Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Neugierige Vögel

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Von JOHANNESHOFSTETTER

Die letzte Beobachterin des «Paul-Grossrieder-Prozesses» kam leicht verspätet, aber dafür durchs Fenster im ersten Stock in den Gerichtssaal. Ohne sich um den Ernst der hier verhandelten Angelegenheit zu kümmern, drehte sie erst ziemlich aufgeregt, und dann immer gelassener Runde um Runde, überflog auf der Suche nach einem Sitzplatz immer wieder die Zuschauertribüne, stellte fest, dass dort oben tatsächlich kein Zentimeter Platz mehr frei war, und machte es sich schliesslich auf dem Türrahmen gemütlich, von wo aus sie das Treiben bis zum für manche eher bitteren Ende mitverfolgte.

Das «normale» Publikum seinerseits liess sich – wie die Prozessteilnehmer im Übrigen auch – von der unverhofften Besucherin nicht weiter stören, sondern freute sich vielmehr über die tierische Abwechslung des ansonsten eher tristen juristischen Alltags.
Nachdem der kleine Gast auf seinem Logenplatz ohnehin keinerlei Anstalten machte, den Saal zu räumen, sah sich der Gerichtspräsident zu einer kurzen Stellungnahme gezwungen: «Es gibt noch neugierige Vögel», schmunzelte er, es vermeidend, einen Blick auf die mit Journalisten und anderen interessierten Gästen vollgestopften Bänke zu werfen.
Was Staatsanwältin Anne Colliard Arnaud im Verlauf der ersten vier Verhandlungstage nicht gelungen war – nämlich, einen Beweis zu erbringen -, brachte die geflügelte Zuschauerin im Übrigen spielend fertig: Just am 21. Juni demonstrierte die Schwalbe, dass sie eben doch einen Sommer machen kann.
Ein gewisses Mass an Unverfrorenheit und Hellsichtigkeit konnte man ihr ebenfalls nicht absprechen: Just in dem Moment, in dem Polizeikommandant Pierre Nidegger wider besseres Wissen behauptete, bei der ersten Einvernahme Grossrieders nicht anwesend gewesen zu sein, gab der über ihm schwirrende Piepmatz erst- und letztmals an diesem Tag Laut. Es klang, als ob der Vogel den Polizeichef auspfeifen wollte.

Mehr zum Thema