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Verhaltene Sehnsucht

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Liederabend mit Michel Brodard

Michel Brodard im Freiburger Raum vorzustellen, hiesse, Eulen nach Athen tragen. Seit Jahrzehnten prägt der sympathisch bescheidene Greyerzer das Konzertleben der Stadt mit; er hat zahlreiche Engagements im Inland und Ausland und ist bekannt für seine profunden musikalischen Auseinandersetzungen. Mit dem Freiburger Jean-Claude Charrez hat er schon des öfteren musiziert. Unter anderem haben beide eine bemerkenswerte CD mit Liedern Oskar Morets in Patois herausgebracht. So fand sich auch ein recht grosser Freundeskreis in der Aula der Universität ein, um einen der immer seltener werdenden Liederabende zu erleben. Diese Kunstgattung, die, so beklagen Interpreten und Veranstalter, zum Wesentlichsten, Schwersten und Persönlichsten in der klassischen Musik zählt.

Wie schwer es ist, Lieder mit ganzer Persönlichkeit herüberzubringen, hat das Rezital gezeigt. Brodard besitzt eine kultiviert geführte Stimme mit schönem Timbre. Vom Blatt singend, gelang es ihm aber erst nach und nach, suggestive Konzentration und losgelöste Stimmenseligkeit zu vermitteln. Hat ihm dabei auch die wankelmütige Akustik der Aula einen Streich gespielt? Der Klang schien auf der Bühne stehen zu bleiben, die unmittelbare Begegnung hatte es schwer.
Mit Beethovens Liederkreis «An die ferne Geliebte» anzufangen, heisst, sofort die ganze Palette von schlichter Verzauberung, freudigem Sehnen und euphorischer Hoffnung auszubreiten. Brodard begann nachdenklich verhalten, wie aus der Erinnerung erzählend. Er war keiner, der drängte und übersteigerte, keiner, der litt und jubelte. Charrez gab dem gespannten Impetus in gefälligem Spiel auch nicht Raum.
Natur und Liebe bestimmten die neun Gedichte Verlaines, die Fauré im Zyklus «La bonne Chanson» zusammengefasst hat. Es waren schwebende, schwärmerische Momente, ausgedrückt in fremdartigen, kühnen, doch sanften Harmonien. Die Klavierstimme malte mit grosszügigen Arpeggien und feinen Tupfern den stimmungsvollen Untergrund der poetischen Gebilde. Brodard gewann den subtilen Modulationen viel Feingefühl ab.
Die wenigen Lieder von Duparc sind ein Geheimtipp. Es sind Lieder von vollkommener lyrischer Schönheit. Bei ihnen fanden die Interpreten zu ausdrucksvoller, gelöster Spontaneität. Wie sie in «Phidylé» die schöne, schlichte Melodie zum feierlichen Hymnus steigerten, hatte grosse Wirkung. Ein rhythmisches Kabinettstück war «Le manoir de Rosamonde», in dem Brodard seine dramatische Begabung zeigen konnte. Ruhig, mit weiten Schritten, erschloss er «La vie antérieure», die Vision eines gelebten Lebens, zum feierlichen Höhepunkt hin, und das Klavier setzte ein langes, ernstes Nachspiel.

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