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Tropische Samen für gesunde Kälber

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Elena röhrt. Die weisse Zebu-Kuh mit dem schmalen Gesicht muht nicht wie ihre europäischen Kolleginnen. Sie stösst ein tiefes Brummen aus, ihre Ohren drehen sich rasch in alle Richtungen. «Sie ist nervös, weil ich sie von ihrer Herde getrennt habe», erklärt Hans-Ruedi Lobsiger. Für den Fototermin mit der Zeitung hat Lobsiger Elena zusammen mit ihren Zwillingen Piet und Petit sowie dem Stier Pascha aus dem Stall geholt und auf eine Weide gestellt.

Stiere vermieten

Zebus stammen ursprünglich aus Indien und Kaukasien und werden heute auch in Brasilien im grossen Stil gezüchtet. Auch wer bisher noch nie von den Tieren gehört hat, hat mit grosser Wahrscheinlichkeit schon einmal ein Zebu-Produkt gegessen. Die Haut der Cervelats nämlich besteht aus Zebu-Darm. Die Tiere selbst sind in der Schweiz aber noch selten. Rund 200 Muttertiere von 30 Haltern gibt es, die meisten sind Zwergzebus von Hobbyzüchtern, wie Lobsiger sagt. Er ist schweizweit der Einzige, der die sogenannten Nelore züchtet, eine brasilianische Fleischrasse, die ungefähr so gross ist wie eine herkömmliche Milchkuh. Er hat drei Kühe und fünf Stiere. Sein Geschäftsmodell: Er vermietet die Stiere an andere Bauern aus der ganzen Schweiz, die dann ihre Fleisch- oder auch Milchkühe decken lassen.

2003 hat Lobsiger mit der Zucht angefangen. «Ich wollte angesichts des Klimawandels ausprobieren, ob das mit den Zebus hier klappt. Damals haben die Leute gelacht über mich», sagt er und grinst. «Aber in diesem Sommer haben mich viele angerufen und gefragt: ‹Hans-Ruedi, leihst du mir einen Zebu-Stier?›» Der Grund: Bei europäischen Stieren ist die Fruchtbarkeit ab 35 Grad Celsius eingeschränkt. Im heissen Sommer 2018 nahmen deshalb viele Kühe nicht auf. Zebu-Stiere hingegen haben mit der Hitze kein Problem. «Diesen Sommer lief das Geschäft wirklich gut», sagt Lobsiger. Die Kunden seien zufrieden, nach rund sechs Wochen mit einem Zebu-Stier in der Herde seien die meisten Kühe tragend. Zebus eigneten sich vor allem zur Kreuzung mit Fleischrassen – Lobsiger selbst deckt auch seine Limousin-Kühe mit Zebu-Stieren. Zebu-Kühe geben nur gerade so viel Milch, wie ihre Kälber brauchen, sie haben ein kleines Euter und eignen sich nicht als Milchlieferantinnen.

Wamme und Höcker

Ein Hautlappen am Hals, die Wamme, kühlt die Tiere im Sommer besser als ihre europäischen Verwandten. Sie vertragen aber nicht nur Hitze gut, sondern sind auch allgemein widerstandsfähiger und zäh. «Meine Zebus haben noch nie einen Tierarzt gesehen», sagt Lobsiger stolz. Die Kälber sind eher klein und haben einen schmalen Kopf, so dass es kaum Probleme bei der Geburt gibt. Probleme können sie sich auf den weiten Weiden Brasiliens auch nicht leisten, denn dort ist der Tierarzt weit weg. Kurz nach der Geburt rennen die Kälber bereits umher.

Die Tiere haben am Übergang vom Hals zum Rücken einen Höcker. Dieser besteht aus Muskeln und sei in Brasilien eine Delikatesse, wie Lobsiger sagt. Für die Tiere ist er eine wichtige Reserve, von der sie zum Beispiel in Dürrezeiten zehren können. «Haben Zebus zu wenig zu fressen, wird der Höcker kleiner. Sind sie zu fett, kippt er zur Seite.» Lobsiger zeigt auf seinen Stier Pascha: «So sollte der Höcker sein, schön gross und aufgestellt.»

Fettschicht gegen Kälte

Mit den tiefen Temperaturen in der Schweiz haben die Zebus kein Problem, versichert Lobsiger. Sie entwickelten zwar kein Winterfell wie die hiesigen Kühe, legten sich aber eine Fettschicht zu, um warm zu bleiben. Der Grund für die Widerstandsfähigkeit der Zebus liegt wohl auch darin, dass sie weniger überzüchtet sind als europäische Rassen. «Das Zebu ist das Urrind», sagt Lobsiger. Das bringt es auch mit sich, dass die Tiere im Handling etwas schwieriger sind. «Sie sind ständig auf der Hut, registrieren alles um sie herum.» Lobsiger zeigt auf Elena, die einem vorbeifahrenden Auto aufmerksam nachschaut.

Reisefreudige Stiere

Mittlerweile weiss Lobsiger aber, wie er mit den sensiblen Zebus umgehen muss. Die Stiere störe die Reiserei nicht, im Gegenteil, sie stiegen jeweils von selbst in den Transporter. Einige Jahre möchte Lobsiger noch weitermachen mit seinem Geschäftsmodell. Doch früher oder später braucht er «neues Blut», um Inzucht zu vermeiden. Der Import von Zebus oder Zebu­samen aus Brasilien in die Schweiz ist aber mittlerweile nicht mehr direkt möglich, wie das Bundesamt für Veterinärwesen bestätigt. Es wäre ein Umweg über die USA nötig. Das macht die Sache kompliziert. «Mal schauen», sagt Lobsiger, zuckt mit den Schultern und blickt nachdenklich auf seine Tiere.

Landwirtschaft

In Infrastruktur statt in neue Rassen investieren

«Zebus können eine Lösung sein für die Mutter­kuhhaltung der Zukunft, wa­rum nicht», sagt Frédéric Ménétrey, Direktor des Freiburger Bauernverbandes. «Wir sind aber nicht so weit, dass wir komplett umsteigen wollen.»

Klar ist: Der Klimawandel wird für die Bauern zur Herausforderung. Häufen sich Trockenperioden wie in diesem Jahr, werden beispielsweise Heu und Gras für die Kühe knapp und Alpbetriebe müssen per Helikopter mit Wasser versorgt werden. Die Gemüsebauern im Seeland kamen dank der Bewässerung gut über die Runden. Aber die Bewässerung kostet und macht mehr Arbeit, wie Michael Moser, Vizepräsident der Gemüseproduzenten-Vereinigung der Kantone Bern und Freiburg, sagt. «Wir sind aber im Seeland mit den drei Seen gut aufgestellt, was die Bewässerung angeht», sagt er. Neue Sorten würden im Hinblick auf den Klimawandel bisher nicht angepflanzt. Er ergänzt: «Alles Gemüse braucht Wasser.» Gemüse brauche viel Wasser, weil die Pflanzen verhältnismässig klein seien, erklärt Bauernverbands-Direktor Ménétrey. Früchte wie Äpfel, die an Bäumen wachsen, kämen besser mit Dürre zurecht, weil die Wurzeln der Bäume tiefer reichten und der Baum mehr Wasser sparen könne.

Ménétrey glaubt, dass es zunächst gelte, die bestehende Infrastruktur zu verbessern, statt auf neue Pflanzensorten oder Tierrassen umzusteigen. Das heisst konkret: Die Wasserversorgung der Alpen sicherstellen und Bewässerungsanlagen verbessern. «Das ist die effizienteste Lösung mit den Kenntnissen, die wir haben.» Die Einführung neuer Arten bedinge Know-how, das man sich zuerst aneignen müsse. «Neue Wege will ich nicht ausschliessen, aber wir Bauern müssen etwas produzieren, das konkurrenzfähig ist.»

nas

«Meine Zebus haben noch nie einen Tierarzt gesehen.»

Hans-Ruedi Lobsiger

Zebu-Züchter

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