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Was hat die Corona-Krise mit Artenschutz zu tun?

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Der Mensch lernt nur selten aus der Geschichte. Ich beginne deshalb mit einer kurzen Erinnerung: Die diesjährige weltweite Krise ist bereits die zweite Pandemie des 21. Jahrhunderts, die durch ein Coronavirus verursacht wurde. In den Jahren 2002/2003 verbreitete sich nämlich eine ähnliche Krankheit des schweren akuten Atemwegsyndroms (Sars, abgekürzt von severe acute respiratory syndrom), deren Verursacher ein naher Verwandter des Covid-19-Virus war. Damals infizierten sich in zahlreichen Ländern rund 8000 Menschen, rund 1000 davon starben.

Die Hauptwirte der Coronaviren sind Wildtiere, hauptsächlich Fledermäuse. Damit die Krankheit auf Menschen «überspringt», benötigt das Virus aber häufig noch einen Zwischenwirt. Bei Sars war das sehr wahrscheinlich der Larvenroller, eine kleine Raubtierart aus der Familie der Schleichkatzen. In Teilen Chinas werden Larvenroller wegen ihres Fleisches gejagt und gegessen. Das ist immer noch keine Ausnahme. In vielen tropischen Ländern, besonders in Afrika und Ostasien, werden unzählige Wildtiere gefangen und auf Dorfmärkten und in grossen Städten verkauft. Für viele seltene und besonders begehrte Arten (Stichwort: Schuppentiere) existiert heute ein florierender, internationaler Handel. Die gefangenen Tiere werden wochenlang unter schlechten Bedingungen transportiert und eng zusammengehalten. In vielen Regionen wird das Fleisch von Wildtieren nur kurz über offenem Feuer angebraten, so dass es im Inneren noch roh bleibt und Erreger nicht abgetötet werden.

Beim Schlachten oder Essen von derart zubereitetem Affen-, Nager-, Schleichkatzen- oder Fledermausfleisch können neue Viren auf Menschen übertragen werden. Nach der Sars-Pandemie haben Forscher und Ärzte aus Hongkong (der Ursprung der damaligen Pandemie) klar und deutlich gewarnt: Der Handel und Verzehr von wilden Tieren ist eine tickende Zeitbombe.

Damit komme ich zum Artenschutz, da es nun gilt, aus der Sars- und aus der diesjährigen Pandemie endlich drei wichtige Lehren zu ziehen.

Erstens: Es müssten auf globaler Ebene neue Regeln erarbeitet und Abkommen abgeschlossen werden, um den Wildtierhandel zu stoppen oder wenigstens streng zu kontrollieren. China hat bereits reagiert: Seit Februar 2020 sind die Jagd, der Handel und der Transport von Wildtieren verboten. Auf diese Weise schützt man bedrohte Arten vor dem Aussterben und uns Menschen vor neuen Virusübertragungen.

Zweitens: Der Mensch dringt immer weiter in die letzten unberührten Wald- und Berggebiete der Erde vor. Genau in solchen isolierten Regionen befinden sich neue Erreger, mit denen wir Menschen noch nie in Berührung gekommen sind. Solche Gebiete sollten nicht nur für die Jagd, sondern auch für den Holzabbau oder Strassenbau komplett ausgesondert und streng überwacht werden.

Die dritte Lehre liefert eine Studie der Universität Ulm (Deutschland), die 2015 in Afrika durchgeführt wurde. Sie zeigte deutlich: Je mehr Biodiversität vorhanden ist und je intakter die tropischen Lebensräume sind, desto geringer ist die Gefahr der Ansteckung durch neue Viruskrankheiten. Für die Zunahme der Virus-Pandemien in den letzten Jahrzehnten trägt der Mensch selbst Mitschuld. Im ungestörten und artenreichen Regenwald können sich Tiere und Arten gut verteilen und durchmischen. Die Viren finden so schwieriger passende Wirte, und ihre Ausbreitung wird schneller gestoppt. In zerstörten und fragmentierten Lebensräumen dagegen kommen Arten in Kontakt, die in intakten Ökosystemen nie aufeinandertreffen würden. Zudem ist die genetische Vielfalt der verbleibenden Arten und Populationen sehr gering, damit sinkt ihre Krankheitsresistenz.

Der Arten- und Lebensraumschutz ist daher eine der besten Schutzmassnahmen gegen neue Coronavirus-Pandemien. Ich hoffe sehr, dass diesen Argumenten, die den Fachleuten aus Biologie und Medizin seit Jahren bekannt sind, endlich auf internationaler Ebene Rechnung getragen werden.

Gregor Kozlowski wohnt in Ueberstorf und ist Professor für Biologie und Direktor des Botanischen Gartens der Universität Freiburg. Er ist Mitglied einer FN-Autoren-Gruppe, die naturwissenschaftliche Themen bearbeitet.

 

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