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«Vertrauen des Volkes war motivierend»

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«Vertrauen des Volkes war motivierend»

Alt Staatsrat Michel Pittet zieht Bilanz seiner 15 Jahre Regierungstätigkeit

Die Freiburger Wirtschaft ist in den vergangenen 15 Jahren vielfältiger und internationaler geworden. Sie steht heute auf starken, zukunftsträchtigen Pfeilern. Dies stellt der scheidende Volkswirtschaftsdirektor Michel Pittet mit Genugtuung fest. Er ist überzeugt, dass die Strategie richtig war, der Einsatz aber nicht nachlassen dürfe.

Autor: Mit MICHEL PITTET sprach WALTER BUCHS

Wie steht der Kanton Freiburg im Jahr 2006 wirtschaftlich da im Vergleich zum Beginn der 90er Jahre?

Die Konzentration von leitenden Tätigkeiten von Banken, Versicherungen und Beratungsbüros auf vier bis fünf Pole im Land in der zweiten Hälfte der 90er Jahre hat sich für den Kanton Freiburg nachteilig ausgewirkt. Um diese Globalisierungseffekte zu kompensieren, haben wir uns neue Instrumente gegeben (Gesetz über die Wirtschaftsförderung, Risiko-Kapital-Gesellschaft usw.). Die Wirtschaftsförderung erhielt mehr Mittel, um offensiver zu werden (Schaffung einer Aussenstelle zur Standortwerbung in angelsächsischen Ländern).So konnte der Kanton international renommierte Firmen gewinnen wie Quebecor, Vitro, Atmel, Tupperware, Actuate, Verisign, Bulova, Numico, usw. Bedeutsame Industrien haben sich bei uns angesiedelt wie Comet, das Michelin Forschungs- und Entwicklungszentrum, UCB Farchim, Autajon, usw.). Die Freiburger Industrie wurde damit mit zahlreichen Hochtechnologie-Firmen bereichert.

Worauf führen Sie diese Entwicklung hauptsächlich zurück?

Der beispielhafte Zusammenhalt des Staatsrates und seine Wirtschaftsfreundlichkeit waren für die Volkswirtschaftsdirektion entscheidende Trümpfe. Unterstützt wurde dies durch die starke und motivierte Belegschaft der Wirtschaftsförderung sowie die Dynamik aller Akteure der Freiburger Wirtschaft: Kantonalbank, Groupe E, Wirtschaftsverbände, Unternehmen, Zentrumsgemeinden und Kantonsverwaltung.Alle staatlichen und privaten Akteure handeln Hand in Hand. Sie sind gemeinsam in das staatliche Förderungskonzept eingebunden. Ein wichtiger Aspekt der Strategie der Freiburger Wirtschaftsentwicklung besteht zudem darin, dass sich die Fördermassnahmen zugunsten bestehender Unternehmen und im Hinblick auf Neuansiedlungen ausländischer Firmen optimal ergänzen.

Welche Ergebnisse können Sie nun heute vorweisen?

Wenn man die vergangenen 15 Jahre betrachtet, gehört Freiburg zum Spitzen-Quartett jener Kantone, die prozentual am meisten Arbeitsplätze geschaffen haben. Gleichzeitig verzeichnen wir die grösste Bevölkerungszunahme aller Kantone.Dabei die Arbeitslosigkeit tief zu halten, war eine grosse Herausforderung. Das haben wir geschafft. Freiburg war immer jener Westschweizer Kanton mit der tiefsten Arbeitslosenrate, die seit über zehn Jahren auch unter dem Schweizer Mittel liegt.Im Vergleich zum landesweiten Wert hat sich der Exportanteil praktisch verdoppelt, von 1,9 Prozent im Jahr 1985 auf 3,4 Prozent 2005. Die Freiburger Exporte übertreffen 2006 erstmals die 6-Milliarden-Marke.

Welches ist die grösste Befriedigung, die Sie als Staatsrat erlebt haben?

Es ist schwierig, eine Rangliste aufzustellen. Besonders schöne Momente waren die Ansiedlungen von Postfinance (Bulle), SBB Cargo (Freiburg), Comet (Wünnewil-Flamatt), Farchim (Bulle), Autajon (Châtel-St-Denis). Diese mussten besonders hart erkämpft werden und stellen insgesamt über 1000 Arbeitsplätze dar. Momente der Freude waren auch Volksentscheide wie die Umwandlung der FEW in eine AG und der Bau der neuen Lehrwerkstätte.

Welches ist die grösste Enttäuschung?

Ich denke da an das zweite Semester 1996. In diesem düsteren Zeitabschnitt erfolgte die Schliessung von Novartis in Marly, wurde die Schliessung der Brauerei Cardinal angekündigt, verbunden mit dem Abzug von Kaderstellen bei Banken und Versicherungen.In diesem Wahljahr hat das Freiburger Stimmvolk verstanden, dass ich mich voll dafür eingesetzt habe, dass Entscheide zurückgenommen oder kompensiert werden. Ich wurde im ersten Wahlgang wiedergewählt. Dieser Vertrauensbeweis hat mich ungemein motiviert.

Hatten Sie eigentlich nie Lust, das Departement zu wechseln?

Ich war mehr vom Willen beseelt, einen Beitrag zur Entwicklung des Kantons zu leisten als von der politischen Arbeit im engeren Sinne. Deshalb lag mir die Leitung der Volkswirtschaftsdirektion besonders am Herzen.Bei einem Direktionswechsel wäre für den Kanton ein nationales und internationales Beziehungsnetz verloren gegangen, das ich während Jahrzehnten aufgebaut habe. Dieses Netz ist so wichtig, dass ich vorletzte Woche am Tag der Vereidigung des neuen Staatsrates mit dem Direktor der Wirtschaftsförderung nach Brüssel gefahren bin. Wir haben dabei Gespräche geführt mit dem CEO einer grossen Industriegruppe im Hinblick auf eine Ansiedlung im Kanton.

Sie standen jetzt rund 20 Jahre im Rampenlicht. Werden Sie das vermissen?

Ich bin eher ein bescheidener und diskreter Mensch. Im Rampenlicht zu stehen, war für mich mehr eine Herausforderung denn eine Befriedigung. Ins Glied zurückzutreten, wird mir gar kein Kopfzerbrechen verursachen.Bilder: Aldo und Charles Ellena, Christophe Bosset, Vincent Murith, Mélanie Rouiller

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