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Nicht alle lieben diesen Wasservogel

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Der Kormoran bereitet Sport- und Berufsfischern am Murtensee Kopfzerbrechen

Autor: Von PATRICK HIRSCHI

«Es gibt Seen und Flussabschnitte in Europa, die sind leergefressen», sagt Thomas Bula im Gespräch mit den FN. Der Präsident des Sportfischervereins Vully und Umgebung macht via Vereinshomepage und einem Schreiben an verschiedene Medien auf eine Situation aufmerksam, die vielen Hobby- wie auch Berufsfischern Sorgen bereitet. Es geht um den Kormoran. Dieser Wasservogel ernährt sich von Fischen und ist damit ein direkter Konkurrent der Fischer.«Seit anfangs Oktober werde ich von Fischern immer häufiger auf dieses Problem angesprochen», so Bula. Ein Kormoran verspeist täglich rund ein halbes Kilo Fisch. Geht man wie Bula von 1000 Exemplaren auf dem Murtensee aus, so fressen diese 500 Kilo pro Tag. Das sind bei einer Aufenthaltszeit von drei Monaten zirka 45 Tonnen.

Schweizerischer Fischerei-Verband fordert Zerstörung der Eier

Die Ertragseinbussen seien momentan noch nicht so hoch, sagt Berufsfischer Pierre Schaer aus Guévaux auf Anfrage. Sorgen bereitet ihm aber die bevorstehende Wintersaison. «Dann behalten wir die Netze nicht nur eine halbe Stunde, sondern meist die ganze Nacht im Wasser.» Die Kormorane stürzen sich gerne auf diese Netze und zerstören sie dabei. Bei solchen Aktionen lassen sie auch jede Menge Fische verletzt zurück. «Die können wir nicht mehr als Filet verkaufen», beklagt sich Schaer. Die Fischer am Murtensee sind mit ihrem Anliegen nicht alleine. Wiederholt hat der Schweizerische Fischerei-Verband das Bundesamt für Umwelt aufgefordert, Eingriffe zur Bestandesminderung der Kormorane vorzunehmen, namentlich bei der Brutkolonie Fanel, am Ufer des Neuenburgersees bei Cudrefin. Die Fischer fordern konkret, dass zum Beispiel die Eier angestochen oder besprayt werden, um das Schlüpfen von Jungtieren zu verhindern.Im Fanel leben zurzeit etwa 200 Brutpaare. Das entspricht gemäss François Thurian vom Naturschutzzentrum «La Sauge» bei Cudrefin rund zwei Dritteln der Brutpopulation in der Schweiz.

Vogelschützer sehen keinen Handlungsbedarf

Anders als die Fischer sieht Thurian zurzeit keinen Handlungsbedarf. «Es gibt genug Fische für Mensch und Vogel», ist er überzeugt. Zudem fehle der Nachweis, dass die Berufsfischerei bedroht sei.«Die Positionen zwischen Fischern und Vogelschützern sind verhärtet.» Zu diesem Schluss kommt Reinhard Schnidrig vom Artenmanagement beim Bundesamt für Umwelt (Bafu). Er verweist darauf, dass das Fanel-Gebiet unter Schutz steht und dass das Zerstören der Bruten unter der jetzigen Gesetzgebung nicht möglich ist.Schnidrig wohnt in Ferenbalm und kennt daher die Drei-Seen-Region. Er verweist darauf, dass das Bafu zurzeit abklärt, wie gross das Ausmass der Schäden durch Kormorane bei den Berufsfischern im Murten- und Neuenburgersee ist und was eine Kontrolle von Kormorankolonien für Auswirkungen haben könnte. Die Berichte werden für November erwartet. Allfällige Gesetzesänderungen könnten aber erst für die Brutsaison im Frühling 2009 wirksam werden.Sollte sich herausstellen, dass gewisse Schutzmassnahmen für brütende Kormorane im Fanel aufgehoben werden sollten, hätte der Bundesrat darüber zu entscheiden. «Da müssen wir gute Gründe vorweisen können», sagt er.

Nicht die beste Lösung

Für Schnidrig ist eine Reduzierung des Kormoranbestandes nicht zwingend die beste Lösung. Er könne sich vorstellen, dass es unter Umständen wirksamer ist, die Vögel aus bestimmten Gebieten zu vergrämen. Sollten jedoch gewisse Fischarten vom Aussterben bedroht sein, gäbe es durchaus Handlungsspielraum.«Für den Murtensee sehe ich keine Gefährdung von Fischarten», sagt Matthias Escher. Der Tierarzt aus Ulmiz leitet das Büro für Gewässerökologie und Fischereifragen «Aqua Sana».

Artenschutz hört an der Wasseroberfläche auf

Allerdings ist er sich der Konkurrenzsituation zwischen Fischern und Kormoranen bewusst und spricht sich für Massnahmen aus, um den Kormoranbestand zu reduzieren. «Gemäss Vogelwarte Sempach gab es 1968 nur wenige hundert Exemplare. Anfangs 90er waren es über 10 000. Die Zunahme ist exponential», so Escher.Er ist der Meinung, dass Fischen beim Artenschutz nicht das gleiche Recht zugesprochen wird wie anderen Tieren. «Der Artenschutz hört an der Wasseroberfläche auf», ist er überzeugt. Seiner Meinung nach sollte es möglich sein, dass der Mensch in die Natur eingreift und beispielsweise Populationen reguliert.

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