Zumholz 11.07.2019

Hirten und Wirten auf der Alp

Mit guten Sprüchen um Kunden werben: Einladung an durstige Wanderer.
Auf vielen Alpen schauen Hirten zu Tieren und Weiden und bewirten zugleich Gäste. Sie sind deshalb im Clinch mit dem Wetter: Ab und zu ein Regentag wäre gut, aber für die Ausflügler soll die Sonne scheinen.

Die Alpsaison 2019 hat besser angefangen, als dies im Mai noch ausgesehen hatte. «Der Mai war kalt, das Gras wollte nicht wachsen, und es sah aus, als ob das Futter für die Tiere fehlen würde», sagt Elmar Zbinden, Vizepräsident des Freiburger Alpwirtschaftlichen Vereins. Viele Alpbesitzer und Hirten befürchteten deshalb, dass ihnen ein schlechter Alpsommer bevorsteht. Weil der Juni aber recht feucht war und später die Wärme kam, holte die Natur rasant auf. «Das Gras ist ungeheuer schnell gewachsen», sagt er.

«Das Wetter bestimmt halt alles.» Das haben die Alphirten auch letzte Woche gemerkt, als es selbst in den sonst kühleren Bergen bis zu 30 Grad warm war. «Das ist aussergewöhnlich», sagt Elmar Zbinden. Nicht umsonst sei deshalb die Verbesserung der Wasserversorgung auf den Alpen in den letzten Jahren in den Fokus gerückt.

Wichtiges Standbein

Viele Hirten in der Region Schwarzsee schauen im Sommer nicht nur zu ihren Tieren und zu den Alpweiden, sondern setzen sich ab und zu einen zweiten Hut auf: Sie bewirten Wanderer und Ausflügler, servieren kühle Getränke, ein Fondue, selbst gemachten Käse oder auch eine frische Wurst. «Die beiden Aufgaben lassen sich nur dann gut vereinbaren, wenn man sich organisieren kann», sagt Elmar Zbinden. Das heisst für die Hirten, dass sie Hilfe brauchen. Oft sind es Familienmitglieder, die mit anpacken.

Wenn die Voraussetzungen stimmen, dann könne der Buvettenbetrieb für die Hirten ein wertvolles Standbein darstellen, um das Einkommen aufzubessern. Der Standort könne eine wichtige Rolle spielen, ob viele Gäste vorbeikommen. «Zum Beispiel, wenn eine Alphütte an einer beliebten Wanderwegroute ist und eine schöne Aussicht zu bieten hat.»

Gewissen Standard braucht es

Daneben müsse aber auch das Angebot stimmen. Die Heidi-mässige Hüttenromantik mit schlicht eingerichteter Hütte, in der noch wie zu Grossmutters Zeiten gehirtet wird – das gehe heute nicht mehr. «Schon allein wegen der Hygiene», sagt Elmar Zbinden. Wer das Buvetten-Patent H­ löse und Essen servieren wolle, müsse gewisse Anforderungen erfüllen. «Die Einhaltung wird auch regelmässig kontrolliert.»

Zudem brauche es für die gute Bewirtschaftung einer Alp eine gewisse Grundinfrastruktur. «Zum Beispiel eine richtige Zufahrt», führt Elmar Zbinden aus. Deshalb ist in den letzten Jahren durch die Mehrzweckgenossenschaften des Bergland-Gebiets im Sense-Oberland viel in die Wegsanierung und in den Neubau von Alpzufahrten investiert worden.

Lange Tradition

«Gäste zu empfangen, muss einem gegeben sein. Man muss gerne auf Leute zugehen und sich Zeit für sie nehmen», sagt Elmar Zbinden. Im Gebiet Schwarzsee sei dies auf vielen Alpen seit Jahren und Generationen eine grosse Tradition. «Wir haben im Vergleich zu anderen Regionen ein sehr gutes Angebot an Alphütten mit einer Buvette.» Beispielsweise habe fast jede Hütte im Brecca­schlund ein Angebot für Wanderer und Ausflügler. Im Laufe der Jahre hätten sich die Alphirten einen guten Ruf für ihre Spezialität aufgebaut und so eine Stammkundschaft erworben.

Aber ob es sich am Ende des Sommers wirklich gelohnt hat, bestimmen nicht nur der Einsatz der Hirtefamilien, sondern – wie könnte es anders sein – auch das Wetter. «Was für die Alpweiden und Tiere gut ist, ist nicht immer gut für die Ausflügler», sagt Elmar Zbinden. Könnte er sich das Wetter wünschen, hätte er gerne am Montag und Dienstag, wenn wenig los ist, Regentage, und dafür ab Mitte Woche und auf jeden Fall am Wochenende viel Sonnenschein.

Die FN werden im Rahmen einer Sommerserie in den kommenden Wochen verschiedene Alphütten vorstellen.

Zahlen und Fakten

Rund 1300 Berghütten, 70 mit Buvette

2015 waren im Kanton Freiburg 1428 Alphütten in der Sömmerungszone sowie 579 Sömmerungsbetriebe registriert. Ge- ­sömmert wurden 22 244 Rinder, 5147 Milchkühe, 739 Stiere, 1019 Kälber, 6896 Schafe und 1109 Ziegen – plus einige Pferde und Esel, Schweine und gar 35 Lamas. Auf den Alpen verarbeiteten 2015 zudem 54 Käseproduzenten insgesamt 3,192 Millionen Kilogramm Milch. Gemäss der Sicherheits- und Justizdirektion haben im Kanton Freiburg rund 70 Alphütten eine gültige Bewilligung, um eine Buvette zu führen.

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