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Wann ist man eigentlich eine Familie?

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Wann ist man eigentlich eine Familie?

Viele Dienstleistungsbetriebe bieten Familienkarten an, doch diese gelten nicht für alle

Ist eine geschiedene Frau mit drei Kindern eine Familie? Nicht wenn sie in den Schwimmbädern Laupen und Kerzers ein Abonnement kaufen oder vom Kantonalbank-Familien-Bonus profitieren will. Ohne zweiten Elternteil gibts keine Vergünstigungen.

Von CHRISTIAN SCHMUTZ

Seraphine Huber (Name von der Redaktion geändert) lässt sich vom schönen Frühlingswetter locken. Diesen Sommer im Schwimmbad – das kann sie sich richtig gut vorstellen. Das Schwimmbad Laupen ist problemlos zu erreichen, ihre drei Kinder haben viel Platz zum Austoben, und dort werden Vergünstigungen für Familien angeboten. Ideal für einen angenehmen Sommer, denn für die IV-Bezügerin mit starkem Knochenschwund und ihre Kinder sind dies die einzigen Ferien, die sie sich leisten können.

Ende Mai lädt Seraphine Huber die Kinderschar ins Auto und fährt ins Bad Laupen, das bei Bernern und Freiburgern sehr beliebt ist. Sie will für sich und ihre drei Kinder ein Familien-Abonnement lösen. Alle vier haben ein Passfoto dabei, und dem Badevergnügen steht nichts mehr im Weg.

Nun, ganz so einfach gehts dann doch nicht. Wo sie das Foto von Papa Huber habe, wird Seraphine Huber von der Frau an der Kasse gefragt. Sie sei geschieden und habe keinen Mann, gibt sie zur Antwort. Die Frau an der Kasse sagt, dass es ohne Mann kein Familienabo gebe.

Für zwei Erwachsene bezahlt

Seraphine Huber bleibt nach einem Wortgefecht nichts anderes übrig, als für den imaginären Mann mitzubezahlen. Sie meint aufgebracht: «Es ist eine Frechheit, wie man mit uns umgesprungen ist. Ich war traurig und dachte, ich hätte das nur geträumt.» Besonders die Art und Weise, wie sie behandelt wurde, liess sie sprachlos werden. «Die Frau an der Kasse meinte nur: »

Bei der Rückfrage im Schwimmbad Laupen wird bestätigt, dass es zwar Familienkarten für Einheimische und Auswärtige gibt, dass dabei aber jeweils zwei Erwachsene gerechnet werden. Dies bestätigt Gemeindeschreiber Christoph Schori: Das Familienabo hat einen fixen Preis, egal, ob ein oder zwei Erwachsene, und egal, ob ein oder zehn Kinder dabei sind.» Er sagt jedoch kategorisch: «Ein Elternteil mit Kindern ist doch eine Familie. Wenn dem nicht so wäre, müsste dieser Missstand sofort behoben werden.»
Wer nun zum Vergleich herumzufragen beginnt, traut seinen Ohren nicht: Auch im Schwimmbad Kerzers haben Einheimische seit dieser Saison die Möglichkeit, Familienrabatte zu bekommen. Und wenn eine geschiedene Frau mit ihren Kindern kommt? «Dann gibts wohl nichts», mutmasst Marco-Carlo Raschli an der Kasse. Auf der Gemeindeverwaltung wird bestätigt, dass man sich eine solche Situation nicht überlegt hat. Ähnlich wenig Glück hätte die Familie Huber bei der Freiburger Kantonalbank gehabt. Brandneu bietet sie Familien mit einem oder mehreren Kindern einen reduzierten Hypothekar-Zinssatz beim Kauf oder Bau eines Eigenheims an. Bekäme eine geschiedene oder verwitwete Person die Vergünstigungen auch? «Nein», sagt Jean-Bernard Denervaud von der Kantonalbank. «Das Angebot ist so neu, dass wir uns das bisher gar nicht überlegt haben.» Das haben wir doch schon irgendwo gehört. Was soll also Seraphine Huber ihrer neunjährigen Tochter antworten, die vor der Kasse des Schwimmbads Laupen ängstlich fragt: «Sind wir denn keine Familie?»

Erst bei den SBB klappts

Die SBB bieten seit Jahren Familienrabatte an. Die Familienkarte wurde zwar kürzlich in «Junior-Karte» umgetauft, aber das Prinzip bleibt dasselbe. «Ein Kind in Begleitung eines Elternteils fährt gratis mit, wenn es eine Junior-Karte hat», erklärt Jean-Louis Scherz von der zentralen Medienstelle der SBB. Und wie siehts bei Scheidungen und Todesfällen aus? Jean-Louis Scherz zögert, sucht sich die entsprechenden Stellen heraus und legt dann dar: «Bei Todesfällen bleibt alles gleich. Und wenn die Eltern getrennt leben, können beide Elternteile für ihre Kinder eine Karte lösen. Das kostet aber 20 Franken zusätzlich.»

Bei der SBB existiert offenbar ein anderer Familien-Begriff als im Freiburgerland. In den Bestimmungen zu Familienvergünstigungen steht: «Nimmt bei Fehlen eines der beiden Elternteile eine andere, ständig im gemeinsamen Haushalt lebende Person deren Stelle ein, so ist diese dem fehlenden Elternteil gleichzustellen. Bei getrennt lebenden Elternteilen können pro Kind höchstens zwei Junior-Karten ausgegeben werden.»

Vielschichtigere Familien

Das Bild der Familie hat sich geändert. Das Bundesamt für Statistik zeigt den Wandel in den letzten Jahren auf. Familien sind heute partnerschaftlicher, vielschichtiger, aber auch konfliktanfälliger und dynamischer geworden. Gegenüber den 60er und 70er Jahren leben junge Leute früher in einer Beziehung zusammen, heiraten aber später. Solche «Konsensual-Partnerschaften» haben eine grössere Auflösungsrate. Grössere Stabilität im Rahmen der Ehe ist meist mit dem Wunsch nach Kindern verbunden. Heute sind nahezu 90 Prozent der Schweizer Frauen verheiratet, wenn sie ein Kind bekommen. Das sind zwar weniger als in der mittelfristigen Vergangenheit, aber mehr als im internationalen Vergleich.

Fragt man nach dem Familientyp der 30- bis 39-jährigen Frauen, so haben bei den Befragungen 1997 84,3 Prozent in einem traditionellen Haushalt gelebt. Aber bereits 7,7 Prozent bewältigten einen Einelternhaushalt und 8 Prozent lebten in einer «Fortsetzungsfamilie» mit Kindern aus anderen Partnerschaften.

Endlich mit der Zeit gehen

Von CHRISTIAN SCHMUTZ

Wir erleben nicht das «Ende der Familie», aber die Musterfamilie gibt es im 21. Jahrhundert nicht mehr. Dies sollten sich sowohl private wie öffentliche Unternehmen merken. So verdienstvoll Familienvergünstigungen an sich sind – man kann sie nicht einführen, ohne sich bewusst zu sein, was eine Familie überhaupt ist. Für wen will man etwas vergünstigen? Ein paar grundsätzliche Überlegungen wären angebracht, nicht zuletzt bei der Kantonalbank.

Die behinderte, allein erziehende Senslerin ist trotz Familienabo – das sie ja doch noch erhalten hat – kaum mehr zum Baden nach Laupen gefahren. Ihr ist das Baden verleidet. Ist sie mit ihren drei Kindern keine Familie? Dies muss sie sich nach den Bemerkungen an der Kasse immer wieder fragen.

Auch wenn in ländlichen Gebieten die traditionellen Haushalte weit häufiger sind als in der Stadt, wäre es auch hier an der Zeit, einen Schritt vorwärts zu machen. Dass es möglich ist, hat die SBB aufgezeigt.

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