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«Sie glaubten nicht an das Virus»

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Valérie Bertschy ist eine der rund 750 000 Schweizer Staatsangehörigen, die im Ausland wohnhaft sind. Die 27-jährige Sekundarlehrerin lebt seit zwei Jahren in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku und unterrichtet dort an einer internationalen Schule. Ende Juni lief ihr Arbeitsvertrag ab – und seitdem steckt die junge Düdingerin in Baku fest.

Neuer Job in Rom

Momentan fühlt sich Valérie Bertschy noch sicher in Baku. «Sollten sich die Konflikte aber verstärken, wird es auch für mich kritisch werden», meint sie. Ihr ursprünglicher Plan war es, bis Ende Juni zu arbeiten und anschliessend eine neue Stelle in Kasachstan anzutreten. «Die Situation dort ist jedoch leider noch schlimmer als hier in Baku, und da habe ich angefangen, nach anderen Optionen in Europa zu suchen», so Bertschy. Fündig wurde sie in Rom. Dort wird sie im August eine Stelle als Sekundarlehrerin antreten. Aufgrund der Corona-Krise ist das Ausreisen aus Aserbaidschan – noch dazu mit einem Hund – mit vielen administrativen Hürden verbunden.

Nur mit Erlaubnis rausgehen

Trotz der zu Beginn geringen Fallzahlen reagierte Aserbaidschan schnell auf die drohende Gesundheitskrise. Als eine der ersten Massnahmen wurden Anfang März alle Schulen geschlossen. «Danach folgten Einschränkungen bei den Restaurant- und Geschäftsöffnungszeiten», sagt die 27-Jährige. Bald schon wurden der nationale Notstand und der Lockdown ausgerufen, und Anfang April folgte die Einführung des SMS-Systems: «Wir durften nur noch einmal pro Tag für maximal zwei Stunden rausgehen – entweder zum Einkaufen, um zum Arzt zu gehen oder für eine Beerdigung – und das nur, wenn eine Erlaubnis per SMS kam», erklärt Bertschy. Auch für Hundebesitzer wie sie galt diese Regelung. Ausnahmen gab es keine: So musste die Sekundarlehrerin manchmal ohne SMS-Erlaubnis auf die Strassen gehen, damit ihre Dackel-Mischlingshündin Mamba ihr Geschäft verrichten konnte.

Trotz diesen strengen Massnahmen und den drohenden Bussen sowie Gefängnisstrafen stiegen im kaukasischen Land die Fallzahlen. «Viele Menschen haben das Coronavirus zu Beginn nicht ernst genommen. Sie glaubten nicht daran», so die Lehrerin. So sei das SMS-System nicht richtig befolgt oder umgangen worden. «Viele hier sind sehr regierungskritisch und hatten das Gefühl, die Regierung lasse sie verhungern und schaue nur auf ihr eigenes Wohl.» Tatsächlich erhielten laut Bertschy zahlreiche Menschen, die keine Arbeit mehr hatten, keine grosse Unterstützung von der Regierung. «Die Arbeitslosenrate ist sehr hoch, und auch das Gesundheitssystem ist komplett überlastet.»

Zu sehen, wie Aserbaidschan mit der Corona-Pandemie umgeht, bringt die junge Düdingerin dazu, zu schätzen, was sie in der Schweiz hat.

«Der grosse Fehler»

Ende April lockerte Aserbaid­schan die Corona-Massnahmen im Land wieder. «Die Zahl der infizierten Personen ist da fast explodiert», so Bertschy. Für sie war das der grosse Fehler der Regierung. Als die Fallzahlen derart anstiegen, ging das Land erneut in einen Lockdown, der nun bis Ende August anhalten wird. Diesmal übte die Regierung Druck aus, und sowohl die Polizei als auch die Armee kontrollieren seitdem die Einhaltung der Corona-Regeln. Auch eine generelle Maskenpflicht wurde für Geschäfte und den öffentlichen Verkehr eingeführt. «Im öffentlichen Verkehr hält sich fast niemand an die Maskenpflicht», bemängelt Bertschy. In den Geschäften hingegen werde die Maskenpflicht von den Inhabern streng durchgesetzt.

«Die Menschen nehmen das Coronavirus jetzt ein bisschen ernster, aber sie glauben immer noch, dass die Wirtschaft wichtiger sei als ihr gesundheitliches Wohl.» Die Menschen seien enttäuscht und wütend auf die Regierung und darauf, wie sie die Corona-Pandemie angehe.

Neuer Konfliktherd

Seit einigen Tagen erschüttert zudem ein neuer Konflikt das Land. Armenien und Aserbaidschan liefern sich Gefechte in der seit Jahren umkämpften Region um Berg-Karabach (siehe Kasten). «Der Fokus ist plötzlich vom Coronavirus weggekommen», so Bertschy. «Es herrscht bei den meisten hier ein tiefer Hass gegen Armenien.» Im Land gingen knapp 30 000 Menschen deswegen auch auf die Strassen und verlangten von der Regierung, dass Armenien der Krieg erklärt werde.

Bald ausreisen

Valérie Bertschy hofft nun, so schnell wie möglich ausreisen zu können, um nach Rom zu gelangen und ihre neue Stelle anzutreten. «Ich war sehr gerne in Aserbaidschan und habe das Leben hier gemocht», so die 27-Jährige. «Es ist ein sehr modernes Land, offen gegenüber Ausländern, friedlich und sicher.» Für sie ist das Land jedoch nicht mehr stabil genug. «Jetzt bin ich nicht mehr so scharf darauf hierzubleiben», sagt Bertschy. «Zuerst war ich positiv überrascht da­rüber, wie Aserbaidschan mit der Corona-Krise umging. Aber die langsame Entwicklung, die fehlenden Kontrollen durch die Autoritäten und die fehlende Solidarität unter den Menschen haben mich enttäuscht.»

«Weil ich einen Hund besitze, dauert es viel länger, bis ich die nötigen Papiere zusammenhabe, um einen der wenigen Flüge aus dem Land zu erwischen», erklärt Bertschy. Auch sonst sei es schwierig, aus dem Land auszureisen, da die Grenzen geschlossen seien und sehr wenige Flugzeuge fliegen würden. Bertschy rechnet damit, dass sie erst Mitte August ausreisen darf.

Konflikt

Kämpfe zwischen Armenien und Aserbaidschan

Seit einigen Tagen herrschen im Kaukasusgebiet zwischen Armenien und Aserbaidschan anhaltende Gefechte. Mehrere Soldaten sind auf beiden Seiten getötet worden. Beide Länder machen jeweils das andere Land für den Gewaltausbruch verantwortlich.

Beim langjährigen Konflikt zwischen den benachbarten Staaten geht es um die Region Berg-Karabach, die von beiden ehemaligen Sowjetrepubliken beansprucht wird. Das Gebiet gehört zu Aserbaidschan, wird aber überwiegend von armenisch-stämmigen Menschen bewohnt. Bereits im 19. und im 20. Jahrhundert gipfelten die Konflikte zwischen den beiden Staaten in kriegerischen Auseinandersetzungen. 1991 erklärte Berg-Karabach seine Unabhängigkeit. Die Situation eskalierte 1992 im Berg-Karabach-Krieg, der 1994 mit einem Waffenstillstand endete. Die vielen Massenmorde in armenischen und aserbaidschanischen Dörfern forderten insgesamt über 25 000 Tote; über eine Millionen Menschen wurden vertrieben. Auch nach dem Waffenstillstand kam es immer wieder zu Spannungen zwischen den beiden Ländern.

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Zahlen und Fakten

Über 370 Tote in Aserbaidschan

Den ersten bestätigten Corona-Fall registrierte Aserbaidschan am 28. Februar. Mittlerweile gibt es 28 980 bestätigte Covid-19-Fälle im Land. 391 Menschen sind bisher daran gestorben. Über 20 000 Patientinnen und Patienten sind wieder genesen. Insgesamt stehen über 7615 Menschen in Aserbaidschan unter Quarantäne (Stand 23. Juli).

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