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Unterhaltsame Zeitreise in die 1950er-Jahre

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Um es gleich vorwegzunehmen: Wer das neue Freilichtspiel des Theatervereins Hintercher gesehen hat, ist irgendwie froh, dass die 1950er-Jahre vorüber sind. Der Titel «Hörti Zytte» ist nicht zufällig gewählt; das Leben der meisten Sensler war hart damals: Viele kinderreiche Familien am Existenzminimum, ein von Handarbeit geprägter Alltag, wenig Verdienstmöglichkeiten ausserhalb der Landwirtschaft, eine Kirche mit grosser weltlicher Macht und durch die eingeschränkte Mobilität ein enges, sehr enges Weltbild.

Diesen Zeitgeist unterhaltsam auf die Bühne zu bringen, ist ein Kunststück. Und angesichts der ernsten Aspekte müsste es eigentlich ein Drama sein. Mark Kessler hat – unterstützt von Christian Schmutz – als Textbuchautor und Regisseur den schwierigen Balanceakt geschafft, auch komischen Elementen Platz zu geben. Sie rahmen die Geschehnisse ein und tragen zu vielen emotionalen Momenten bei.

Sünder und Sozialdemokraten

Mit dem Gruss «Gelobt sei Jesus Christus» und der Antwort «In Ewigkeit Amen», einem Dialog, der in den ersten Minuten des Stücks dutzendweise fällt, ist klar, wer in der damaligen Zeit kirchliche und moralische Instanz war: der Dorfpfarrer. Ob sündige Kontakte zu Reformierten, Verführungen aus der Stadt oder der Einfluss der Sozialisten: Alles Neue verurteilt er direkt oder sonntags von der Kanzel als Teufelszeug. «Es ist unmöglich, ein überzeugter Christ und ein Sozialdemokrat zu sein!»

Eine zentrale Figur der Geschichte ist Hedwig Brülhart, eine alleinerziehende Mutter mit vier Töchtern und einem Sohn. Neben der harten Arbeit auf dem Hof kostet sie das Zusammenhalten der Familie viel Kraft: Die eine Tochter bändelt ausgerechnet mit einem reformierten Jungen an, die andere mit einem «Studierten» – die damals ins Bauernkreisen auch nicht gerade den besten Ruf hatten. Der Sohn der Familie, der den Hof übernehmen soll, ist ein kluger Kopf und «einer, der nach Freiburg sollte», wie der Lehrer meint.

«Chrüpple ù fouge»

Das Freilichtspiel ist nicht als kompakte Geschichte konzipiert, sondern durch untereinander verbundene Szenen, die durch den Zeitgeist zusammengehalten werden. Da sind die sportbegeisterten Jungen, die sich einen Fussballplatz wünschen. Und als Gegenpol die alteingesessenen Gemeinderäte, die kein Verständnis dafür haben, weil sie es selbst nicht anders erlebt haben. «Zù üsne Zytte hettes nùme iis ggää: Chrüpple ù fouge, süsch hettis a paar Chläpf a Grinn ggää, oder ma het no ùf e Ranze bechoo», sagt etwa Gemeinderat Brügger.

Hier geht’s zur grossen Bildergalerie.

Da sind Bauernfamilien, die mehr schlecht als recht über die Runden kommen und solche, die es gar nicht schaffen. Die Problematik der Verdingkinder wird zum Thema. Aber auch die Versuche, mit illegalen Schnapsbrennereien das Einkommen aufzubessern. Und in fast jeder Szene blitzt er auf: Der Drang, vor allem von den Jungen, sich aus dem engen Korsett herauszuwinden – ohne dabei genau zu wissen, wohin der Weg führen könnte. «Hörti Zytte» ist aber auch ein Stück über starke Frauen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und sich nicht auf (schwache) Männer verlassen – auch wenn sie zu der Zeit noch gar kein Stimmrecht haben.

Auf den Leib geschrieben

Ein grosses Kompliment gebührt der Rollenverteilung. Da ein Grossteil des Ensembles bereits beim Hintercher- und beim Falli-Hölli-Theater mitgewirkt hat, konnten den Spielern die Figuren auf den Leib geschrieben werden. Das gilt im Speziellen für die Rolle des Korbers, der Hebamme, des Pfarrers, der Bäuerin oder auch des Käsers. Nicht weniger als 30 Darsteller stehen auf der Bühne. Nimmt man die Kinder der Schulklasse und die Musiker dazu, sind es über 50.

Von den früheren Freilichtspielen bereits bekannt sind die Erzähler: Sie verbinden die Szenen, liefern den geschichtlichen Kontext und formulieren ungesagte Details aus. Martin Catillaz und Anja Schneuwly, deren Vorfahren einst auf dem Hof gelebt haben, der die Kulisse für das Stück bildet, haben dies an der Vorpremiere vom Dienstag locker geschafft, ohne belehrend zu wirken. Witzig sind die Anspielungen auf aktuelle Ereignisse.

Auch der dritte Teil der Sensler Saga ist mit Herzblut und Leidenschaft umgesetzt worden. Selbst den jungen Spielern nimmt man ab, dass sie sich in das damalige Jahrzehnt zurückversetzen können. Das Stück dauert mit Pause 160 Minuten, ist aber kurzweilig, weil man wissen will, was mit den Figuren passiert. Einziger dicker Wermutstropfen für alle, die bis zum Schluss dieses Berichts gelesen haben und das Stück nun vielleicht schauen gehen möchten: Alle 5100 Plätze der 16 Aufführungen sind leider restlos ausverkauft.

Zahlen und Fakten

Ein bewährtes Team ist am Werk

Vor der Kulisse eines alten Hofs und eines Stöcklis in Friseneit (Gemeinde Bösingen, Pfarrei Schmitten) hat der Theater­verein Hintercher eine perfekte Freilichtkulisse geschaffen. «Hörti Zytte» ist nach «D’Hintercher-Banda» (2009-2011) und «Falli-Hölli» (2013, 2014) der dritte und letzte Teil der sogenannten Sensler Saga. Durch die Anordnung der Tribüne mit 318 Plätzen ist der Zuschauer mitten im Geschehen. Einziger kleiner Kritikpunkt: die relativ grosse Distanz von den Rängen zu den Szenen in der Gastwirtschaft. Ein 20-köpfiges Organisationsteam unter der Leitung von Mark Kessler sorgt für das gute Gelingen hinter den Kulissen. Das Stück, das heute Abend Premiere feiert, wird bis Mitte Juli 16 Mal aufgeführt.

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