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Schöner Falter mit unschönem Faible

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Der Grosse Eisvogel ist ein wunderschöner Schmetterling. Er trägt auf der Oberseite seiner filigranen Flügel ein Muster, wie es ein abstrakter Maler nicht spektakulärer hätte gestalten können. Es besteht aus den Farben Dunkelbraun und Orange und weist weisse Flecken auf. Beim Weibchen sind die grau-blauen Stellen, denen diese Schmetterlingsart in Anlehnung an den Eisvogel ihren Namen verdankt, besser sichtbar. Mit einer Spannweite von bis zu 7,5  Zentimetern ist er einer der grössten Falter, die es im Kanton Freiburg und überhaupt in Mitteleuropa gibt. Ausgestattet mit diesen Farben und angesichts seiner Grösse sollte der Mensch diesen Schmetterling wohl ab und zu zu Gesicht bekommen, denkt man. Denn gerade jetzt, zwischen Juni und Mitte August, wäre er zu sehen.

In der Krone der Espe

Doch dem ist nicht so. «Der Grosse Eisvogel ist eher selten zu sehen», sagt der Freiburger Biologe Jacques Studer. Das hat zwei Gründe. Zum einen gibt es ihn nicht mehr so oft, weil die Futterpflanze der Raupe lange bekämpft wurde. Zum anderen lebt er mit Vorliebe in Sphären, die sich nicht gerade auf Augenhöhe des Menschen befinden: nämlich in der Krone von Bäumen. Die Eier legt das Weibchen auf den Blättern einer ganz bestimmten Baumart, der Zitterpappel, auch Espe genannt, ab, gelegentlich sind es auch die Blätter der Schwarzpappel.

«Wenn man Schmetterling hört, denkt man in erster Linie daran, dass sie von Blüte zu Blüte fliegen und sich davon ernähren. Das ist beim Grossen Eisvogel nicht so.»

Jacques Studer

Biologe

«Die Zitterpappel wurde in den Nutzwäldern lange bekämpft, weil ihr weiches Holz weder als Nutzholz noch als Brennholz verwertet werden kann», erklärt der Biologe. Weil sich die Raupe des Grossen Eisvogels fast ausschliesslich von den Blättern der Zitterpappel ernährt, ist auch der Schmetterling selten geworden.

Blätter verwechselt

In den 1950er-Jahren sind zudem ausländische Pappelarten wie die Amerikanische Zitterpappel oder die Kanadische Schwarzpappel eingeführt worden, weil deren Holz unter anderem für die Zündholzherstellung geeignet war. Dem Grossen Eisvogel wurde die Ähnlichkeit der Blätter zum Verhängnis. Er legte die Eier auf ihnen ab statt auf der Espe. Doch die Raupen konnten diese Nahrung nicht verdauen und gingen ein.

Kaum Fundmeldungen

Mittlerweile hat sich die Philosophie betreffend eine sinnvolle Baumarten-Zusammensetzung in den Wäldern geändert, und auch Zitterpappeln sind wieder vermehrt zu finden – und mit ihnen der Grosse Eisvogel, auch wenn er sich nur langsam von der früheren systematischen Vernichtung der Futterpflanze der Raupen erholt. «Er ist bei uns selten zu sehen. Wer weiss, vielleicht gibt es ihn etwas häufiger, als wir denken. Doch es gibt kaum Fundmeldungen, weil er kaum sichtbar ist und auch weil nur wenige Menschen nach ihm suchen.» Auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten wird der Grosse Eisvogel deshalb als verletzlich eingestuft.

Jacques Studer weiss, dass es diesen «Fifauter» vor allem an der Ärgera, im Plasselbschlund und entlang der Sense gibt, weil in den dortigen Auenwäldern, die weniger als Nutzwald bewirtschaftet werden, mehr Zitterpappeln vorkommen.

Ein krasser Gegensatz

Für den Freiburger Biologen ist der Grosse Eisvogel auch deshalb faszinierend, weil er sich bei der Nahrungsaufnahme anders verhält als die meisten anderen Schmetterlinge. «Wenn man Schmetterling hört, denkt man in erster Linie daran, dass sie von Blüte zu Blüte fliegen und sich davon ernähren. Das ist bei diesem Schmetterling nicht so», hält er fest.

Der Falter hat – aus dem Blickwinkel von uns Menschen gesehen – ganz üble Vorlieben: Er wird nämlich durch Aas, Kot, modriges Holz oder faulendes Obst sowie von den Säften von verrottenden Pflanzen angelockt. Der Gegensatz könnte also nicht grösser sein: Der Grosse Eisvogel mit den prachtvollen Flügeln mag unappetitliche Fäulnissäfte. «Das Insekt holt sich aus diesen Fäulnissäften die für seine Ernährung wichtigen Mineralien.»

Pech für das Männchen

Zwischen Ende Juni und etwa Anfang August ist der Grosse Eisvogel geschlüpft und auf Partnersuche. Erst die Aufnahme von Fäulnissäften macht den Schmetterling fortpflanzungsfähig. Nach dem Vergnügen hat das Männchen seinen Dienst getan und lebt nur noch wenige Wochen. Das Weibchen lebt weiter, bis es seine Eier auf den Blättern der Zitterpappel abgelegt hat. Bereits nach zwei Wochen schlüpfen die kleinen Raupen. Bis der Herbst kommt, fressen sie, was das Zeug hält. «Denn nur mit viel Reserven kommen sie gut durch den Winter», erklärt Jacques Studer.

Ende August, Anfang September wickelt sich die etwa einen Zentimeter grosse Raupe in ein Blatt ein und bildet einen Kokon, der mit einer Art Faden am Ast des Baumes befestigt wird. So verbringt die Raupe den ganzen Winter.

Zeit der Entfaltung

Sobald im Frühjahr die Temperaturen stimmen und die ersten Blätter erscheinen, kommt sie hervor und frisst weiter – immer noch ausschliesslich von den Blättern ihres «Hausbaums». So wächst sie, Ende Mai beziehungsweise Anfang Juni verpuppt sie sich – und schliesslich schlüpft sie und entwickelt sich zum Schmetterling. «Sobald sie schlüpfen, sind die Schmetterlinge flugfähig und geschlechtsreif», erklärt der Fachmann. Die Flügel sind anfangs noch zusammengefaltet und schlaff. Dann werden die Flügeladern mit Blutflüssigkeit gefüllt, so dass sich die Flügel entfalten – und ihre ganze Schönheit zum Vorschein kommt.

In einer losen Serie stellen die FN in Zusammenarbeit mit dem Freiburger Biologen Jacques Studer einheimische Tiere vor.

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