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Schicksalhafte Begegnungen

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Luisa zieht ihre fünf Kinder seit zehn Jahren alleine gross. Seit der unseligen Nacht, als ihr Mann im Vollrausch einen Saufkumpan umbrachte und zu langer Gefangenschaft verurteilt wurde. Ihr Mann neigte schon in jungen Jahren zum Jähzorn, auch gegenüber Luisa. Als er während seiner Gefangenschaft einen Wärter tödlich verletzt, wird er in ein Hoch­sicherheitsgefängnis auf einer abgelegenen Insel verlegt. Luisa muss für einen Besuch eine Tagesreise auf sich nehmen, was ihr nur selten möglich ist.

Paolos Sohn wiederum hatte sich als Student Terroristen angeschlossen und dabei unschuldige Menschen umgebracht, die seiner politischen Überzeugung im Weg standen. Seine Eltern wussten lange Zeit nichts vom kriminellen Treiben ihres Sohnes und wollten es auch nicht wahrhaben, als sie schon Beweise dafür hatten. Seine Verurteilung als Mörder brach der Mutter das Herz, und erst Jahre nach ihrem Tod konnte sich Paolo überwinden, seinen Sohn im Gefängnis zu besuchen.

In dieser stürmischen Nacht auf der abgelegenen Gefängnisinsel verändert sich das Leben von Luisa, Paolo und auch jenes des Vollzugsbeamten Nitti. Er soll eigentlich die beiden Besucher zur Fähre zurückbringen, die wegen eines aufziehenden Sturms pünktlich vor Einbruch der Dunkelheit ablegen wird. Ein Unfall mit dem Transporter hält ihn jedoch auf, und so muss er die beiden Besucher über Nacht auf der Insel unterbringen. Nitti war vor seinem Einsatz auf der Insel ein feinfühliger Mensch. Die Gewalt, die ihm tagtäglich von den Schwerverbrechern entgegenprallt, hat ihn jedoch über die Jahre hart gemacht. Immer öfter lässt er sich bei seiner Arbeit zu Taten hinreissen, die ihn danach beschämen. Seiner Frau wagt er nicht sich anzuvertrauen, was seine Ehe belastet. In dieser Nacht, in der er Luisa und Paolo in einem heruntergekommenen Palast bewachen muss, wird ihm klar, dass es so nicht weitergehen kann.

Paolo ist ein gebrochener Mensch, der seinem Sohn kaum näherkommt und sich deprimiert fragt, wofür er noch lebt. Luisa, stark und mutig, hat sich mit einem Alltag ohne Ehemann abgefunden und ihren Lebensmut nicht verloren. Sie schaut nach vorne, nicht nur für ihre fünf Kinder, auch für sich selbst. In dieser langen Nacht beginnen sie zu reden. Was lange Jahre unausgesprochen blieb, wird voreinander ausgebreitet. Sie kennen sich nicht, fühlen sich aber verstanden und mit liebevollen Gesten in einer Nähe verbunden, die sie nie für möglich gehalten hätten.

Francesca Melandri baut mit Empathie in einer ruhigen, poetis­chen Sprache – meisterhaft übersetzt von Bruno Genzler – ein packendes Drama auf, das sich in einer Umgebung abspielt, aus der niemand fliehen kann. Die einzigartige Situation jenseits des normalen Lebens bietet den Protagonisten die Möglichkeit, sich den Tatsachen zu stellen. In diesen Erzählrahmen platziert die Autorin Einblicke in das heutige Leben der Betroffenen und in jenes, das Luisa und Paolo führten, bevor ihre Angehörigen die Verbrechen begingen – ebenso wie in das krisengeschüttelte Italien der 70er-Jahre.

Francesca Melandri: «Über Meeres­höhe». Wagenbach-Verlag 2019, aus dem Italienischen von Bruno Genzler.

Giovanna Riolo ist freie Rezensentin.

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