Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Über kluge und schöne Köpfe an der Uni

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Professor Louis Bosshart über irreführende Medienberichte zur Miss Schweiz

Autor: Mit LOUIS BOSSHART sprach IRMGARD LEHMANN

Fast alle Medien haben verkündet, dass die neue Miss in Bern studiert. Darüber haben Sie sich sehr geärgert. Warum denn?

Es ist jetzt binnen Jahresfrist bereits das zweite Mal, dass die Schweizer Illustrierte eine prominente Person aus unserer Studentenschaft nach Bern verpflanzt. Letztes Jahr war es der allseits beliebte Tagesschausprecher Franz Fischlin. Es stand zu lesen, dass er in Bern studiert habe. In Tat und Wahrheit hat er das Diplom in Journalistik und Kommunikationswissenschaft bei uns erworben. Auf meine schriftliche Richtigstellung habe ich nicht einmal eine Eingangsbestätigung erhalten.Im Übrigen bin ich im Augenblick zusammen mit einer Studentin an einem Artikel mit folgendem Titel: «Medienprominenz: eine Win-Win-Situation?» Als Beispiel dient der jährliche Wettbewerb «Miss Schweiz». Ich bin also am Thema als solchem interessiert.Es ist zudem einmalig, dass ein Student und eine Studentin aus ein und derselben Fakultät innerhalb von ein paar Monaten Mister Schweiz undMiss Schweiz werden. Das ist bei uns im Augenblick der Fall. Und das hat aus meiner Sicht Nachrichtenwert.

Medien picken raus und verkaufen das, was sich besser in Szene setzen lässt. Im Fall der Miss Schweiz eben Kriminologie, das sie in Bern im Nebenfach belegt.

Das ist für mich sehr ärgerlich. Es handelt sich im vorliegenden Fall um eine journalistische Zuspitzung, nach dem Motto: Lieber etwas an Glaubwürdigkeit verlieren als eine gute Pointe.Die aktuelle Miss Schweiz hat uns am Montag telefonisch versichert, dass sie den Interviewer deutlich darauf aufmerksam gemacht hat, dass sie an der Universität Freiburg im Hauptfach Medien- und Kommunikationswissenschaft und im ersten Nebenfach Science Politique studiert. Kommentar des Interviewers: Kriminologie ist interessanter.

Aber ist es denn Aufgabe eines Hochschullehrers aufzuheulen, nur weil eine seiner Studentinnen fehlplatziert wird?

Mein grundsätzliches Wissensgebiet ist die öffentliche Kommunikation. Ich weiss darum auch, dass jede Person, jedes Unternehmen usw. ein spezifisches Image besitzt. Und wenn jetzt rein zufällig einmal eine erfreuliche Nachricht an die Öffentlichkeit kommt, dann darf man ruhig davon reden.Studierende wählen ihren Studienplatz nicht nur nach Massgabe der intelligenten Köpfe. Für sie ist auch die Lebensqualität am Studienort wichtig. Und wenn wir mit gutem Grund zeigen können, dass Freiburg ein «cooles» Pflaster ist, dann dürfen wir es ruhig tun. Puristen sind da anderer Meinung.Meine Herkunft aus der Unterhaltungsforschung lässt mich anders denken und handeln. Das ist unter anderem eine Frage des Marketings, das künftig an Universitäten eine zunehmend wichtige Rolle spielen wird.

Marketing auch via Unterhaltungsstoff – Sie sind ein Verfechter davon. Warum?

Meine Definition von Unterhaltung ist einfach: Unterhaltung ist fitness- relevantes Spiel. Fitness-relevante Stoffe sind etwa Liebe, Erfolg, Sicher- heit. Diese Themen setzen sich in der Boulevardpresse als Sex, Affären, Skandale, Katastrophen und Verbrechen ab. Unterhaltung ist das wichtigste Motiv der Mediennutzung.

Seit Dienstag wissen wir, dass der Blick mit täglich 715 000 Leserinnen und Lesern bei den bezahlten Tageszeitungen weiterhin an erster Stelle steht. Ihre Erklärung?

«Blick» nimmt genau jene Unterhaltungsstoffe auf, die ich angesprochen habe. Er ist in hohem Masse alltagsnah und volkstümlich. Er nimmt Anliegen auf, sobald sie auf den Fingern brennen. Der «Blick»-Chefredaktor, Werner De Schepper, ist im Übrigen wie Franz Fischlin ein ehemaliger Student von mir. Er hat im Nebenfach «Journalistik und Kommunikationswissenschaft» belegt.

Gibt es Ihrer Meinung nach einen Unterschied zwischen einer Boulevardzeitung und einem Lokalblatt wie die FN etwa?

Die FN arbeiten in einer anderen Nische, nämlich im Lokaljournalismus. Hier werden andere Werte gepflegt.Lokaljournalismus nimmt jene Themen auf, die im Lebensnahbereich der Leserschaft sich ereignen und von jedem Einzelnen überprüfbar sind. So gesehen ist Lokaljournalismus eine Mischung zwischen ernsthaftem politischem Journalismus und spielerischem Boulevard. Dass in den FN Lokalthemen auf der Frontseite stehen, ist ein Gütezeichen.

Laut Studie sind die Leserzahlen der Tageszeitungen stabil geblieben, Hat Sie das überrascht?

Die Resultate haben mich gefreut. Es hat sich gezeigt, dass noch immer gelesen wird. Die Jungen sind noch nicht untreu geworden. Sie schätzen einfach einen anderen, neuen, kürzeren Stil. Das erklärt den Erfolg der Gratis-Pendlerzeitungen.Im Übrigen hat eine ganz andere Untersuchung gezeigt, dass in der Schweiz Menschen mit einer Grundschulbildung besser über politische Themen informiert sind als Hochschulabgänger in Kalifornien.

Gratiszeitungen: Sind sie wirklich die grosse Gefahr – längerfristig vielleicht?

Sie sind sicher eine Konkurrenz. Da sie jedoch ein sehr heterogenes Publikum aus einem relativ grossen Einzugsbereich erreichen müssen, lassen sie dennoch einigen Raum für die traditionellen Zeitungsanbieter.

Mehr zum Thema