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Saharastaub – Fluch oder Segen?

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Morgendliche Gewohnheiten und Rituale sind sehr persönlich und individuell. Entdeckt man aber beim Fensteröffnen überall eine dünne Schicht Sand und Staub, dazu noch gelb-rötlich gefärbt, dann ist die Überraschung perfekt. Das muss doch Saharastaub sein.

Wie kommt der Saharastaub in unsere Gegend? Die Ursache ist eine stark ausgeprägte Föhnlage, bei der jedoch die klare Fernsicht fehlt. Im Gegenteil, es ist sehr dunstig, die Sicht ist eingeschränkt, und es bleibt trotzdem trocken. Man spricht dann von einem «trockenen Dunst», und der ist in unseren Breitengraden meistens mit Saharastaub verbunden.

Der «Staubsaugereffekt»

Die Meteorologen können heute diesen Saharastaub schon früh ankünden. Wetterkarten, Satelliten- und Radarbilder weisen deutlich auf das Naturereignis hin. Auslöser ist meistens ein Tiefdruckgebiet, dessen Zentrum über Spanien oder den Balearen liegt.

In einem Tiefdruckgebiet wehen die Winde im Gegenuhrzeigersinn in das Tief hinein, und die Luft steigt dabei auf. Damit in Bodennähe des Tiefs kein Vakuum entsteht, wird weiträumig Luft angesaugt. Dieser «Staubsaugereffekt» kann bis zur Wüste Sahara reichen.

Dort herrscht wegen der Sonneneinstrahlung eine hohe Oberflächentemperatur von 40 bis 50  Grad Celsius. Dadurch entstehen thermische Turbulenzen, in denen der Staub aufgewirbelt wird. Er steigt dann bis auf eine Höhe von 5000 bis 7000  Metern. Die Staubpartikel haben eine durchschnittliche Grösse von ein paar Tausendstelmillimeter. Jedes Jahr werden so in der Sahara circa 500  Millionen Tonnen Staub produziert und in alle Himmelsrichtungen verfrachtet. Ein Teil kommt mit entsprechenden Winden wie dem Schirokko über das Mittelmeer bis zu den Alpen. Dort übernimmt der Föhn das Kommando und trägt den Staub über die Alpen bis weit nach Mitteleuropa hinein. Der Chamsin ist ein heisser Wüstenwind, der den Staub von der Ostsahara bis nach Griechenland und Vorderasien verteilt.

Über den Ozean

Aber das ist noch lange nicht alles: Zum Äquator hin wehen permanente Passatwinde aus nordöstlicher Richtung. Dieser Nordostpassat wirbelt ebenfalls Saharastaub auf und trägt ihn über die Kapverdischen und die Kanarischen Inseln und danach über den Atlantik bis nach Mittel- und Südame­rika.

Der Saharastaub wird dort zum «Exportschlager» der Wüste Sahara. Er düngt nämlich aus der Luft die Regenwälder des Amazonas. Die Natur hat da bewundernswerte Kreisläufe geschaffen, und man kommt einmal mehr zur Erkenntnis, dass es nichts gibt auf unserer Erde, das keinen Sinn ergibt.

Ein See trocknet aus

Der Saharastaub ist ein extrem trockener, nährstoffreicher Staub. Vor circa 10 000 Jahren, am Ende der letzten grossen Eiszeit (Würm-Eiszeit), war die Zentralsahara ein riesiger Süsswassersee. Die Gegend um diesen See herum war mit humusreichen Böden sehr fruchtbar. Vermutlich aufgrund einer Schwankung der Erdrotation um ihre eigene Achse (Präzessionsschwankung) bildete sich auf der Höhe von 30  Grad nördlicher Breite rund um die Erde die permanente äquatoriale Hochdruckzone mit einem für uns wichtigen Hochdruckgebiet, dem Azoren-Hoch.

Der riesige Süsswassersee trocknete aus, und die Böden wurden buchstäblich zu Sand und Staub zersetzt. Es entstand die Wüste Sahara.

Nährstoffreicher Stoff

Dieser nährstoffreiche Sand und Staub enthält die wichtigen Elemente Phosphor, Eisen, Kalzium und Magnesium. Das sind Stoffe, meistens in Form von Salzen (Aerosolen), die für die gesamte Pflanzenwelt wichtige Düngemittel darstellen. In Spanien und Portugal wird der Saharastaub sehr geschätzt, da er auch in diesen Gegenden einen bedeutenden Beitrag zur Düngung der Pflanzen und Böden aus der Luft liefert.

Von den erwähnten 500  Millionen Tonnen Saharastaub erreichen jährlich circa 40  Millionen Tonnen die tropischen Regenwälder des Amazonas und die mittelamerikanischen Staaten, die früher mit Urwäldern bewachsen waren. Die Böden der Urwälder sind nicht sehr fruchtbar, da die Humusschichten dünn sind. Deshalb ist diese atmosphärische Düngung für die Bäume und Pflanzen äusserst wichtig.

In Mittelamerika sind die meisten Wälder gerodet, da bringt diese Staub-Düngung nicht mehr viel. Auch in Südamerika, im Amazonasgebiet, ist diese Fehlentwicklung bereits weit fortgeschritten. Quo vadis, Regenwald?

Mehr als je zuvor

Normalerweise finden solche Saharastaub-Ausbrüche, die nach Europa oder nach Vorderasien reichen, vor allem in den Monaten März bis Juni und Oktober bis November statt. Mit den permanenten Passatwinden sind die Transporte nach Übersee immer wieder möglich. Gerade im vergangenen Monat Juli gab es offenbar einen gigantischen Ausbruch von Saharastaub in Richtung Karibik, wie man ihn noch nie zuvor gemessen hat (siehe Bild).

Wie diese atmosphärische Düngung die Bildung von Hurrikanen beeinflussen kann und welche optischen Phänomene bei uns in Europa durch den Staub aus der Wüste Sahara entstehen, wird im September-Beitrag von «Hallo Wetterfrosch» beschrieben.

Mario Slongo ist ehemaliger DRS- Wetterfrosch. Einmal im Monat erklärt er in den FN spannende Naturphänomene. Weitere Beiträge unter: www.freiburger-nachrichten.ch, Dossier «Wetterfrosch».

Kommentar (1)

  • 26.02.2021-Joachim Dix

    Gruezi,

    dies ist doch einmal ein richtig handfeste Erklärung für dieses Phänomen das Saharastaub sich über viele tausend Kilometer per Atmosphäre auf der Erde verteilt.
    Das heisst eigentlich das „die Lunge der Erde“ hier der Urwald in Südamerika und darüber hinaus durch diesen Staub mit Nährstoffen versorgt wird!
    Obwohl viele sich nur über den Staub auf ihren Autos beschweren. Das heisst das dieser Staub an der richtigen Stelle eigentlich ein Stück unser Überleben sichert

    Gruss

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