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Streit um sechs Zentimeter

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«Damit Menschen im Rollstuhl problemlos selbstständig in den Bus ein- und aus dem Bus aussteigen können, müssen die Kanten von Bushaltestellen 22  Zentimeter hoch sein.» Das sagt Marc Moser von der Behindertenorganisation Inclusion Handicap. Daran hielt sich die Gemeinde Düdingen, als sie die neue Bushaltestelle Briegli auf ihrem Gebiet plante. Doch 2016, während dem Bau, kam es zu einer Projektänderung: Die Kante wurde auf Verlangen der Freiburgischen Verkehrsbetriebe TPF auf 16  Zentimeter Höhe herabgesetzt. Die Busse können nämlich bei einer Bordsteinhöhe von 22  Zentimetern die Türen nicht mehr öffnen, wie Hans-Rudolf Beyeler auf Anfrage erklärt. Er ist bei den TPF zuständig für die Umsetzung des Behindertengleichstellungsgesetzes.

Gegen die Änderung legte Inclusion Handicap Einsprache ein. Die Parteien warten derzeit auf den Bescheid des Raumplanungsamtes, das entscheiden muss, ob es auf die Einsprache eintritt.

Würde die Einsprache gutgeheissen, könnte das Folgen für sämtliche Haltestellen im Kanton haben. Denn die TPF bauen ihre Kanten grundsätzlich 16  Zentimeter hoch. Einerseits wegen der erwähnten Türöffnung. Zudem erklärt Hans-Rudolf Beyeler von der TPF: «Sind die Kanten 22  Zentimeter hoch, kommt es eher zu Schäden an den Bussen, wenn diese zu nahe an die Haltestellen fahren.» Um das zu vermeiden, würden die Fahrer dann wahrscheinlich weniger nahe an die Haltestelle heranfahren – so, dass es eine Lücke zwischen Trittbrett und Kante gebe, die Personen im Rollstuhl das Einsteigen wiederum erschwere.

«Entspricht dem Gesetz»

Die 16  Zentimeter seien vom Kanton vorgegeben und entsprächen dem Behindertengleichstellungsgesetz, sagt Be­ye­ler. «Gemäss dem Gesetz darf die Spalthöhe zwischen dem Quai und dem Bus höchstens fünf Zentimeter betragen.» Die Busse der TPF könnten sich neigen, so dass sich der Höhenunterschied zwischen Kante und Einstieg verringere. Die Busse befänden sich dann 20  Zentimeter über Boden, der Unterschied zur Kante betrage vier Zentimeter.

Die Neigung sei ein Problem, sagt Marc Moser von In­clu­sion Handicap. «Je nach Topografie ist der Einstieg dann so steil, dass gewisse Menschen im Rollstuhl nicht mehr alleine in den Bus kommen.»

Beyeler und auch Patrick Stampfli, Gemeinderat von Düdingen, widersprechen. Man habe bei der betreffenden Bushaltestelle Tests gemacht mit Inclusion Handicap. «Der Rollstuhlfahrer ist problemlos in den Bus gekommen», sagt Stampfli. Er zeigt auf seinem Smartphone ein Video des Tests: Der Rollstuhlfahrer muss etwas Kraft aufwenden und den Rollstuhl kippen, aber er kommt ohne fremde Hilfe in den Bus.

Flächendeckend einführen

Die Einsprache der Behindertenorganisation dürfte übergeordnete Gründe haben. Denn Inclusion Handicap verfolgt das Ziel, die 22  Zentimeter Kantenhöhe in der ganzen Schweiz zu etablieren. Bisher haben gemäss der Organisation die Kantone Basel-Landschaft, Luzern und Zürich die Kantenhöhe 22  Zentimeter fest­geschrieben; die Bestimmungen seien aber noch nicht umgesetzt, sagt Moser.

«Viele Kantone und Transportunternehmen haben die Umsetzung des Behindertengleichstellungsgesetzes verschlafen», fügt er an. Dieses ist seit 2004 in Kraft, bis 2024 müssen die Massnahmen umgesetzt sein. Das Kostenargument lässt Moser nicht gelten: «Seit 2004 mussten die Gemeinden und Kantone sowieso zahlreiche Haltestellen erneuern, da hätten sie diese gleich den neuen Anforderungen anpassen können.» Und die Transportunternehmen hätten Busse anschaffen können, die ihre Türen auch bei höheren Kanten öffnen können. Dies müsse bei den nächsten Beschaffungen berücksichtigt werden. Hans-Rudolf Beyeler von den TPF betont, das Unternehmen habe keine Busse mit einer speziell tiefen Türöffnungshöhe. «Das sind Modelle ab Stange, die in zahlreichen Städten Europas fahren.»

Moser schlägt als Übergangslösung Rampen vor. Diese benutzen die TPF bereits – einige Busse verfügen sogar über automatisch ausfahrbare Rampen. «Bei Schnee gibt es aber Probleme mit diesen Rampen», sagt Beyeler. Deshalb hätten die meisten Busse Rampen, die der Busfahrer von Hand aufklappe. So können Menschen im Rollstuhl problemlos ein- und aussteigen. Aber sie sind auf Hilfe angewiesen, und der Ausstieg über die Rampe braucht mehr Zeit.

«Neigt sich der Bus, wird der Einstieg so steil, dass Rollstuhlfahrer nicht alleine hineinkommen.»

Marc Moser

Inclusion Handicap

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