Avenches 13.09.2018

Erneuerung im Römermuseum Avenches

Mit einer Projektion des Siedlungsplans und einem Zeichentrickfilm zeigt das Römermuseum die Entwicklung von Aventicum.
Mit Animationen, einer Projektion und Tablets hält die digitalisierte Welt Einzug im Römermuseum von Avenches. Ungelöst bleibt der grosse Platzmangel. Ein neues Gebäude wäre die Lösung, doch das Projekt befindet sich noch in weiter Ferne.

Das Römermuseum in Avenches hat seine Dauerausstellung überarbeitet und modernisiert. «Vorher haben wir im Museum zehn verschiedene Themen behandelt. Neu haben wir auf jeder Etage ein spezifisches Thema», sagt die Direktorin Marie-France Meylan-Krause, als sie Medienvertreter im Vorfeld der 180-Jahr-Feier durch das Museum beim Amphitheater führt. «Der zweite Stock befasst sich ausschliesslich mit Aventicum als Hauptstadt der Helvetier.» Dort befindet sich das Highlight der neuen Dauerausstellung. Auf ein massstabsgetreues Landschaftsmodell von Avenches und Umgebung wird der Siedlungsplan der früheren Stadt Aventicum projiziert. Die Museumsbesucherinnen und -besucher sehen, wie die Stadt wächst. Parallel dazu läuft auf einem Bildschirm ein zehn Minuten langer Trickfilm, der zeigt, wie die Gebäude aussahen und wie die Bewohner von Aventicum lebten. 20 Personen hätten ein Jahr lang an der Projektion und dem Film gearbeitet, so die Direktorin.

Die gleiche Etage zeigt die historische Stadt als Macht­zentrum. Die Exponate sind in thematische Gruppen aufgeteilt. Festinstallierte Tablets liefern Infotexte auf Deutsch, Französisch und Englisch sowie Angaben zu den Ausstellungsstücken als Foto oder kurzes Video. Die Tablets sind für die Direktorin eine deutliche Verbesserung. Früher waren die Infotexte auf die Vitrinen aufgedruckt. Ein Auswechseln der Exponate war so quasi unmöglich, weil der Text nicht mehr zu den Gegenständen passte.

Schwarz-weisser Trickfilm

Die dritte Etage widmet sich der Geschichte der Helvetier. Ein kurzweiliger, schwarz-weis­ser Trickfilm – mit einer deutschen, französischen oder englischen Erzählerstimme – zeigt, wie die Helvetier damals lebten und wie sich die Römer in der Region ansiedelten. Exponate gibt es hier noch keine zu sehen, denn die Umbauarbeiten sind noch nicht abgeschlossen. Meylan-Krause rechnet mit der Fertigstellung Ende dieses oder Anfang des nächsten Jahres. Temporäre Ausstellungen werden nun nicht mehr im dritten Stock, sondern in Zukunft auf der ersten Etage gezeigt. Die Umbauarbeiten sollen hier in den kommenden Wochen beginnen, so Meylan-Krause.

Weniger Exponate

Die Direktorin freut sich über das neue Museum. Die Ausstellung sei seit 25 Jahren nicht mehr wesentlich überarbeitet worden. «Wir wollten den Besuchern die neuen Entdeckungen zeigen.» Die neue Klimatisierung in allen Räumen sorge für ein stabiles Klima im Museum, was gut für die Erhaltung der Exponate sei.

Trotz des Umbaus gibt es nicht mehr Platz für Exponate, sondern weniger. Der Grossteil der historischen Gegenstände lagert in einem Depot; fünf Prozent waren bisher ausgestellt. Nach dem Abschluss aller Arbeiten werden es noch drei Prozent sein, sagt Meylan-Krause. «Wir zeigen zwar weniger Exponate, dafür kommen diese besser zur Geltung.»

Gespräche für neues Gebäude

Ein Ausbau des Museums­turms beim Amphitheater ist nicht möglich. Der Kanton Waadt und die Gemeinde Avenches befänden sich momentan in Gesprächen für ein neues Museumsgebäude, berichtete die Zeitung «La Liberté» kürzlich. Dieses könnte in der Nähe des Friedhofs errichtet werden. Das Areal gehört zum Teil dem Kanton und zum Teil Privatpersonen. Entschieden sei noch nichts, so die Direktorin. «Wir befinden uns erst ganz am Anfang.»

180-Jahr-Feier des Museums, u.a. mit Gladiatorenkämpfen und römischem Essen: Fr., 14., bis So., 16. September. Programm: www.aventicum.org

Entdeckung

Einzigartiges Mosaik freigelegt

Während der Sanierung von Wasserleitungen in der Nähe des Friedhofs von Avenches entdeckten Arbeiter ein rund 2,2 Quadratmeter grosses Mosaik. «Am Dienstag haben wir die Freilegung abgeschlossen», sagte gestern die Konservatorin Sophie Delbarre Bärtschi beim neugestalteten Römermuseum. Damit man das Mosaik in einem nächsten Schritt aus der Grube heben kann, müsse eine Platte unter das Bild geschoben und dann angehoben werden. Diese Arbeiten würden nun be­ginnen.

Laut Delbarre Bärtschi ist die Herstellungstechnik des Mosaiks einzigartig. Dass im Bild Marmor verarbeitet wurde, sei ein Zeichen für einen wohlhabenden Auftraggeber. Wer das war, sei bislang unklar. Ebenfalls sei nicht bekannt, in was für einem Gebäude sich das Mosaik befand und welche Funktion dieses Haus hatte, sagt Delbarre Bärtschi. Derzeit werde vermutet, dass das gefundene Mosaik vom Anfang des vierten Jahrhunderts stammt.

Die Sanierung der Wasserleitungen förderte auch ein antikes Bleirohr, Spuren von Fundamenten eines Hauses und ein Skelett zu Tage, berichtete kürzlich die «Liberté».

jmw