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Von der Küche direkt auf den Brandplatz

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Es war kurz vor Mitternacht des 3. August 1970, wie heute so auch damals ein Montag, als eine Bewohnerin der Kreuzgasse in Murten beobachtete, dass sich ein jüngerer Bursche beim Feuerwehrmagazin, das dem heutigen Kino seinen Namen gab, am Schlüsselkasten zu schaffen machte. Sie überlegte kurz, meldete ihre Beobachtung dann dem Murtner Feuerwehrkommandanten. Dieser stellte fest, dass tatsächlich zwei Schlüssel fehlten.

Die Aufmerksamkeit der Stedtlibewohnerin führte dazu, eine Brandserie aufzuklären, die vor genau 50  Jahren die Bevölkerung im Murtenbiet in grosse Aufregung versetzt hatte. Die Frau konnte nämlich ein genaues Signalement des Burschen abgeben: 18  bis 20  Jahre alt, lange Haare, gekleidet mit einer kurzen braunen Lederweste, dunkler Hose und Handschuhen. Die Beschreibung traf auf einen Mann zu, der kurz zuvor in die Feuerwehr Murten eingetreten war und im Hotel Murtenhof Kochlehrling war.

Geständnis nach drei Tagen

Die Polizei holte den Jugendlichen noch in der gleichen Nacht aus seinem Zimmer, liess ihn bei einer Gegenüberstellung durch die Zeugin identifizieren, führte eine Hausdurchsuchung durch, fand zwar die entwendeten Schlüssel nicht, hingegen in seiner Jacke vier Weihnachtskerzen und zwei Schachteln Zündhölzer. Dies reichte der Polizei, um ihn in Untersuchungshaft zu setzen.

Erst leugnete der Kochlehrling alle Anschuldigungen beharrlich, gab nach drei Stunden Einvernahme aber den Raub der Schlüssel zu, welche die Polizei darauf in einem Wasserschacht wiederfand.

Erst am 7. August gestand der Jugendliche, zuvor die vier Brände im Hotel Murtenhof, im Hotel Krone sowie bei einem Bauernhof und einer Scheune in Courgevaux gelegt zu haben.

Motiv: Geltungssucht

«Der Brandstifter sagte nie etwas über sein Motiv», sagt Hugo Schuwey, Brigadechef und stellvertretender Chef des Kriminaltechnischen Kommissariats bei der Freiburger Kriminalpolizei, nach Durchsicht der Polizei- und Gerichtsakten. «Er war nüchtern, hatte keine finanziellen Sorgen und machte auch keine Anzeichen, dass ihn Feuer speziell erregte. Es war wohl viel mehr Geltungssucht.»

Tatsächlich soll der Kochlehrling nach seiner ersten Brandstiftung von der Leistung der Feuerwehr so sehr angetan gewesen sein, dass er sich gleich als Mitglied meldete. Bei den nächsten Bränden, die er legte, soll er jeweils als einer der Ersten in Uniform auf den Brandplätzen aufgetaucht sein, dies obwohl er teils gar nicht alarmiert worden war.

Der Kochlehrling wurde für die Brandserie ein Jahr später zu einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren verurteilt. Das Gericht stellte eine verminderte Zurechnungsfähigkeit fest.

Erster Brand im Lehrbetrieb

Der erste Brand jener Serie ereignete sich am 12. Juli 1970 am Ausbildungsort des Kochlehrlings: im Hotel Murtenhof. Das Feuer wurde gegen 15 Uhr von einer Serviertochter des Tea-Room Siegrist festgestellt. Der Hotelier des Murtenhofs wurde alarmiert und versuchte, die Flammen selber zu löschen. «Durch ein ungewohntes Manipulieren des Schaumlöschers funktionierte dieser und entleerte sich, ohne dass der Hotelier ihn zur Brandbekämpfung einsetzen konnte», hielt die Polizei damals fest.

Der Brandherd wurde im Estrich eruiert, wo Fastnachtsdekoration und ältere Möbel untergebracht waren. Die Polizei schloss auf fahrlässige, vorsätzliche oder zufällige Brandursache. So hätten an jenem Sommertag auch vier gläserne Dachziegel den Brand verursachen können. Seine Angestellten schloss der Hotelier als Brandstifter aus, weil er zu allen ein gutes Verhältnis gehabt habe. Was er aber nicht wusste: Der Kochlehrling hatte einen Streit zweier Angestellten mitbekommen, bei dem der eine gesagt haben soll: «Wenn es im Murtenhof einmal brennt, stehe der Chef vor dem Nichts.» Dies reichte dem Lehrling als Impuls.

Verzögerung mit einer Kerze

Der Brand im benachbarten Hotel Krone ereignete sich zweieinhalb Wochen später, um 3  Uhr morgens. Laut Hugo Schuwey sei der Murtenhof-Lehrling – inzwischen Feuerwehrmann – mit Angestellten in der Krone zusammengesessen und habe festgestellt, wie heiss es sei. Die Stromversorgung und somit auch die Lüftung funktioniere nach dem Murtenhof-Brand noch nicht richtig, sagte man ihm. Der Lehrling nahm höchstpersönlich unter dem Dach einen Augenschein und sah da mehrere Rosshaar-Matratzen liegen. Der Plan war gefasst: Er kehrte zurück, steckte eine Kerze in eine Matratze und liess diese langsam herunterbrennen. Deshalb brach der Brand auch mitten in der Nacht aus.

«Wie durch ein Wunder kamen keine Personen zu Schaden», sagt Hugo Schuwey. Tatsächlich waren in jener Nacht 19  Hotelgäste in der Krone einquartiert. Der Wirt Werner Nyffeler wurde durch einen Knall geweckt, seine Frau Louise alarmierte Personal und Gäste, während Sohn Werner Nyffeler junior vergeblich versuchte, mit einem Schaumlöscher des Brandes Herr zu werden. Der zweite und dritte Stock waren schnell verloren; es gelang noch, im ­Säli Dekoratives wie Bilder oder ein Vorderlader-Gewehr zu entfernen. Auch bei der Krone hielt die Polizei fest: «Fahrlässige, vorsätzliche oder zufällige Brandursache.»

20 Minuten reichten

Bis zum nächsten Brand dauerte es nur noch zwei Tage: In Courgevaux wurden bei einem Bauernhof der Wohnteil und die Scheune ein Raub der Flammen. Ein Kalb verbrannte im Stall, ein anderes musste später abgetan werden.

Laut Schuwey versuchte der Brandstifter es auch hier mit einer Kerze. Diese hatte er auf einen Holzbalken gestellt; sie fiel aber herunter und setzte Heu in Brand.

«Der Lehrling war abends noch an der Arbeit, hatte aber nicht viel zu tun. Sein Chef sagte ihm, er solle bis 22 Uhr in der Küche bleiben. Gegen 21.15 Uhr setzte er sich aber auf sein Kreidler Florett, fuhr nach Courgevaux, legte das Feuer und war um 21.35 Uhr wieder zurück im Hotel. Nach Feierabend um 22 Uhr war er in Uniform bereit, und ein Polizist vom nahen Schloss-Posten nahm ihn sogar mit an den Brandort», berichtet Hugo Schuwey.

Feuerwehr war «zu schnell»

Den vierten Brand legte der Mann noch in derselben Nacht. In einer Scheune im Champ-Olivier zündete er Heu auf einem Förderband an. Doch der Zeitungsverträger der «Tribune de Lausanne» entdeckte, wie Rauch aus dem Dach quoll, meldete dies den Feuerwehrleuten von Courgevaux, die noch auf dem anderen Brandplatz im Einsatz standen, und der Besitzer sowie der Kommandant konnten das Feuer mit einem Schaumlöscher sowie einigen Eimern Wasser schnell löschen.

Einen fünften Brand hatte der Kochlehrling bereits geplant gehabt auf einem Hof in Courgevaux. Dieser Plan wurde dank der aufmerksamen Bewohnerin der Kreuzgasse vereitelt. Die Schlüssel aus dem Feuerwehrmagazin hatte der Bursche nämlich gestohlen und in den Wasserschacht geworfen, damit die Feuerwehr beim nächsten Mal nicht mehr so schnell da sein würde.

Zum 100-Jahr-Jubiläum gewährt die Kriminalpolizei Einblick in alte Fälle.

Werner Nyffeler

Täter und Opfer in der Feuerwehr

«In einem solchen Moment weiss man nicht, was man macht. Ich habe Kleider und Schallplatten gerettet, statt Geld oder Schmuck.» Werner Nyffeler junior wurde von seinem Vater am frühen Morgen des 29. Juli 1970 geweckt, weil es in ihrem Hotel Krone brannte. Er selber versuchte, die Flammen zu löschen. Der zweite und dritte Stock waren schnell verloren; es gelang noch, im Säli Dekoratives wie Bilder oder ein Vorderlader-Gewehr zu entfernen.

Auch wenn es zweieinhalb Wochen vorher nebenan im Murtenhof gebrannt hatte, so habe man auch in der Krone nicht an Brandstiftung gedacht, so Nyffeler. Den Kochlehrling vom Murtenhof, welcher die Feuer legte, kannte er persönlich. Dieser sei immer wieder mit dem Lehrling der Krone zusammengewesen, auch unmittelbar vor dem Brand in der Krone. «Er fragte mich, ob er unseren Lehrling treffen könnte. Stattdessen hat er dann den Estrich inspiziert», so Nyffeler.

Nach dem Murtenhof-Brand fragte der Kommandant Nyffeler, ob er nicht in die Feuerwehr eintreten wolle: «So wisse ich, was ich zu tun habe, wenn es bei uns einmal brennen sollte.» Nyffeler tat dies am gleichen Tag wie der Brandstifter. «Wir haben gemeinsam die Uniform gefasst.» Der Kochlehrling legte dann den Brand in der Krone, und Nyffeler hatte dort seinen ersten Einsatz.

Auch bei den folgenden Bränden rückte Nyffeler aus. Nach dem Bauernhausbrand in Courgevaux, musste die Murtner Feuerwehr nochmals zurück zur Krone, weil das Feuer dort wieder aufglimmte. «Plötzlich rief jemand, der Adler im Stedtli brenne. Das war ein Missverständnis, denn gebrannt hatte es bei Hurni in Courgevaux. Doch auch der Adler-Wirt hiess Hurni.»

Die Familie Nyffeler musste nach dem Brand aus der Krone ausziehen. Finanziell hing die Zukunft des Hotels an einem dünnen Faden. Kurz vor dem Brand stellte ein Versicherungsvertreter fest, das Hotel sei unterversichert. Bald hiess es, der Wirt Nyffeler habe den Brand selbst gelegt. «Das hätte ich sicher nicht gemacht, bevor ich die Versicherung erhöht hätte», wehrte sich der Wirt daraufhin im «Murtenbieter».

uh

 

Werner Nyffeler

Täter und Opfer in der Feuerwehr

«In so einem Moment weiss man nicht, was man macht. Ich habe Kleider und Schallplatten gerettet, statt Geld oder Schmuck.» Werner Nyffeler wurde von seinem Vater am frühen Morgen geweckt, weil es in ihrem Hotel Krone brannte. Auch wenn es zweieinhalb Wochen vorher nebenan im Murtenhof gebrannt hatte, dachte man nicht an Brandstiftung. Den Kochlehrling vom Murtenhof kannte er persönlich. Dieser sei oft mit dem Lehrling der ­Krone zusammengewesen: «Er fragte mich an dem Tag, ob er unseren Lehrling treffen könnte. Stattdessen hat er dann den ­Estrich inspiziert.»

Nach dem Murtenhof-Brand fragte der Kommandant Nyffeler, ob er nicht in die Feuerwehr eintreten wolle: «So wisse ich, was ich zu tun habe, wenn es bei uns einmal brennen sollte.» Er tat dies am gleichen Tag wie der Brandstifter. «Wir haben gemeinsam die Uniform gefasst.» So hatte Nyffeler im eigenen Hotel seinen ersten Einsatz. Auch bei den folgenden Bränden rückte Nyffeler aus. Nach dem Bauernhausbrand in Courgevaux musste die Feuerwehr zurück zur Krone, weil das Feuer dort wieder glimmte. «Plötzlich rief jemand, der ­Adler im Stedtli brenne. Das war ein Missverständnis, denn gebrannt hatte es bei Hurni in Courgevaux. Aber auch der ­Adler-Wirt hiess Hurni.»

Finanziell hing die Zukunft der Krone an einem dünnen Faden. Kurz vor dem Brand hatte ein Versicherungsagent festgestellt, das Hotel sei unterversichert. Bald hiess es, der Hotelier habe den Brand selbst gelegt. «Das hätte ich sicher nicht gemacht, bevor ich die Versicherung erhöht hätte», wehrte sich der Wirt daraufhin im «Murtenbieter».

uh

 

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