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Ode an die Kopfnuss

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gastkolumne

Autor: Pascal Vonlanthen

Ode an die Kopfnuss

Ich schwöre, wenn ich meine Fussballkarriere nicht als dritter Auswechselspieler – da Angst vor Kopfbällen – frühzeitig hätte beenden müssen, hätte die Schweiz nun mindestens 3 Punkte, und ich stünde morgen Abend auf dem Schlachtfeld des heiligen St.-Jakob-Parks und würde Ronaldo, Deco, Gomez und co. zur Schnecke machen. Meine Mannschaft stünde hinten wie die Eigernordwand, und vorne tanzten die Stürmer wie Gazellen auf Feuer. In der 91. Minute ein weiter Pass von Müller in den Lauf von Behrami, der kickt steil zum spurtenden Vonlanthen, der wiederum flankt butterzart vors Tor, und ZACK knallte ich den Ball mit einer Direktabnahme ins linke Lattenkreuz. 1:0. Das Volk würde jubeln, sich weinend in den Armen liegen, Lobgesänge erschallten, für Gott und Köbi, Sepp und Sämi. In den Strassen hupten die Autos, im Firmament knallten die Feuerwerke, die kreischenden Weiber gellten vor Glück, die rot-weiss-beschmierten Kreuzritterfans kotzten feuchtfröhlich ihre sieben Liter Carlsberg über ihre wehenden Flaggen. Freinacht – ohne Frei, dafür mit Gustavinho – der Neo-Tell, Retter der Unterschätzten, der emsigen Rappenspalter, der ausgegrenzten Ricola fressenden Kuhhirten.

Das Leben als Schweizer könnte so schön sein, wenn wir nur weniger Angst vor Kopfbällen und anderen Kopfnüssen hätten.

Vor paar Jahren sah ich im Dachstock der Berner Reitschule ein Konzert des deutschen Pop-Duos Stereo Total. Ihre DEO-Coverversion von «exakt neutral» hat meinen patriotischen Nerv ziemlich tief getroffen. Dieser verdammte Song schiebt sich seither immer wieder in mein Bewusstsein, wenn es gilt, die Schweizerfahne zu hissen:

«Keine Spannung vor der Entspannung – Exakt neutral!

Nicht depressiv, nicht aggressiv – Exakt neutral!

Keinen Freund, keinen Feind – Exakt neutral!

Niemals leise, niemals laut – Exakt neutral!

Kein Gefühl, kein Gefühl – Exakt neutral!»

Ich bin es leid, neutral zu sein, und mag es nicht, als leiser Verlierer dazustehen. Ich war die letzten paar Tage und bin – zumindest noch für Morgen – ein Schweizer Patriot, mit Schweizer Flaggen im Garten, mit Schweizer Wurst auf dem Grill und Schweizer Bier auf dem Tisch und werde je nach Ausgang des Spiels singen, kreischen und jubilieren und dann für paar Wochen ein Holländer sein.

Pascal Vonlanthen alias Gustav, ist Musiker, 33-jährig und wohnt in Freiburg. Als Kulturschaffender ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet. Der Inhalt braucht sich nicht zwingend mit der Meinung der Redaktion zu decken.

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