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Requiem für den Totgeschwiegenen

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 Philip S., Schweizer Millionärssohn und Bruder des berühmten Rennfahrers und heutigen Formel-1-Rennstallbesitzers Peter Sauber, kommt 1967 nach Berlin, um an der Film- und Fernsehakademie zu studieren. Acht Jahre später – Deutschland befindet sich auf dem Höhepunkt linksextremer Terrorangriffe – stirbt er, noch nicht 30 Jahre alt, im Kugelhagel der Polizei. Knapp 40 Jahre danach arbeitet Ulrike Edschmid diesen Teil ihrer Vergangenheit auf und dokumentiert das Wenige, was vom idealistischen, gerechtigkeitsliebenden Philip S. übrig geblieben ist. (SBD)

Freund der Autorin

Die Schriftstellerin schildert ihre Erinnerungen an einen Freund, der 1975 in Köln erschossen wurde.

Philip S., aus Zürich kommend, verliebt sich im revolutionären Berlin in die Autorin Ulrike Edschmid und schliesst auch ihr Kind, das nicht von ihm stammt, ins Herz. Er dreht seinen ersten experimentellen Film, während andere gegen den Vietnamkrieg demonstrieren und Institute besetzen. Später wird ihre Fabriketage regelmässig von der Polizei durchsucht. Der fünfjährige Sohn, unbestechlicher Zeuge einer zunehmenden Radikalisierung, tritt den bewaffneten Beamten mit der Armbrust entgegen. Als sie und Philip S. verhaftet werden, kann er ihnen nicht mehr beistehen. Ohne es zu wissen, wird er seine Mutter retten. Philip S. dagegen, der sich für die Revolution entschieden hat, setzt sich Schritt für Schritt aus dem gemeinsamen Leben ab.

Die Familie schweigt

Die Wochenzeitung schreibt im Jahr 2006: Im Schreiben, mit dem die Rote-Armee-Fraktion 1998 ihre Auflösung bekannt gab, hat Philip Werner Sauber einen Platz gefunden als einer von 26 Frauen und Männern, «an die wir heute besonders erinnern wollen, die sich dafür entschieden haben, im bewaffneten Kampf alles zu geben und in ihm gestorben sind».

Die Industriellenfamilie Sauber schweigt bis heute über den toten Sohn. Er starb und verschwand. Ulrike Edschmid bedauert dies zutiefst. Mit diesem Buch setzt sie nun ein Ausrufezeichen, obwohl ihr Protagonist ein Täter bleibt! Der Roman ist ein Stück deutscher Zeitgeschichte. Die Autorin tritt als Ich-Erzählerin auf, wertet nicht, schildert die verschiedenen Episoden in einer überzeugenden, einfachen und angenehmen Sprache.

Edschmids Stil ist sehr souverän und distanziert und zeichnet sich trotzdem durch eine durchaus persönliche Note aus.

Wer sich ein Bild von dieser politisch höchst aufregenden Zeit der Siebzigerjahre und vom von beiden Seiten äusserst brutal geführten Kampf machen will, ist gut beraten, dieses Buch zu lesen.

Edschmid, Ulrike: «Das Verschwinden des Philip S.», Roman, Berlin, Suhrkamp, 2013, 156 S.

 Aldo Faselist Leiter der Volksbibliothek Plaffeien-Oberschrot-Zumholz

Zur Person

Lehrerin und freie Autorin

Edschmid, Ulrike, geboren 1940 in Berlin, studierte Literaturwissenschaft und absolvierte die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin und arbeitete eine Zeit lang als Lehrerin in Frankfurt. Ulrike Edschmid lebt als freie Autorin in Berlin.af

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