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Ob es Schimpansen besser machen?

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Wort zum Sonntag

Autor: Urs Zimmermann/Kipa

Ob es Schimpansen besser machen?

Nüchtern betrachtet, herrscht in einer Horde Schimpansen meistens mehr Nächstenliebe als in einer Kirchgemeinde.» Markige Worte. Sie stammen von Beda M. Stadler, Professor für Immunologie an der Universität Bern, und finden sich in einem Essay, welches vergangenen Dezember in der Zeitschrift «Die Weltwoche» erschienen ist. Zu hart? Wahrscheinlich. Aber Unrecht hat Professor Stadler nicht. Mancherorts sind Nächstenliebe und Friede unter den Mitgliedern einer Kirchgemeinde wirklich nur ein frommer Wunsch.

In der Gemeinde A. zum Beispiel: Da hält Frau B. den Pfarrer für zu konservativ, und Herr C. besucht aus Prinzip keine Wortgottesdienste. Frau D. ist seit Tagen verstimmt, weil sie am Seniorennachmittag nicht per Handschlag begrüsst worden ist. Und für Herrn E. brach eine Welt zusammen. Auf Druck hin musste er seine ehrenamtliche Tätigkeit in jüngere Hände legen, obwohl er doch schon seit Jahrzehnten für die Kirchgemeinde arbeitete. Frau F. und Frau G. grüssen sich seit Jahren nicht mehr und Herr H. ist enttäuscht, weil seine Arbeit nur wenig Wertschätzung erfährt. Wem kommt da das eine oder andere nicht bekannt vor? Gut möglich, denn Ähnliches wie in der Gemeinde A. findet sich auch in den Gemeinden X., Y. und Z.

Unsere Pfarreien sind nicht automatisch Horte der Nächstenliebe und des Friedens. Nirgends und noch nie. Nicht einmal in den Anfängen, ich meine in den frühchristlichen Gemeinden von Korinth, Ephesus oder Philippi. Woher ich das weiss? Aus der Bibel, genauer aus den Briefen an die frühen Gemeinden. Paulus oder seine Schüler kommen da auf die Zustände in den damaligen Ortskirchen zu sprechen und finden deutliche Worte.

An die Christen in Korinth zum Beispiel. Da ist von Zank und Streit die Rede, von Hochmut und Wortbruch, von Kleinlichkeit und Egoismus. Frau B. war gemeint, der der eine Prediger nichts recht machen konnte. Und Herr C., der nur eine Art der Verkündigung gelten liess. Frau D. war gemeint, die einer Nichtigkeit wegen grollte, und Herr E., der nicht loslassen wollte. Frau F. und Frau G. waren gemeint. Ihr Verhalten warf ein miserables Licht auf die Gemeinde, und Herr H. war gemeint, dessen Einsatz nicht nur der Sache galt.

In seinem Brief spricht Paulus die Probleme an, stellt richtig, empfiehlt, erteilt Weisungen, lehrt, betet und segnet. Und bemerkenswert: Bevor er all das tut und auf Einzelheiten zu sprechen kommt, fasst er zusammen. Er beginnt seinen Brief mit: «Friede sei mit Euch von Gott, unserem Vater …» Frieden … Frieden ist der Grund, auf dem die Liebe wächst. Und die Liebe wehrt dem Zank, dem Hochmut, dem Wortbruch und der Kleinlichkeit.

«Friede sei mit Euch von Gott, unserem Vater.» Diesen Sonntag werden die Paulusworte in der zweiten Lesung vorgetragen. Warum? Die Damen und Herren A., B., C., D., E., F., G. und H. sollen sie hören. Wir aber auch, weil wir den Damen und Herren A. bis H. oft ähnlich sind und es den Kritikern leicht machen.

Urs Zimmermann ist Pfarrer in Bad Zurzach, priesterlicher Mitarbeiter im Pfarreienverband Zurzach-Studenland und betreut die Wallfahrt zur Heiligen Verena.

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