Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Stählernes Kriechtier im Erdgasstrom

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Punkt 8.40 Uhr schickte das Team von Claus Messerschmidt den Molch in Mülchi bei Solothurn auf die Reise. Rund sechs Stunden und 42 Kilometer später kam der Molch um 15.30 Uhr in Altavilla bei Murten wieder an die Oberfläche. Der Molch – das ist ein überdimensioniertes Messgerät für Gasleitungen, «ein Wurm mit verschiedenen Gliedern», so beschreibt ihn Messerschmidt; etwa fünf Meter lang, rund 60 Zentimeter hoch, 1,2 Tonnen schwer und 1,5 Millionen Franken teuer. Der Gasverbund Mittelland, Messerschmidts Arbeitgeber, kontrolliert alle zehn Jahre die Erdgashochdruckleitung auf Dellen, die zum Beispiel wegen Hangrutschungen entstehen könnten, und auf Rostschäden. In diesen Tagen war der Abschnitt im Seeland dran.

Es dauere bis zu fünf Jahre, bis alle Leitungen «durchgemolcht» sind, so Messerschmidt. Das hänge unter anderem mit der Verfügbarkeit des Kontrollgerätes zusammen: Den Molch müssten sie von einer spezialisierten Firma zumieten. Er sei halt mal in der arabischen Wüste, mal in einer Gasleitung unter dem Meer und dann mal im Schweizer Mittelland im Einsatz. Der Messfahrt gehe jedes Mal zuerst eine Reinigungsfahrt voran. Deshalb war der Molch schon die Woche zuvor auf der Strecke unterwegs.

«Molchbare» Leitungen

«Alle Leitungen müssen molchbar sein», sagt Messerschmidt, sonst könnten sie das Netz nicht kontrollieren. Deswegen habe jede Leitung eine Empfangs- und eine Sendeschleuse für das Gerät. Das Gerät wurde in Mülchi in die Gasleitung gesetzt, dann wurde Druck aufgebaut, bis zu 60 Bar. Der Gasstrom trieb den Molch mit einer Geschwindigkeit von ein bis drei Metern pro Sekunde weiter. «Wir müssen aufpassen, dass er nicht schneller wird, sonst werden die Messungen ungenau», erklärt Messerschmidt auf dem Areal der Messstation Altavilla. Sie könnten das Tempo mit der Gasmenge regeln, die durch die Leitung fliesst. Und der Molch drehe sich ununterbrochen in der Röhre um seine Achse, dafür sind mehrere Räderringe angebracht.

An zwei Punkten unterwegs horchten seine Mitarbeiter, ob sich das Ding auch wie geplant fortbewege. Horchen? Ja, sie hielten das Ohr an eine Messstelle, so Messerschmidt. «Sie können so hören, wie gut der Molch unterwegs ist.» Dann, in Altavilla, fuhr das Gerät in eine sogenannte Molchschleuse. Die Leitung wurde geschlossen, das Gas in der Schleuse entwich mit einem ohrenbetäubenden Pfeifen durch ein geöffnetes Ventil, geschlagene zehn Minuten lang. Dann musste das Gerät noch mal eine halbe Stunde ruhen. «Akklimatisieren» nennt Mes­serschmidt den Vorgang. Zwei Herren mit weissen Helmen, Mitarbeiter der englischen Firma, der der Molch gehört und die ihn bei seinen Reisen rund um die Welt begleiten, müssen Messerschmidts Team – den Herren mit den blauen Helmen – zuerst ihr Okay für die Entnahme geben. Dann wurde eine Wanne unter das Rohr geschoben und der Molch behutsam und hydraulisch aus der Schleuse herausgezogen.

Bürsten bauen um das Gerät ein Magnetfeld auf: Dieses ermöglicht die Messungen. Damit der Molch nirgends hängenbleibt, besteht er aus mehreren kleinen Teilen, so dass er auch Kurven mitmachen kann. Ausserdem sind Fächerscheiben zu sehen, die wie Segel die Fortbewegung des Gerätes im Gasstrom ermöglichen. Und die angebrachten Fühler analysieren das Rohr und zeichnen die Daten im Inneren des «intelligenten» Molches auf.

Zweimal ausgewertet

Am Abend fuhren die Männer das Gerät mit einem Speziallastwagen ins solothurnische Schnottwil. Dort werde es auf dem Gelände einer Baufirma richtig tiefengereinigt. Dann zapften sie den Speicher an, so Messerschmidt, um zu sehen, ob die Messgeräte überhaupt etwas aufgenommen hätten. Falls nicht, müssten sie die Übung umgehend nochmals durchführen. «Das kommt aber selten vor.» Schliesslich würden die Daten dann in der Zentrale des Unternehmens in Arlesheim/BL während Wochen ausführlich ausgewertet und mit den Werten der letzten Kontrolltour verglichen. Sollten sie wider Erwarten Schäden entdecken, werde die Leitung freigelegt und visuell beurteilt, ob weitere Massnahmen erforderlich seien. «Wir würden dann davon profitieren, dass der Molch den Schaden zentimetergenau mit GPS angeben kann.»

In der molchfreien Zeit werden die Leitungen laut Messerschmidt regelmässig im Auto abgefahren und ab und zu auch aus der Luft per Helikopter kontrolliert. Es gehe vor allem darum, unangemeldete Baugruben entlang des Trassees der Gasleitung zu entdecken und zu unterbinden, so Messerschmidt. Für die Helikopter wird der Streckenverlauf übrigens mit den prägnanten orangen Tafeln angezeigt, die scheinbar sinnlos in der Landschaft herumstehen.

Drei Unternehmen teilen sich die Gasversorgung in der Schweiz auf, sagt Messerschmidt. Im April werde die Westschweizer Firma Gaznat den Molch Richtung Orbe auf die Reise schicken. Damit ende die grosse Reise des «intelligenten» Molches durch das Schweizer Gasnetz. Und beginne in rund fünf Jahren wieder von vorne.

«Die Mitarbeiter halten das Ohr an die Messstelle. Sie können so hören, wie gut der Molch unterwegs ist.»

Claus Messerschmidt

Leiter Mechanische Abteilung

«Wir müssen aufpassen, dass er nicht schneller wird, sonst werden die Messungen ungenau.»

Claus Messerschmidt

Gasverbund Mittelland AG

Mehr zum Thema