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Ungarn-Schweizer erinnern sich

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Ungarn-Schweizer erinnern sich

Auch in Freiburg finden aus Anlass des 50. Jahrestages der ungarischen Revolution Gedenkanlässe statt

Nach dem Volksaufstand vor 50 Jahren kamen zahlreiche Ungarn in die Schweiz und wurden hier sesshaft. Auch in Freiburg fanden Lehrerinnen, Kaufleute, Ärzte, Sportler oder Künstler eine neue Heimat. Die FN haben mit zweien von ihnen gesprochen.

Autor: Von ELISABETH SCHWAB-SALZMANN

Der Volksaufstand in Ungarn im Herbst 1956 wurde von der Sowjet-Armee brutal niedergeschlagen. Rund 200 000 Menschen flüchteten daraufhin aus dem Land. 12 000 von ihnen fanden in der Schweiz Asyl, viele auch im Kanton Freiburg.Louis Bischof aus Muntelier ist Ehrenpräsident der Vereinigung Helvetia-Hungaria und der Stiftung Politeion, einer Hilfsorganisation für ungarische Bedürftige. Er lebte mit seinen Eltern viele Jahre in Ungarn und kennt die Not vieler Menschen auf dem Land. «Wir organisieren von Murten aus mehrere Hilfslieferungen pro Jahr, mit denen gebrauchte Möbel und Kleider zu den Menschen gebracht werden.» Mit der letzten Lieferung werden zum Beispiel gebrauchte Schulpulte aus den Primarschulen von Murten und Cressier nach Ungarn gefahren. «Auch heute herrscht wieder bei vielen Menschen in Ungarn grosse Not, das Land ist bankrott, und die Hilfe ist dringend nötig», sagte Bischof gegenüber den Freiburger Nachrichten.Trägervereine der Gesellschaft Helvetia-Hungaria und ein Organisationskomitee haben in zahlreichen Schweizer Städten Gedenkanlässe organisiert, um an die Niederschlagung des Volksaufstandes vor 50 Jahren zu erinnern. In Freiburg finden ein Konzert und eine Fotoausstellung statt (siehe Text unten). Die Ungarn-Flüchtlinge Julie Krähenbühl-Kovacs und Janos Nemeshazy, die in Freiburg eine neue Heimat gefunden haben, haben aus Anlass des Jahrestages mit den FN gesprochen.

«Was feiern wir eigentlich?»

«Dieses Land hat mir alles gegeben, meine Heimat ist hier in der Schweiz», sagt Julie Krähenbühl-Kovacs und blickt aus dem Fenster ihres Wohnzimmers im 13. Stock des Charmettes-Hochhauses in Freiburg. Auch wenn die Wahl-Schweizerin heute in komfortablen Verhältnissen lebt, erinnert sie sich genau an die Zeit, als sie mit ihrem ersten Mann und dem eineinhalbjährigen Sohn Kalman in der Schweiz ankam. «Wir erlebten schlimme Zeiten, mein Mann und ich: Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, die Verfolgung der Intellektuellen und dann die Revolution, die in Chaos und Repression endete, schliesslich Gefängnisaufenthalte, bis wir plötzlich frei gelassen wurden. Da entschlossen wir uns, Ungarn zu verlassen.»

«Orangen, aber nicht die Freiheit»

Die Rotkreuz-Mitarbeiter boten der jungen Familie in der Auffangstelle in Merligen am Thunersee an, nach Freiburg zu kommen, wo es Arbeit in der Giesserei gab. Julie war gelernte Kindergärtnerin und scheute sich anfangs nicht, bei Privaten und nachts am Bahnhof Freiburg zu putzen. Später war sie Verkäuferin in Boutiquen. Sie erinnert sich: «Wir wussten am Anfang nicht einmal, dass man hier Französisch spricht. In Ungarn lernten wir einigermassen Deutsch, und so mussten wir erneut umlernen.»In der Schweiz gebar Julie bald darauf eine Tochter, Kathrin-Carmen. Was empfindet die Mutter und Grossmutter, wenn in Schweizer Städten Gedenkfeiern zum Volksaufstand veranstaltet werden? «Ich frage mich, was wir eigentlich feiern. Der Volksaufstand wurde blutig niedergeschlagen, viele Menschen getötet oder verletzt. Es gab wohl oberflächliche Verbesserungen, aber keine wirklichen Fortschritte. Man gab uns Orangen und Schokolade, aber nicht die Freiheit.»Als Staatenlose kam die Familie über die Grenze und erlangte danach das Schweizer Bürgerrecht. Viel später hätte sie den ungarischen Pass beantragen können, den wollte sie aber nicht mehr. Nach dem Tod ihres ersten Gatten heiratete Julie erneut. Ihr zweiter Mann ist vor einigen Jahren an Alzheimer erkrankt und gestorben. Julie Krähenbühl-Kovacs sieht lieber in die Zukunft als in die Vergangenheit. Ihre Kinder und Enkelkinder und der Freundeskreis verlangen ihre Aufmerksamkeit. Mit Freundinnen Musik hören und zusammen ein ungarisches Menü zubereiten, das liebt die unternehmungslustige Frau.

«In einem anderen Land neu anfangen»

Drei Jahre jung war Janos Nemeshazy, als er mit seinen Eltern und dem zwei Jahre älteren Bruder aus Ungarn über Österreich in die Schweiz kam. Heute, 50 Jahre später, richtet er einen nachdenklichen Blick zurück auf die Ereignisse: «Ich war natürlich viel zu klein damals, um genau zu erfassen, weshalb wir aus Ungarn weggezogen waren. Meine Eltern waren politisch nicht aktiv, wollten aber mit uns Kindern nicht im damaligen politischen System weiterleben, sondern in einem anderen Land neu anfangen.» Australien und Kanada waren im Gespräch, aus einem Zufall blieb die Familie in der Schweiz, wohl auch deshalb, weil Vater Nemeshazy sofort Arbeit in der Kondensatoren-Fabrik gefunden hatte. Die Kinder gingen ins Botzet-Schulhaus und wuchsen mit ihren Kameraden im Perolles-Quartier auf.Die ersten Monate der Eingewöhnung waren hart: «Mein Vater hörte jeden Abend Radio Free Europe, und meine Mutter vermisste die Kontakte zum Bekannten- und Familienkreis, den wir an unserem Wohnort, dem Stadtteil Pest, hatten.» Es fehlte der riesige Verwandtenkreis mit den acht Geschwistern des Vaters.«Mein Bruder und ich hatten immer schon allerlei Sport betrieben, so fanden wir problemlos Anschluss. Sport ist überhaupt eine der Möglichkeiten, um im Leben weiterzukommen», sagt der ehemalige Schweizer-Meister im Gewichtheben. Auch sein Sohn Janos Junior ist Schweizer-Meister im Gewichtheben, er hat dazu eine Sport-Lizenz in einem Budapester Club. Nemeshazys Tochter machte ebenfalls Erfahrungen in diesem Sport, wendete sich aber dann dem Reitsport zu.

Vorankommen dank Musik und Sport

«Wichtig im Gewichtheben ist vor allem eine gute Technik, die Kraft kommt erst an zweiter Stelle», weiss der Fachmann, der sich eine medizinische Consulting-Firma aufgebaut hat. Junge, die in Ungarn musikalisch oder sportlich interessiert seien, würden immer noch stark gefördert, erklärt Janos. Noch heute sei dies eine gute Möglichkeit in Ungarn, um vorwärtszukommen. Hier in der Schweiz habe man eine andere Mentalität, Sport sei oft eher eine Nebensache.1969 erhielt Janos Nemeshazy den Schweizer Pass, später beantragte er auch wieder die ungarische Staatsbürgerschaft. «Ich reise oft nach Ungarn, auch weil ich mit Verwandten noch Geschäftsverbindungen habe. Ich bin ein polyglotter Mensch und kann mich in verschiedenen Sprachen ausdrücken. In der Schweiz fühle ich mich aber durch und durch verwurzelt, meine Frau ist von hier und meine Kinder sind hier aufgewachsen.»

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