ist abgeschlossen

Die katholische Kirche von Bellechasse ist die einzige Pfarreikirche in der Schweiz, vielleicht sogar weltweit, die innerhalb eines Gefängnisareals steht. Gefängnisinsassen und Kirchenbesucher von «draussen» feiern gemeinsam die Messe in der frisch renovierten Kirche.

Von ELISABETH SCHWAB-SALZMANN

Eine Pionierrolle nahm die Kirche von Bellechasse schon ein, als sie 1933 von Monseigneur Besson eingeweiht worden war: Die Hauptkirche, unter dem Patrozinium des heiligen Vinzenz von Paul, war den Katholiken zugedacht. In einem Annexbau feierten die Protestanten. Nicht nur der ökumenische Gedanke war für diese Zeit aussergewöhnlich, auch die Tatsache, dass eine Pfarreikirche vollständig auf dem Gebiet eines Gefängnisareals steht, machte sie zur Besonderheit. Dazu kommt die ungewöhnliche Bauweise. Bellechasse ist neben Wünnewil eine der ersten in Beton gebauten Kirchen.

Nach knapp siebzig Jahren machten sich Baumängel und Umwelteinflüsse bemerkbar. Die Aussenhülle und das Dach wurden undicht, der Stahl im Beton verwitterte teilweise, so drängte sich eine Totalrenovation auf. Die Arbeiten sind nach mehrmonatiger Bauzeit abgeschlossen; mit einem festlichen Orgelkonzert am 25. Juni wird die Kirche eingeweiht. Am Sonntags-Gottesdienst vom 27. Juni spendet Bischof Bernard Genoud in der Kirche von Bellechasse die Firmung.

Von Kommunion bis Beerdigung

Braucht es auch heute noch eine Kirche von dieser Grösse für die Gläubigen? In den Gründerjahren der Kirche waren die meisten Insassen von Bellechasse katholisch und bis zum Jahr 1974 gehörten auch Frauen dazu. «Damals wurde einmal in der Woche, immer nach der Messe, Tabak an die Häftlinge verteilt», sagte der neue Gefängnisdirektor, Philippe Tharin, an der Medienpräsentation. Die Frauen sassen auf der Empore, die männlichen Insassen im Kirchenschiff und die Mitglieder der Kirchgemeinden hinter einer Abschrankung.

Heute finden sich alle Gläubigen, die von «drinnen» und diejenigen von «draussen», gemeinsam im Kirchenschiff zusammen. Ökumenische Feiern finden alternierend in Bellechasse und in der Kirche von Môtier statt. Die reformierten Insassen werden seit 50 Jahren vom protestantischen Pfarrer Brechtbühl betreut. Ein Imam besucht einzeln die moslemischen Insassen in deren Zellen.
Tharin präzisiert, dass die Pfarreikirche Bellechasse zur katholischen Pfarrei Murten (mit ihren 25 Gemeinden) gehört. In Bellechasse werden Erstkommunion, Firmung, Hochzeiten und Beerdigungen gefeiert. Gemäss Tharin wurde die Mehrheit der Katholiken vom Wistenlach in Bellechasse getauft

Alle Leiden dieser Welt

Nach der Renovation erstrahlt die Kirche von Bellechasse in den ursprünglichen Farben hellblau, ockergelb und ziegelrot. Der Kreuzweg, von Oscar Cattani gemalt, und die monumentale Chormalerei von einem ehemaligen Insassen, Antonietti, wurden aufgefrischt. Marie-Thérèse Torche, Konservatorin, erklärte, dass man die Chormalerei mit den ausdrucksstarken Abbildungen vom menschlichen Leiden unbedingt erhalten wollte.

Am Festkonzert vom Freitag, 25. Juni, spielt die Organistin Gisela Murmann zum ersten Mal auf der neuen Orgel. Jean-Daniel Ayer, Orgelbauer aus Vauderens, schuf eine Neuheit: Die elektrische Traktur ermöglicht, dass jede einzelne Pfeife selbständig angespielt werden kann. Die Orgel ist nicht wie üblich auf der Empore plaziert, sondern vorne bei den Kirchgängern und kann nach Belieben verschoben werden.
Wie schon beim Bau der Kirche, halfen auch bei der Renovation Insassen von Bellechasse mit. Rund 150 verschiedene Mitarbeiter, von Bellechasse und von zehn auswärtigen Betrieben, arbeiteten zusammen. Rund 1,3 Millionen Franken kosteten die Arbeiten, 120 000 Franken davon die neue Orgel. Die Loterie Romande ist der Hauptsponsor, neben Kirchgemeinden und Privaten.

Jean-Jacques Meille, Präsident vom gemischten Chor Bellechasse, ladet auf den 13. November den Gospel-Chor «Azimut Gospel» aus dem Wallis ein. «Wir möchten mit einem musikalischen Programm unsere Kirche neu beleben», erklärt Meille.

Festkonzert zur Orgeleinweihung: Freitag, 25. Juni 2004, um 20 Uhr. Programm: Gemischter Chor Ursy, gemischte Chöre Bellechasse und Caecilia Murten und Orgelkonzert von Gisela Murmann. Festgottesdienst mit Firmspendung von Bischof Bernard Genoud am Sonntag, 10 Uhr.

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