Düdingen 14.08.2019

Ein neues Internet-Radio für den Sensebezirk

Das neue Radiostudio von Radio Sense in Düdingen.
Nach Meinungsverschiedenheiten hat ein Teil der Equipe den Sender Radio Kaiseregg verlassen und gründet nun ein neues Radio.

Die Meinungsverschiedenheiten waren zu gross – immerhin darin sind sich Pascal Kolly und Paul Portmann einig. Die beiden waren bis im Juni beim ehrenamtlich produzierten Sensler Radio Kaiseregg engagiert. Doch die Differenzen haben dazu geführt, dass der ehemalige Vorstandspräsident Pascal Kolly und ein Teil der Equipe seit Ende Juni andere Wege gehen als Paul Portmann und weitere Mitglieder des Teams.

Kolly, der seit zehn Jahren das «Drachenradio» für Got­té­ron-Fans macht, und sieben weitere aktive ehemalige Mitglieder von Radio Kaiseregg haben daraufhin beim Sensler Lokal-Fernsehen Rega-TV angeklopft, mit dem sie bereits zuvor zusammengearbeitet hatten. Nico Staub, Programmverantwortlicher für Rega-TV, war dabei. Ab 1. September soll das neue Radio Sense auf Sendung gehen, wie Staub den FN sagte.

Unterschiedliche Auffassungen

Aber was war passiert bei Radio Kaiseregg? Offenbar gab es sehr unterschiedliche Auffassungen nicht nur zum Programm, sondern auch dazu, wie ein Radio geführt werden sollte. Paul Portmann, der neue Vorstandspräsident, sagt auf Anfrage der FN, er sei enttäuscht gewesen von seinem Vorgänger Pascal Kolly. «Er hat sich zu wenig um technische Probleme gekümmert.» Die Sendungsmacher hätten zudem teilweise nicht sehr gute Arbeit abgeliefert. Kolly verteidigt sich: «Für uns ist das Radiomachen ein Hobby. Wir alle arbeiten nebenher zu hundert Prozent – wir sind darauf angewiesen, dass die Abläufe beim Radio möglichst einfach sind.»

Sie könnten und wollten sich nicht einmal pro Woche für eine Sitzung treffen. In der Ferienzeit oder bei einer strengen Zeit im Job dürfe es auch einmal sein, dass eine Sendung ausfalle. Das habe Paul Portmann nicht verstanden. Er ist pensioniert und arbeitete früher bei verschiedenen Sendern.

Paul Portmann spricht auch davon, die Ex-Mitglieder hätten versucht, Geld zu unterschlagen. Pascal Kolly widerspricht. Durch einen Fehler sei ein Betrag auf einem falschen Konto gelandet – aber nicht auf einem Privatkonto, sondern auf jenem des Fördervereins fürs Radio Kaiseregg. Der Fehler sei korrigiert worden.

Sogar zum Abgang der Radio-Sense-Gründer gibt es unterschiedliche Auffassungen: Portmann sagt, die Vorstandsmitglieder hätten sie an einer Sitzung Ende Juni abgewählt, sie sozusagen rausgeschmissen. Pascal Kolly sagt jedoch, man habe schon länger mit dem Gedanken gespielt zu gehen, weil es nicht mehr gestimmt habe. «Das Radio ist mein Hobby, und das sollte Spass machen. Sonst muss man etwas ändern.»

«Keine Konkurrenz»

Ab September wird es also zwei ehrenamtlich produzierte Radios geben, die den Bezirk abdecken. Ist das nicht zu viel? Das neue Radio Sense sieht sich nicht als Konkurrenz, weder zu Radio Kaiseregg noch zu grösseren Stationen, wie Nico Staub, Programmverantwortlicher von Rega-TV und Leiter des neuen Radios, betont. «Wir bieten einen bunten Mix aus Musik und zwischendurch eigene Sendungen, darunter das Gottéron-Programm ‹Drachenradio›». Nachrichten gibts beim neuen Radio nicht.

Ausgestrahlt wird es aus den Räumlichkeiten von Rega-TV in Düdingen. Rega-TV hat dort für rund 20 000 Franken ein neues Radiostudio eingerichtet. Interessierte können das Radio übers Internet oder über das Kabelnetz von Rega Sense empfangen.

Mehr Schlager

Radio Kaiseregg will sich ebenfalls neu ausrichten. In Zukunft gebe es mehr Schlager und volkstümliche Musik – aber nicht nur, wie Paul Portmann sagt. «Wir werden in bestimmten Zeitfenstern bestimmte Musikstile senden – einmal Klassik, einmal nur Freiburger Musik, dann wieder Ländler und Schlager», erklärt er. Radio Kaiseregg ist bereits seit letztem Jahr über den neuen digitalen Übertragungsstandard DAB+ in der Region Bern empfangbar. Voraussichtlich im Herbst soll der Sensebezirk folgen.

Wie viele Hörer das Radio habe, sei schwer zu sagen, weil das bei Messungen nicht erfasst wird. Aber laut Portmann hören es auch viele Deutsche, denen Schlagermusik gefällt.