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Über das Leben der Working Poor

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Über das Leben der Working Poor

Im Grossraum Freiburg wurde der Alltag von 200 Sozialhilfe-Abhängigen untersucht

Wie leben die Working Poor? Wie sehen die Zukunftsaussichten aus? Was muss anders werden, damit es denen besser geht, deren Einkommen unter der Armutsgrenze liegt? Stefan Kutzner, Soziologe an der Universität Freiburg, antwortet.

Mit STEFAN KUTZNER sprach
IRMGARD LEHMANN

Ihr Team hat im Grossraum Freiburg die Situation von rund 200 Working Poor untersucht. Was haben Sie herausgefunden?

Einen bedeutenden Teil der Working Poor im Grossraum Freiburg stel-
len ausländische Staatsangehörige dar: Paarhaushalte mit etwa drei
Kindern (2,7 im Durchschnitt), deren Vater voll und die Mutter teilzeit-
lich arbeitet. Das sind wider Erwarten nicht etwa kinderreiche Fami-lien.

An zweiter Stelle folgen Paare, die Probleme haben.

Es sind die Paare, die nicht voll arbeiten können, weil sie psychische Probleme haben oder aber invalid sind.

Einen beachtlichen Anteil stellen aber auch die Alleinerziehenden dar. Meistens haben sie ein bis zwei Kinder und arbeiten daher in Teilzeit (50 bis 60 Prozent). Als vierte Gruppe folgt diejenige der Alleinstehenden. Aufgrund einer Krankheit oder Scheidung fallen sie mit ihrem Einkommen unter die Armutsgrenze. Gravierende Fälle sind uns vorab aus dem Raume Basel bekannt.

Hat eine Person nach Abzug der Steuern monatlich nur noch 2100 Franken zur Verfügung, dann zählt sie zu den Working Poor. Diese Person hat also Anrecht auf Sozialhilfe (siehe Kasten). Insofern zählt quasi jeder Student zu den Working Poor?

(Schmunzelt) Bestimmt. Aber die Ausgangslage ist anders. Der Student hat frei gewählt und betreibt nur für eine beschränkte Zeit Askese. Nach seinem Studium bezieht er in der Regel ein gutes Einkommen. Anders jedoch die Working Poor. Es sind Personen im besten Lebensalter – so um die 40 – mit wenig Aussichten auf eine Veränderung. Obwohl sie arbeiten, müssen sie sehr bescheiden leben.

Ich denke, dass sich die Situation in den nächsten Jahren noch verschärfen wird. Gemäss Statistik hat die Quote der Working Poor in den letzten Jahren zugenommen. 1995 lag sie noch bei rund 5 Prozent und ein Jahr später bereits bei rund 7 Prozent.

Wo liegt der Grund?

Working Poor sind meistens im Gastgewerbe, auf dem Bau oder in der Industrie tätig. Also in Bereichen, die kaum einen Produktionszuwachs verzeichnen.

Bei den Working Poor handelt es sich also um Arbeitskräfte mit fehlender formaler Ausbildungsqualifikation oder um solche, deren Qualifikation in der Schweiz nicht anerkannt wird. Die Frauen arbeiten meist im Verkauf oder im Gastgewerbe. Sie führen schlecht bezahlte Reinigungsarbeiten aus oder arbeiten teilzeitlich im Gesundheitswesen.

Gab es Überraschungen anlässlich der Untersuchungen?

Ja. Der grosse Teil betrachtet die Abhängigkeit von der Sozialhilfe als beschämend. Diese Personen wünschen sich nichts anderes als die finanzielle Unabhängigkeit. Eine solche Einstellung hat uns sehr erstaunt. Auch waren die meisten bereit Überstunden zu machen, um die Finanzen aufzubessern.

Eine Ausnahme bilden einzig die Alleinerziehenden. Da sie familiäre Aufgaben erfüllen, erachten sie die Unterstützung als weniger problematisch.

Welchen Schluss ziehen Sie?

Den Working Poor, die Sozialhilfe beziehen, sollte unbedingt mehr Beratung angeboten werden. Denn ihre subjektive Situation muss verbessert werden.

Woran denken Sie konkret?

Uns ist eine Familie bekannt, der
mit einer psychologischen Unterstützung mehr geholfen wäre als mit Geld. Der Vater, ein junger Mann,
ist schwer depressiv. Die Frau ist
für das Einkommen voll zuständig und arbeitet in der Fabrik und als Hauswartin. Zuhause hat sie das Kind und einen depressiven Mann
zu pflegen. Eine totale Überforderung.

Wir haben ebenfalls festgestellt, dass Working Poor nichts fordern. Die psychischen Probleme werden vielmehr kaschiert.
Jeden Monat aufs Sozialamt

Für materielle Sozialhilfe setzt der Sensebezirk pro Jahr rund eine Million Franken ein. In diesen Kosten ist auch die Hilfe für Working Poor enthalten.

Letztes Jahr unterstützte der Sozialdienst Sense Mittelland zirka 40 Personen: fünf Paare (zwei Ausländer- und drei Schweizerfamilien) und sechs Alleinerziehende (fünf Schweizerinnen und eine Ausländerin) mit ihren Kindern.

Dazu zählt auch die Familie Randin* aus dem Sense-Oberland. Der Vater, ein Franzose, ist 36-jährig. Die Mutter, gleich alt, ist ebenfalls gebürtige Französin, doch in der Schweiz aufgewachsen. Das Paar hat zwei Kinder, eines acht-, das andere dreijährig. Vater Henri* arbeitet in einem Lager und bringt monatlich 3300 Franken heim. Ein Lohn, der für eine vierköpfige Familie niemals reicht.

Der Wille ist da . . .

Die monatlichen Kosten der Familie Randin – festgelegt vom Sozialdienst – belaufen sich auf 4200 Franken. Den Fehlbetrag von rund 900 Franken übernimmt der Sozialdienst. «Die Familie möchte so gerne auf eigenen Füssen stehen», sagt die Leiterin des Sozialdienstes Sense-Mittelland, Sandra Walther. Sie weiss um die Not der Familie, führt jeden Monat ein Gespräch, geht mit der Familie über die Bücher und klärt andere Erwerbsmöglichkeiten ab.

. . . doch die Chancen sind gering

Wie lebt eine Paar mit so wenig Geld? Wie erträgt es die Konfrontation mit Bessergestellten? Wie reagiert das Kind, das zur Schule geht? Der Familie gehe es so weit gut, meint Walther. Obwohl die Aussichten auf ein besseres Leben gering sind. Weder Vater noch Mutter haben einen Beruf erlernt.

Kürzlich konnten die Eltern mit ihren Kindern für zwei Wochen ins Toggenburg reisen. «Reka» hat der Familie für ein kleines Entgelt von 100 Franken die Ferien offeriert. « ist normalerweise ein Fremdwort. Auch die Freizeit darf nichts kosten.»
Und wenn Krankheit das Budget zu belasten droht? Unvorhergesehenes wie Zahnarztkosten, Autoreparaturen, dringende Neuanschaffungen ansteht? Die Sozialhilfe kommt lediglich für die medizinische Grundversorgung (Franchise) auf. «Für zusätzliche Unterstützung», so Sandra Walther, «müssen wir die Kirche, Pro Juventute oder private Spender an-fragen.»

Ob der Sozialdienst auch in Fragen der Familienplanung mitrede? «Ein äusserst heikles Thema», meint die Leiterin des Sozialdienstes. «Wenn ein Paar mehrere Kinder haben will, dann ist ihr Wille zu respektieren, auch wenn damit Mehrkosten anfallen.»

Immer mehr Alleinerziehende

Die Zukunft sieht aber auch für die 25-jährige Marlen* nicht rosig aus. Mit 19 Jahren wurde sie schwanger, hat die Lehre abgebrochen und arbeitet heute als Küchenhilfe – halbtags. Das Kind ist sechsjährig und den beiden bleiben 1500 Franken plus 400 Franken Alimentenzahlung (wird von der Alimentenbevorschussung bezahlt). Der Sozialdienst unterstützt die junge Freibur

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