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«Sankt Nikolaus bleibt»

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Der heilige Nikolaus im Bischofsgewand, stolz auf seinem Esel reitend, begleitet von Musikern, Sängern, Schmutzlis und Fackelträgern. Eine dichte Menschenmenge, die ihm zujubelt. Lachende Gesichter, strahlende Kinderaugen, fliegende Lebkuchen. – Immer am ersten Samstag im Dezember bietet sich dieses Bild im Freiburger Burgquartier, seit über hundert Jahren. Die Freiburgerinnen und Freiburger feiern den heiligen Nikolaus von Myra, den Schutzpatron ihrer Stadt und ihrer Kathedrale. Und Nikolaus, stets dargestellt von einem Schüler des Kollegiums St. Michael, beglückt die Menschen mit Lebkuchen und mit der traditionellen Rede vom Turm der Kathedrale.

Auch heute ist es wieder soweit: Um 17 Uhr startet der Nikolaus-Umzug beim Kollegium St. Michael, und auf den ersten Blick wird es so sein, als wäre die Zeit stillgestanden: Ein Fest, das seit einem Jahrhundert immer auf die gleiche Weise gefeiert wird. Erst auf den zweiten Blick fallen die untrüglichen Zeichen der Moderne ins Auge: Die Fackeln werden längst auch von Mädchen getragen, aus den traditionellen Luftballons sind blaue Haifische und rosarote Einhörner geworden, und unzählige Smartphones werden auf der Suche nach dem perfekten Schnappschuss durch die Luft geschwenkt.

Das Publikum im Fokus

Diese Parallelen und Gegensätze stehen im Mittelpunkt der Ausstellung «Der Esel, die Menge und ihr Idol – das Nikolausfest im Fokus der Fotografen», die jetzt in der Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg zu sehen ist. Sie ist im Rahmen des Projekts «Tradifri – Lebendige Traditionen in Bildern» entstanden, das mittels der Fotografie die lebendigen Traditionen Freiburgs aus heutiger Sicht zeigen will (siehe Kasten). Im Ausstellungssaal sind zwanzig historische Aufnahmen aus der Fotosammlung der Kantons- und Universitätsbibliothek ebenso vielen aktuellen Bildern gegenübergestellt, die der Fotograf Pierre-Yves Massot beim Nikolaus-Umzug 2015 eigens hierfür realisiert hat.

«Das Mandat von Tradifri hat mich gefreut, es hat mich aber auch ein bisschen nervös gemacht», so Massot. Der 39-Jährige hat früher unter anderem für die Tageszeitung «La Liberté» gearbeitet und mehrmals am Nikolaus-Umzug fotografiert. «Diese kurzen und intensiven Momente einzufangen, ist eine schwierige Aufgabe.» Und es sei eine Herausforderung, einen neuen Blick zu finden auf ein Ereignis, das schon so oft fotografiert worden sei. Massot entschied sich darum, sich nicht auf Nikolaus und Esel zu konzentrieren, sondern auf das Publikum. «Schliesslich sind es die Menschen, die den Tag zu dem machen, was er ist.» Die meisten Bilder entstanden quasi aus der Perspektive des Nikolaus, in dem Moment, wenn dieser an der Menge vorbeizieht, sich die Begeisterung auf den Gesichtern spiegelt und sich die Hände den in die Lüfte geworfenen Lebkuchen entgegenstrecken. Dabei sind es die Details, die das traditionelle Ereignis in die Gegenwart bringen: die kitschigen Luftballons, die blitzenden Smartphones oder das Fernsehteam des SWR. «Diese Elemente verankern die Bilder unverkennbar in unserer Zeit», sagt Mélanie Rouiller, Projektleiterin von Tradifri. Dieser Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Gegenwart sei das Ziel des Projekts: «Es will Traditionen ins Heute holen und sie in unserer Gesellschaft neu verorten.»

Alte Bilder in grossen Formaten

Den Gegenpol bilden in der Ausstellung die historischen Fotografien der grossen Freiburger Fotografen Benedikt Rast (1905–1993), Jacques Thévoz (1918–1983), Jean Mülhauser (1932–2004) und Léo Hilber (1930–1986). Sie sind thematisch geordnet, viele grossformatig gedruckt. «Die moderne Technik erlaubt es, aus fünfzig, sechzig Jahre alten Negativen grosse Formate zu machen und so neue Details zu enthüllen», so Claudio Fedrigo, der Verantwortliche der Fotosammlungen der Bibliothek. Auch das sei eine Verbindung zwischen dem Gestern und dem Heute.

Der heilige Nikolaus und sein Fest jedenfalls vereinen in Freiburg die Generationen. Oder, wie es Nikolaus selbst 2005 in seiner Rede zum 100. Umzug der Neuzeit formulierte: «Früher brauchte es viel Zeit, um berühmt zu werden. Heute reicht es, einmal bei ‹Star Academy› aufzutreten. Doch die Politiker und die Stars des Showbusiness kommen und gehen. Sankt Nikolaus bleibt.»

Ausstellung: Kantons- und Universitäts- bibliothek, Joseph-Piller-Gasse 2, Freiburg. Bis zum 25. Februar. Mo. bis Fr. 8 bis 22 Uhr, Sa. 8 bis 16 Uhr. Nikolausfest: Heute Samstag, 3. Dezember. Markt im Burgquartier von 8 bis 19 Uhr. Markt beim Kollegium St. Michael von 10 bis 18 Uhr. Start des Umzugs um 17 Uhr beim Kollegium St. Michael, Ankunft bei der Kathedrale gegen 18 Uhr. Messe in der Kathedrale um 18.30 Uhr. Viele weitere Animationen während des ganzen Tages. Details: www.st-nicolas.ch

Zahlen und Fakten

Tradifri – Das Projekt holt Traditionen ins Heute

«Tradifri – Lebendige Traditionen in Bildern» ist eine Initiative des kantonalen Amtes für Kultur und ein Partnerprojekt der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia im Rahmen des Programms «Kulturelle Vielfalt in den Regionen». Ziel ist, mittels der Fotografie die lebendigen Traditionen Freiburgs aus heutiger Sicht zu zeigen. Dazu werden zum einen Mandate an professionelle Freiburger Fotografen vergeben, zum anderen können alle Interessierte Bilder über die sozialen Netzwerke teilen. Das auf drei Jahre angelegte Projekt dauert bis Ende 2018. Die Resultate sind laufend im Netz zu entdecken. Dazu kommen Ausstellungen und eine Publikation. Die Ausstellung zum heiligen Nikolaus ist die erste der Reihe; weitere sind in Murten, Bulle, Tafers und Charmey geplant. Das Freiburger Nikolausfest ist im nationalen Inventar der lebendigen Traditionen aufgeführt.

cs

www.traditionsvivantesenimages.ch

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