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«Offen sein und keine Angst haben»

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«Offen sein und keine Angst haben»

Fünf Schülerinnen und Schüler erzählen vom zehnten partnersprachlichen Schuljahr

Sich in eine fremde Familie und eine neue Klasse integrieren, eine andere Sprache sprechen und eine neue Mentalität kennen lernen – Valentin, Salome, Michelle, Fanny und Alain stellten sich diesen Herausforderungen, als sie sich entschieden, ein zehntes Schuljahr zu absolvieren.

Von ILONA STÄMPFLI

Die fünf Schülerinnen und Schüler deutscher und französischer Muttersprache verbrachten bereits ein halbes Jahr auf der jeweils anderen Seite des Röstigrabens. Sie haben die obligatorische Schulzeit bereits erfolgreich beendet und machen nun ein zehntes Schuljahr in einer Klasse in der anderen Sprachregion.

«Ich empfehle das zehnte partnersprachliche Schuljahr allen», sagt Michelle Suma begeistert. «Ich habe mega-gute Erfahrungen gemacht: Man lernt eine neue Sprache und trifft viele Leute, man macht neue Erfahrungen und lebt ein anderes Leben.» Michelle kommt aus Luzern und wohnt während der Woche im welschen Kantonsteil bei einer Familie.

«Es ist wichtig,
dass ich beide Sprachen beherrsche»

Sie entschied sich für ein zehntes Schuljahr, weil sie letztes Jahr noch keine Lehrstelle gefunden hatte. «Da ich einmal an die Tourismusfachschule möchte, ist es wichtig, dass ich eine zweite Sprache beherrsche», meint sie. Vor wenigen Tagen hatte Michelle ein Vorstellungsgespräch für eine Lehrstelle. Dank ihren guten Kenntnissen in der zweiten Landessprache, hat sie die Lehrstelle bekommen.

Alain Imhof aus Wünnewil sieht das zehnte Schuljahr ebenso wie Michelle als Übergangslösung an. Nach der
neunten Klasse wusste er noch nicht, für welchen Beruf er sich entscheiden sollte. Auch er hat inzwischen eine Lehrstelle gefunden.

Salome Handschin will nach diesem Jahr das Gymnasium im Kanton Aargau machen. «Ich hatte in der Schule immer ein bisschen Mühe mit dem Französisch. An der Kanti möchte ich mich nicht mehr damit herumschlagen müssen», begründet sie den Entscheid, das zehnte Schuljahr im welschen Teil des Kantons Freiburg zu absolvieren.

«Ich lebe in einem zweisprachigen Kanton», sagt Fanny Vuagniaux dazu. «Es ist wichtig, dass ich beide Sprachen beherrsche. Sucht man in Freiburg eine Arbeitsstelle, wird dies meistens verlangt.» Das Vorurteil, das zehnte partnersprachliche Schuljahr diene den meisten Schülerinnen und Schülern nur als billige Zwischenlösung, lehnt Bernard Dillon, Koordinator für Schüleraustausche des Kantons Freiburg, ab.

«Die jungen Leute merken immer mehr, dass das Sprechen von zwei oder sogar drei Sprachen wichtig ist für die berufliche Weiterentwicklung», meint er. «Die Schülerinnen und Schüler müssen auch sehr motiviert sein, damit sie die Herausforderung bewältigen können.»

Kontakt zur Gastfamilie ist wichtig

Fanny und Salome machen einen gegenseitigen Austausch. Während Fanny im Kanton Aargau bei der Familie Handschin verweilt, ist Salome in Torny-le-Grand bei der Familie Vuagniaux zu Hause.

Der gegenseitige Austausch ist nicht immer möglich. Bei Michelle beispielsweise wäre eine solche Lösung nicht in Frage gekommen: «Meine Mutter ist am Mittag nie zu Hause. Der Austauschschüler wäre meistens alleine daheim.» Bernard Dillon betont, wie wichtig der Kontakt mit der Familie ist. «Es sollte auf keinen Fall nur ein Hotel sein. Der persönliche Kontakt zwischen der Austauschschülerin und der Gastgeberfamilie ist sehr wichtig.»
Platzmangel, eine schwierige familiäre Situation oder die häufige Abwesenheit der Gasteltern sind Gründe, warum ein gegenseitiger Austausch nicht stattfinden kann. Michelle Suma wohnt deshalb bei Pensionseltern. «Ich finde nicht immer für alle einen Platz. Es gibt jedoch Familien, die sich schon seit Jahren immer wieder zur Verfügung stellen, einen Austauschschüler aufzunehmen», sagt Bernard Dillon.

Bei Alain Imhof hat sich die Frage eines gegenseitigen oder einseitigen Austausches gar nie gestellt. Er geht jeden Morgen von zu Hause aus in die französischsprachige Schule der Stadt Freiburg.

Auf die Leute zugehen

Sich in eine fremde Familie zu integrieren, ist die eine Herausforderung, die andere ist die Integration in eine neue Klasse. «Zu Beginn hatte ich Angst vor der neuen Situation», erzählt Valentin Ducrey. Er sei immer sehr schüchtern gewesen und habe Mühe gehabt, auf Menschen zuzugehen. «Gleich am ersten Schultag hat mir der Lehrer einen Schüler vorgestellt, der sich um mich kümmern sollte. Von da an ging alles wie von selbst.»

Nach einem halben Jahr weiss auch Valentin, dass er auf die Leute zugehen muss, damit ein persönlicher Kontakt entstehen kann. «Man darf nicht zu Hause bleiben, sonst schliesst man sich in einem Gefängnis ein», sagt er. Valentin hat die Fäden selber in die Hand genommen und seine Schulkollegen nach der Handy-Nummer gefragt. «So konnten wir einander SMS schreiben und nach der Schule abmachen.»

«Wer nichts gibt,
bekommt nichts zurück»

Fanny kam in eine Klasse, die schon seit vier Jahren zusammen war. Anfangs war es schwierig für sie, Kontakte zu den Mitschülern zu knüpfen. Und dass diese untereinander Mundart gesprochen haben, hat die Sache auch nicht vereinfacht. «Einige sprechen noch jetzt nicht Hochdeutsch mit mir», bedauert sie. Fanny und Valentin verstehen mittlerweile auch ein wenig Schweizerdeutsch. Sie finden es sogar gut, dass sie automatisch beides gelernt haben.

Offen sein, auf die Leute zugehen und keine Angst haben, Fehler zu machen, das raten die fünf Schülerinnen und Schüler allen an, die auch ein zehntes partnersprachliches Schuljahr in Betracht ziehen. «Niemand kann erwarten, dass die Leute von selber auf einen zukommen. Wer nichts gibt, bekommt nichts zurück», meint hierzu Bernard Dillon.

Unterschiedliche Schulsysteme

Im zehnten Schuljahr wird nicht nur eine neue Sprache gelernt, sondern auch eine neue Mentalität. In der Schule gibt es viele Unterschiede, die den fünf Schülern sofort aufgefallen sind. «Verglichen mit Bulle, ist es in Luzern sehr leicht. Für mich ist das nicht Schule, das sind Ferien», bemerkt Valentin. Fanny sieht es etwas anders. Sie wird beispielsweise im Deutschunterricht genau gleich behandelt wie ihre deutschsprachigen Mitschüler und muss deshalb sehr viel für die Schule arbeiten.

Salome ist aufgefallen, dass die Schule in Romont strenger und besser organisiert ist. «Wir müssen zum Beispiel aufstehen, wenn der Lehrer das Schulzimmer betritt. Und wenn man etwas vergessen hat, gibt es einen Strich.» Vielen Austauschschülern aus der Deutschschweiz mache vor allem die Grösse der Schulen in der Romandie Mühe. «In einer Schule mit über 1000 Schülern ist es sehr unpersönlich. Man ist vielfach nur noch eine Nummer», sagt auch Bernard Dillon.

Es fängt an, Spass zu machen

Salome, Valentin, Fanny, Alain und Michelle finden im Grossen und Ganzen nichts Negatives am zehnten partnersprachlichen Schuljahr. Nach sechs Monaten wollen sie den Austausch auf keinen Fall abbrechen, denn jetzt fange es erst richtig an, Spass zu machen, sagen sie. Drei bis vier Monate brauche es schon, um sich einzuleben und die Sprache einigermassen zu beherrschen.

Idee und Zweck

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