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Shakespeare im Matriarchat

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Eine leicht dümmliche Frau wird zu Unrecht der Untreue bezichtigt und darum von ihrem Bräutigam vor dem Altar niedergemacht und stehen gelassen: Das ist, kurz zusammengefasst, die Geschichte von Hero und Claudio aus Shakespeares Komödie «Viel Lärm um nichts». Der Umgang Claudios mit seiner Braut zeige, warum das Stück aus heutiger Sicht sehr frauenfeindlich wirke, sagt der Freiburger Theaterregisseur Christoph Mayer: «Vor der Hochzeit spricht der Mann kein Wort mit seiner Frau, und dann macht er sie vor dem Altar fertig.»

Natürlich sei es anachronistisch, Shakespeare aus der Perspektive des 21. Jahrhunderts des Sexismus zu bezichtigen, räumt Mayer ein. «Viel Lärm um nichts» bleibe ein gutes Stück und zähle nicht umsonst zu den beliebtesten Komödien der Theatergeschichte. Dennoch sei es schwierig, den Klassiker heute auf die Bühne zu bringen, ohne sich mit der Frauenfrage zu befassen.

Doppelter Geschlechtertausch

Dies hat Christoph Mayer nun mit der Deutschfreiburgischen Theatergruppe (DFTG) auf aussergewöhnlich radikale Weise getan: Die Inszenierung, die ab dem 1. November im Kellerpoche in Freiburg zu sehen ist, versetzt die Handlung in ein Matriarchat und fragt, wie die Welt aussähe, wenn die Frauen das Sagen hätten und wie Shakespeares Geschichte in einer solchen Welt verlaufen wäre.

Das Stück ist als Gender-Swap-Inszenierung mit doppelt vertauschten Rollen angelegt: Frauen spielen die Männerrollen und Männer die Frauenrollen – zugleich tauschen aber auch die Figuren selbst das Geschlecht, behalten dabei aber, um die Sache vollends auf den Kopf zu stellen, ihre ursprünglichen Namen. In der eingangs zitierten Altarszene wird also DIE Claudio (gespielt von Kristin Pröpper) DEN Hero (gespielt von Max Widmer) stehen lassen.

«Ich wollte schon lange ein Gender-Swap-Stück machen, das nicht nur die Rollen vertauscht, sondern auch die Konsequenzen des Rollentauschs für die Handlung zeigt», erklärt Christoph Mayer. «Viel Lärm um nichts» habe sich für dieses Experiment angeboten, weil es als frauenfeindlich gelte. Die neue Umsetzung sei eine grosse Herausforderung für die elf Schauspielerinnen und Schauspieler gewesen. Es habe viel Konzeptarbeit gebraucht, an der das ganze Ensemble beteiligt gewesen sei.

Männer unter Druck

«Am schwierigsten war, herauszuarbeiten, wie unser Matriarchat funktionieren sollte», so der Regisseur. «Es sollte nicht einfach ein umgedrehtes Patriarchat sein und auch nicht die Vision einer besseren Welt. Wir haben versucht, alles ganz neu zu denken.» Was dabei herausgekommen ist, soll das Pu­blikum im Theater entdecken. Christoph Mayer verrät nur so viel: «Die Welt ist in unserem Matriarchat nicht besser. Sie ist weniger brutal, aber sie ist auch kaltblütiger und kühler. Und die Männer stehen darin unter grossem gesellschaftlichem Druck.»

«Auch im Matriarchat gibt es eine Hierarchie mit Gewinnern und Verlierern», sagt Schauspielerin Estelle Witmer. Die 23-Jährige verkörpert im Stück die Matriarchin und die Securityfrau Holzapfel. «Es brauchte mehr Vorarbeit als sonst, um in die Rollen zu finden», sagt sie. Das bestätigt ihre 21-jährige Kollegin Olivia Grünenfelder, welche die Donna Pedro spielt: «Es war anspruchsvoll, aber sehr spannend. Wir haben viel über Geschlechterrollen und Verhaltensweisen diskutiert und uns Fragen gestellt, die meinen Blick auf die Welt verändert haben.»

Und wie erleben die Schauspielerinnen und Schauspieler den Rollentausch auf der Bühne? «Besonders schwierig ist es, weibliche Dominanz darzustellen, ohne in Männerklischees zu verfallen», sagt die 20-jährige Jill Bürki, die Boraccio spielt. Das gilt umgekehrt auch für die männlichen Darsteller. «Ich musste mich aus der gewohnten Männerrolle herauswagen», so der 22-jährige Max Widmer. «Das war etwas ganz Neues für mich.»

Das Stück bleibt erkennbar

Trotz alldem bleibe Shake­speares Stück immer noch erkennbar, betont Regisseur Christoph Mayer. «An der Geschichte selbst haben wir wenig geändert.» Gewisse Textstellen, etwa solche mit derben Männerwitzen, wurden umgeschrieben, die Kleidung der Neuinterpretation angepasst und sogar eigene Musik komponiert. «Wir wollen mit dem Rollentausch zum Nachdenken anregen», so Mayer.

Kellerpoche, Samaritergasse 3, Freiburg. Premiere: Fr., 1. November, 20.15 Uhr. Weitere Spieldaten: 3., 5., 9., 10., 15., 17., 19., 22. und 23. November, teilweise mit Stückeinführung. Spielzeiten und weitere Informationen: www.dftg.ch

Zum Stück

Liebe, Intrigen und Wortgefechte

Die Handlung von «Viel Lärm um nichts» bleibe trotz Geschlechtertausch und Neuinterpretation erkennbar, sagt DFTG-Regisseur Christoph Mayer. Shakespeare erzählt im Original aus dem Jahr 1598 die Geschichte der Hochzeit des Florentiner Adligen Claudio mit Hero, der Tochter von Leonato, Gouverneur von Messina. Der intrigante Don John sabotiert die Hochzeitspläne, indem er das Gerücht in die Welt setzt, Hero habe Claudio betrogen. Parallel dazu entwickelt sich die Liebesgeschichte zwischen Leonatos Nichte Beatrice und Claudios Weggefährten Benedikt. Das wortgewandte Paar gehört zu den beliebtesten der Theatergeschichte.

Für die Gender-Swap-Inszenierung hat Christoph Mayer ein junges Schauspiel-Ensem­ble zusammengestellt. Die meisten Mitglieder sind zwischen 20 und 35 Jahre alt und stammen aus dem Raum Freiburg und Bern.

cs

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