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Schafft die Spitäler ab!

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Ich möchte mich einmal ganz weit aus dem Fenster hinauslehnen. Ich bin nämlich dafür, dass unser Regionalspital in Tafers geschlossen wird. Ja, ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Ich plädiere dafür, dass es abgerissen wird. Und zwar nicht nur dieses Spital, sondern auch das Kantonsspital, dann das Inselspital und schliesslich alle 299 kleinen und grossen Spitäler vom Genfer- bis zum Bodensee. So, jetzt ist es raus. Jetzt könnt ihr auf mich eindreschen!

Meine Begründung ist so einfach wie einleuchtend. Entgegen der landläufigen Meinung machen Spitäler nämlich nicht gesund, sondern krank. Schon nur ihr Anblick verursacht Magenbeschwerden. Und wenn man dann noch bedenkt, was sie kosten, greifen die Beschwerden unweigerlich auf alle Organe über. Denn Spitäler folgen dem gleichen Imperativ wie Handys, Zahnpasta oder Büchsenfleisch: Einmal gebaut und in Betrieb genommen, müssen sie unaufhörlich und immer besser rentieren. Wehe, wenn ein Spitalbett während zwei Nächten leer bleibt! Damit das nicht geschieht, setzt man alles daran, dass die Leute krank werden. Allzu lange dürfen sie hingegen auch nicht krank sein, sonst beschweren sich die Krankenkassen. Der ideale Krankenhauspatient ist ein Kurzaufenthalter, der immer wieder kommt. Damit er aber immer wieder kommt und das Seinige zu einer Spitzenbelegung der Spitalbetten beiträgt, sollte er in (kurzen) Abständen immer wieder krank beziehungsweise rückfällig werden. Also schickt man ihn möglichst vor der endgültigen Genesung nach Hause. Einliefern, entlassen, wiederkommen; einliefern, entlassen, wiederkommen: So funktioniert das ökonomische Diktat unserer Spitalpolitik.

An dieser Logik und damit am zugrunde liegenden Problem wird sich auch nichts ändern, wenn kleine Spitäler geschlossen und grosse Spitäler immer grösser werden. Im Gegenteil, dadurch wird alles nur noch schlimmer. Am Ende dieser Entwicklung erwartet uns ein einziges kleinstadtähnliches Supermegahospital, in dem Abertausende von hoch spezialisierten Chirurgen für gigantische Honorare Abertausende von hoch komplizierten Operationen durchführen werden, während es an allen Ecken und Enden an Hausärzten fehlt, die eine einfache Grippe behandeln können. Stolz wird man darauf verweisen, dass die durchschnittliche Lebenserwartung auf 100 und mehr Jahre hinaufgeschraubt werden konnte, sodass immer mehr Leute immer länger in den Genuss dieser hoch spezialisierten, gigantisch teuren Spitzenmedizin kommen werden, deren Endzweck sich darin erschöpfen wird, uns am Sterben zu hindern.–Ohne mich! Gegen ein solches Gesundheitssystem wehrt sich mein gesunder Menschenverstand. Ich weiss von keinem Weltreich, das nicht an seinem Grössenwahn, seinem Gigantismus zugrunde gegangen wäre.

Deshalb müssen wir meiner Meinung nach den radikalen Schnitt wagen und nicht bloss einzelne Krankenhäuser, sondern die Institution Krankenhaus kurzerhand abschaffen. Dadurch werden die Leute nämlich gezwungen, gesund zu bleiben. Das wäre geradezu die Rettung unserer ruinösen Spitalpolitik. Der Gordische Knoten eines gänzlich neuen Gesundheitssystems.

Glauben Sie mir, sobald das Spital Tafers seine Tore schliessen wird, werden «wier Seisler» schlagartig gesünder werden. Wir werden uns mit Händen und Füssen dagegen wehren, in ein Spital eingeliefert zu werden, wo man unsere Sprache nicht versteht. Wir werden uns deshalb gesünder ernähren, mit dem Rauchen aufhören, unseren Alkoholkonsum drosseln. Die Turn- und Sportvereine werden über Nacht einen Mitgliederboom verzeichnen. Erschöpfte Regionalpolitiker, die bis zum Umfallen für Tafers gekämpft haben, werden zu frischem Leben erwachen und ihre neue politische Berufung darin erblicken, das Spital in ein regionales Sport- und Gesundheitszentrum zu verwandeln. Die Kirchen werden sich wieder füllen, weil die Leute für ihre Gesundheit oder für die Genesung ihres kranken Nachbarn beten wollen. Kurz, das Verschwinden der Spitäler würde unsere Körper- und Seelenpflege revolutionieren und damit zu einer nachhaltigen Gesundung der ganzen Bevölkerung führen.

Aber leider bin ich nicht romantisch genug veranlagt, um an die Realisierbarkeit meines eigenen Vorschlags zu glauben. Die Gesundheitspolitiker werden weiterhin auf ihren Krankenhäusern und damit auf unseren Krankheiten beharren. Die Fusionen und Infusionen werden munter weitergehen, bis nur noch ein einziger Krankenhausmoloch übrig bleibt, der – wie der Turm zu Babel – grössenwahnsinnig in den Himmel wächst und letzten Endes doch zur symbolträchtigen Ruine erstarren wird.

P.S. Wer in einigen Äusserungen die Donnerstagarroganz eines bestimmten Kolumnisten entdeckt zu haben glaubt, liegt vollkommen richtig. Sie sehen, dass ich immer noch fleissig am Üben bin … Andererseits muss man einen falschen Standpunkt gelegentlich so lange auf die Spitze treiben, bis schliesslich die Wahrheit abbricht …

Hubert Schaller unterrichtet Deutsch und Philosophie am Kollegium St. Michael. Er ist unter anderem Autor der Gedichtbände «Trommelfellschläge» (1986) und «Drùm» (2005). Als Kulturschaffender ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.

«Spitäler machen nicht gesund, sondern krank.»

 

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