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«Schlafentzug raubt dir den Verstand»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Die 34-jährige Fiona* aus dem Sense-Oberland hat eine happige Zeit hinter sich. Ihre Tochter schlief erstmals im Alter von 18 Monaten durch. Bis dahin wurde Fiona jede Nacht alle zwei Stunden von ihr geweckt. «Heute weiss ich, dass sie zu wenig Milch bekommen hat.» Sie habe ihrer Tochter dann jeweils nach dem Stillen noch den Schoppen gegeben – und sei dabei oft eingeschlafen. Auch tagsüber habe sie sich manchmal schlafen gelegt, sobald ihre Tochter im Bett war. Denn der Schlafentzug zehrte an der sonst so aktiven und lebensfrohen jungen Frau. «Es raubt dir den Verstand, wenn du nicht mehr schlafen kannst», erzählt sie den FN. Zum Glück habe sie auf ihre Eltern und ihre Schwiegereltern zählen können, die ihre Tochter zwischendurch in der Nacht hüteten. Denn in der Zwischenzeit ging Fiona auch wieder zu 50 Prozent arbeiten.

Nach 18 Monaten dann die Erlösung: Fionas Tochter fing auf einmal an durchzuschlafen. Und nun, beim zweiten Kind, ist alles anders. Fionas Sohn schläft seit seiner Geburt im Frühling recht gut durch.

Ein Reifungsprozess

Während der schwierigen Schlafphase ihrer Tochter holte sich Fiona Hilfe bei der Mütter- und Väterberatung der Spitex Sense in Tafers. Dort ist der Schlaf von Säuglingen und Kleinkindern häufig ein Thema. Letztes Jahr gingen die Beraterinnen in 600 von 2770 Beratungsgesprächen genauer auf das Thema Schlaf ein, wie Brigitte Gauch-Löffel, Leiterin der Mütter- und Väterberatung, erklärt. Von Schlafstörungen spreche man immer dann, wenn das Schlafverhalten des Kindes den Eltern Sorgen und Stress bereite. Weil das Kind nicht einschlafen kann, weil es in der Nacht sehr kurze Schlafphasen hat, weil es nachts über längere Zeit wach ist, weil es aufwacht, ohne Hunger zu haben, oder weil es erst spät einschläft und sehr früh wieder wach ist. «Dass das Kind in der Nacht aufwacht, ist normal», sagt Brigitte Gauch, gelernte Kinderkrankenschwester und seit 15 Jahren als diplomierte Mütter- und Väterberaterin tätig. Ein Säugling müsse seinen Schlaf-wach-Rhythmus erst finden und lernen, mehrere Stunden am Stück zu schlafen und selber einzuschlafen. «Das ist ein Reifungsprozess, der im Organismus vor sich gehen muss.» Diesen Prozess könne man unterstützen, aber nicht beschleunigen, wenn das Kind noch nicht so weit sei.

Statt das Schlafverhalten der Säuglinge zu ändern, könne man in den ersten Monaten oft nur versuchen, die Situation so zu verändern, dass es den Eltern besser gehe, erklärt Brigitte Gauch. Als erste Massnahme empfiehlt sie, einen geregelten Tagesablauf einzuhalten und ein Abendritual einzuführen, das immer möglichst zur selben Zeit stattfindet. Hilfreich sei auch, das Kind tagsüber nicht zu vielen Reizen auszusetzen, damit es nachts nicht zu viele Eindrücke verarbeiten müsse.

Den Schlaf messen

Wie viel Schlaf ein Kind benötigt, ist individuell und nicht beeinflussbar. Der Schlafbedarf ist biologisch vorgegeben, und der Mensch bleibt meist ein Leben lang ein Kurz- oder Langschläfer. Manche Säuglinge brauchen innerhalb von 24 Stunden 20 Stunden Schlaf, andere nur 12 Stunden oder noch weniger. Überschätzen die Eltern den Schlafbedarf ihres Kindes, kommt es zu Schlafproblemen. «Denn ein Kind kann nicht mehr schlafen, als es Bedarf danach hat», so Gauch. Mit einem Schlafprotokoll lässt sich der Bedarf messen. Die Eltern füllen das Protokoll während 14 Tagen aus, notieren Schlaf-, Wach-, Essens- und Schreiphasen. Anhand dieser Struktur lassen sich der Tag-Nacht-Rhythmus beurteilen und der durchschnittliche Schlafbedarf berechnen. Gemäss des Drei-Stufen-Konzepts der Universität Zürich werden dann Änderungen vorgenommen. Zuerst wird ein regelmässiger Tagesablauf eingeführt, dann werden die Schlafenszeiten und die Schlafdauer angepasst. Braucht ein Kind beispielsweise 12 Stunden Schlaf, werden diese gemäss den Bedürfnissen der Eltern und des Kindes auf den Tag- und Nachtschlaf verteilt. Diese Aufteilung wird zwei Wochen lang so angewandt. So lange braucht der Organismus des Kindes, um sich daran zu gewöhnen. Erst danach wird gezielt das selbstständige Einschlafen geübt und dabei schrittweise die Hilfe abgebaut: Statt das Kind herumzutragen, wird es nur mehr im Arm gehalten. Statt dass jemand direkt neben dem Bett des Kindes sitzt, wird der Stuhl einen Meter vom Bett weg platziert, und so weiter. Brigitte Gauch betont aber, dass es gerade bei sehr jungen Säuglingen auch gut sei, das Kind herumzutragen, damit es in den Schlaf finde. «Und solange das Einschlafen auf dem Arm für die Eltern kein Problem darstellt, müssen sie dies auch nicht ändern.» Der Leidensdruck der Eltern müsse vorhanden sein, bevor etwas geändert werde.

Kraftquellen anzapfen

Schlafprotokolle sind nicht in allen Fällen notwendig. «Für viele Eltern ist es bereits eine Entlastung, zu erfahren, dass es normal ist, wenn ihr Kind nachts aufwacht und schreit. Oft hilft es, sie in ihrem bisherigen Vorgehen zu bestärken», sagt Brigitte Gauch. Es könne auch helfen, mit den Eltern anzuschauen, welche Quellen sie anzapfen können, um Kraft zu schöpfen – sei dies zum Beispiel für zwei Stunden ein Hütemädchen zu organisieren oder, je nach Möglichkeit, das Kind eine Nacht auswärts schlafen zu lassen. «Es ist völlig okay, wenn sich die Mütter tagsüber mal hinlegen. Sie müssen auch keinen perfekten Haushalt haben.»

Wovon ganz sicher abgeraten werde, sei, das Kind einfach im Zimmer schreien zu lassen und zu hoffen, dass es irgendwann einschlafe. «Das kann Panik auslösen beim Kind», sagt Brigitte Gauch. Begleitetes Schreien hingegen – wenn das Kind schreit und die Eltern bei ihm sitzen und ihm durch Berührung Nähe geben – sei etwas anderes. Ist die Nacht besonders schwierig und die Verzweiflung so gross, dass man das Kind am liebsten schütteln möchte, empfiehlt Brigitte Gauch, das Kind ins Bett zu legen und es kurz schreien zu lassen. In der Zwischenzeit solle man das Fenster öffnen, um durchzuatmen, oder kurz raus auf den Balkon gehen, um die akute Stresssituation abzubauen. Auch der Elternnotruf könne eine grosse Hilfe sein. Aus Erfahrung weiss die Mütter- und Väterberaterin: «In so eine Situation kann jeder Elternteil einmal kommen.»

Ratgeber zum Thema Schlafstörungen bei Säuglingen und Kleinkindern gibt es viele, was oft mehr verwirrend als hilfreich ist. Brigitte Gauch findet es wichtig, dass die Eltern auf sich und ihre Bedürfnisse hören, um den Weg zu finden, der für sie und ihr Kind stimmt.

*Name von der Redaktion geändert

Sommerserie

Schlafen und träumen

Der Mensch verschläft einen Drittel des Lebens – aber nur, wenn er das auch kann. Viele Menschen leiden unter Schlafstörungen oder haben nicht die Möglichkeit, die nötige Menge an Schlaf zu erhalten. In einer Sommerserie beschäftigen sich die FN mit dem Schlaf und dem Träumen.

fca

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