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Vom Bäckerlehrling zum Schuldirektor

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Der Werdegang von Rolf Wehren könnte kaum ungewöhnlicher sein: Der 51-Jährige begann mit einer Lehre zum Bäcker/Konditor und ist seit dem 1. Dezember 2017 Direktor der Gewerblichen und Industriellen Berufsfachschule (GIBS) Freiburg.

Herausforderungen vor sich

«Es ist sicher eher selten, dass ein Handwerker zum Schuldirektor wird», räumt er im Gespräch ein. «Ich bin aber nicht der Erste an der GIBS mit so einer Karriere.» Er sei jedenfalls mit seinem neuen Amt sehr zufrieden, auch wenn in Sachen Digitalisierung im Unterricht und Infrastruktur in den nächsten Jahren noch einige Herausforderungen auf die Schule zukommen würden.

Grosse Unterstützung erhalte er von seinem BBA-Dienstchef beim Kanton, Christophe Nydegger, sowie von Volkswirtschaftsdirektor Olivier Curty (CVP), dem er letztlich unterstellt ist.

«Auf Augenhöhe»

«Ich stelle an meinem Werdegang vor allem das Bereichernde in den Vordergrund», so Wehren. «Der Kontakt mit den Lehrlingen und Lehrmeistern kann auf Augenhöhe erfolgen, da ich selbst einmal Lehrling war und die Probleme in Berufslehren selbst gut kenne.

Grundsätzlich glaubt er freilich, dass es für die jungen Menschen heutzutage eher schwieriger ist als zu seiner Zeit. «Alles geht viel schneller, mit den ganzen Smart Phones und sozialen Netzwerken», sagt er. «Dabei kommt in der Lehre ohnehin so viel Neues auf die Lehrlinge zu.» Als er Lehrling gewesen sei, da habe es in seinem Leben lediglich die Lehre, die Freundschaften und den Sport gegeben. Heute komme es hingegen schon fast zu einer Reizüberflutung. Es sei symptomatisch, dass sich viele Lehrlinge nach festen Rastern sehnen würden und es etwa gar nicht schätzten, wenn ihre Berufsschullehrer oder ihre Lehrmeister zu wenig «streng» mit ihnen seien.

Praktisch in die Wiege gelegt

Aussergewöhnlich ist Wehrens Werdegang auch in sprachlicher Hinsicht. Seine Muttersprache ist Deutsch. Er ist auf Französisch eingeschult worden, absolvierte danach aber sowohl das zehnte Schuljahr als auch die Lehre und die Meisterprüfung auf Deutsch. Die Berufsmatura und die pä­dagogische Ausbildung waren aber wieder auf Französisch. «Das hat den Vorteil, dass ich beide Fachsprachen, die zum Unterricht in einer zweisprachigen Schule nötig sind, kenne – was eher selten ist», sagt Wehren dazu.

Der Bäckerberuf ist ihm schon fast in die Wiege gelegt worden. Sein Götti führte die Bäckerei Wehren im bernischen Schönried. Schon als Kind stand er in den Ferien dort in der Backstube, und im Alter von zwölf Jahren war ihm klar, dass er Bäcker werden wollte. So hat er bei seinem Götti die Lehre als Bäcker/Konditor gemacht. Nach der Rekrutenschule und einem Jahr im Welschland folgte die Meisterprüfung, worauf er bei seinem Götti die Leitung der Backstube übernahm.

Durch seine frühe Heirat verschlug es den Berner dann aber ins Greyerzerland, nach Echarlens. Der tägliche Arbeitsweg ins Berner Oberland wurde ihm irgendwann zu viel.

Lehrer aus ganzem Herzen

«Schon damals lag mir die Weiterbildung sehr am Herzen», erinnert sich der GIBS-Direktor. «Es ist etwas vom Schönsten, wenn man seinen Beruf jungen Menschen weitergeben darf.» So wurde er unter anderem Prüfungsexperte und Leiter von überbetrieblichen Kursen.

Im Jahr 1995 hat Wehren an der GIBS als Berufsschullehrer begonnen, zunächst mit einem Teilpensum von 30 bis 40 Prozent. Da er daneben aber noch zu 90 Prozent Produktionsleiter in Bulle war und eine junge Familie hatte, war all dies nicht mehr machbar. Daher war er ab 1999 zu 100 Prozent als Berufsschullehrer tätig. Er hat eine zweijährige Weiterbildung zum Berufsfachschullehrer im Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung in Renens absolviert.

Kontakt zur Basis

2014 wurde an der GIBS dann einer von sieben Posten als Vorsteher (Prorektor) frei, und zwar für die Sektion C, der alle Lebensmittel- und Holzberufe mit insgesamt rund 800 Schülern unterstellt sind. Wehren packte auch diese Herausforderung und machte nebenher noch ein CAS-Zertifikat in Schulmanagement. Während dieser Zeit widmete er noch etwa einen Viertel seiner Arbeitszeit dem Unterrichten. «Das ist sehr wichtig, damit man als Vorsteher nicht den Kontakt zur Basis verliert», bemerkt Wehren dazu. Seit er Direktor ist, unterrichtet er aber nicht mehr selber.

Seinen Karriereschritt hat er unter anderem der Tatsache zu verdanken, dass seine Vorgängerin Sylvie Schopper ein Kind bekam und er sie daher zunächst einmal während ihres verlängerten Mutterschaftsurlaubs ab Mitte August 2017 vertreten durfte. Als sich Schopper dann ganz für ihre Familie entschied, wurde die Stelle als Direktor ausgeschrieben.

Mit den Kindern ins Bett

Hatte er sich nie als Bäcker selbständig machen wollen? «Diese Frage stand tatsächlich einmal im Raum, kurz bevor ich Berufsschullehrer wurde», antwortet Wehren. «Aber meine damalige Frau hatte eine gute Stelle, und es wäre für sie in diesem neuen Umfeld wohl sehr schwierig geworden.» Und man könne keine Bäckerei eröffnen, wenn die Partnerin nicht zu 100 Prozent hinter einem stehe.

Stattdessen hat er nun einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Und auch sein Alltag hat sich entsprechend verändert. Als er noch in der Backstube arbeitete, musste er täglich zwischen Mitternacht und zwei Uhr aufstehen. «Das war schon streng», gibt er zu. «Auf der andere Seite hat der Bäcker durchaus regelmässige Arbeitszeiten und kann sich den Tag besser einteilen als zum Beispiel ein Koch, der von morgens bis abends beschäftigt ist. Natürlich braucht man genug Schlaf. Aber man hat ja noch die Nachmittage, da kann man Ski fahren, schwimmen gehen oder Einkäufe erledigen, was ich als junger Mann sehr schätzte.»

Was den familiären Alltag betrifft, habe sein Tagesablauf eigentlich nie ein Problem dargestellt, vor allem, als die Kinder noch klein gewesen seien. «Am Nachmittag konnte ich für sie da sein, und am Abend ging ich zur gleichen Zeit wie sie ins Bett», bemerkt er dazu.

Die Schwinger-Karriere

Was das Sozialleben betreffe, müsse man eben zu Kompromissen bereit sein. Was in seinem Fall aber gar kein Prob­lem darstellte. Im Gegenteil: Parallel zum Bäckerberuf und der Familiengründung hat er noch eine sportliche Karriere gemacht: als Schwinger. In seinen grossen Jahren, zwischen 1986 und 1995, hat er neben der Arbeit noch 12 bis 14 Stunden pro Woche trainiert. 1995 wurde er eidgenössischer Kranzschwinger in Chur, 1989 gewann er das Berg-Schwingfest auf dem Brünig. Weitere Erfolge in seinem Palmarès sind Siege beim Westschweizer, Freiburgischen, Walliser, Waadtländischen und Schlussgänge wie in Schwarzsee oder am Nordostschweizerischen. Insgesamt gewann er 65 Kränze.

Allerdings beendete Wehren seine Schwinger-Karriere relativ früh, im Jahr 1995, als er als Berufsfachschullehrer anfing. «Bäcker, Lehrer, Schwinger und Familienvater – das wäre wohl nicht machbar gewesen», so Wehren. Der Vorteil: Er sei «top zwäg» und habe keine Probleme mit dem Rücken oder den Knien.

Keine Zeit für Wehmut

Als Schuldirektor steht Wehren weder in der Backstube noch als Lehrer vor einer Klasse. Von Wehmut spürt er aber nichts. «Gegenwärtig habe ich noch keine Zeit dazu, das zu vermissen», bemerkt er dazu. «Ausserdem unterrichte ich ja immer noch einige Tagen ­Betriebswirtschaft für Kandidaten für die Berufsprüfung im Bäcker-Confiseur-Kompetenzzentrum Richemont in ­Luzern.»

Er habe es im Leben stets ­geschätzt, eine neue Herausforderung anzupacken, wenn sich im bisherigen Tätigkeitsfeld die Routine eingeschlichen habe. «Ausserdem bildet die GIBS ja seit langem den roten Faden in meinem Leben», so Wehren. «Jetzt vertrete ich die Schule einfach vermehrt gegen aus­sen.»

Bäcker-Virus in der Familie

Auch das Backen hat der GIBS-Direktor nicht ganz aufgegeben. «Meine Frau würde sich zwar wünschen, dass ich zu Hause noch mehr backe», schmunzelt er. Aber dazu reiche die Zeit schlicht nicht. Er tue es aber schon noch regelmässig: wenn etwa die Weihnachtsguetzli anstünden oder die Cuchaules vor der Bénichon. «Ich mache auch immer noch gerne selbst ein gutes Brot, und das wird hoffentlich auch in Zukunft so bleiben», sagt er.

Der Bäcker-Virus bleibt jedenfalls in der Familie. Denn auch sein ältester Sohn, Ju­lien, hat eine Bäckerlehre absolviert.

«Meine Frau würde sich wünschen, dass ich zu Hause noch mehr backe.»

«Alles geht viel schneller, mit den ganzen Smart Phones und sozialen Netzwerken.»

Zur Person

Er ist auch als Tauchlehrer tätig

Der 51-jährige Rolf Wehren ist Direktor der Gewerblichen und Industriellen Berufsschule Freiburg, an der 3700 Lernende von 31 Lehrern in 47 handwerklichen Berufen auf Französisch und in 25 Berufen auf Deutsch unterrichtet werden. Etwa 25 Prozent der Lernenden sind junge Frauen. Wehren wohnt in Corpataux. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern im Alter von 35, 28 und 12 Jahren. Zu seinen Hobbys gehört das Tauchen. Er ist auch als Tauchlehrer tätig. Ausserdem geht er gerne ins Kino, liest ein gutes Buch oder ist einfach gerne mit seiner Familie zusammen.

jcg

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