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Was ist Hochdeutsch und was ist Schweizerdeutsch?

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Autor: Pascal Lottaz

Mit seinem Artikel in den Zeitungen «Le Temps» und «NZZ am Sonntag» hat Antonio Hodgers (Nationalrat der Grünen, Genf) eine Diskussion ausgelöst, über die wir Schweizer gar nicht genug reden können, nämlich unsere Landessprachen. Mir scheint es aber, dass bei der Diskussion über Schweizerdeutsch, Hochdeutsch und Französisch ein prinzipieller Aspekt immer wieder vergessen wird, der verantwortlich ist für das fundamentale Missverständnis, das auf beiden Seiten des Röstigrabens sich durch den folgenden Satz artikuliert: «Die wollen ja gar nicht mit uns reden!» Dieses Vorurteil selbst hat einzig mit dem ungeklärten Status des Schweizerdeutschen zu tun. Man hat sich bisher einfach noch nicht die Mühe gemacht aufzuklären, was denn Schweizerdeutsch nun eigentlich ist, ein Dialekt? Ein Patois? Oder etwa eine eigene Sprache? Romands, die denken, dass wir Deutschschweizer sie nicht in unsere Gespräche integrieren wollen, weil wir unter uns immer wieder ins Schweizerdeutsche fallen, verkennen den Punkt, dass Schweizerdeutsch für uns wesentlich mehr ist als eine pure Variation des Hochdeutschen, es ist unsere Muttersprache. Deutschschweizer auf der anderen Seite, die das Gefühl haben, dass sich Romands ja gar keine Mühe geben, Deutsch zu verwenden, verstehen nicht, wie frustrierend es ist, über Jahre hinweg Deutsch zu lernen und trotzdem im Alltag kein Wort der anderen Landessprache zu verstehen. Wenn hier wie dort klar wäre, was denn nun das Schweizerdeutsch ist, so denke ich, könnten wir diese falschen Vorurteile aus dem Weg räumen. Ich plädiere darum dafür, dass wir unser Bild der deutschen Sprache an sich revidieren! Es ist nämlich nicht so, dass es einerseits ein Hochdeutsch und andererseits «das Schweizerdeutsch» gibt. Nein, Hochdeutsch ist eine Kunstsprache die so nur geschrieben, aber fast nirgends als Muttersprache gesprochen wird. Von den Bayern bis zu den Friesen hat auch Deutschland (von Österreich gar nicht zu sprechen) seine ganz eigenen, starken Dialekte und die schweizerdeutschen Formen sind nur ein Auswuchs davon. Es ist eine prinzipielle Eigenschaft der Deutschen Sprache an sich, dass sie in unzählige Dialekte zersplittert existiert. Das ist auch anderen Sprachen eigen, spätestens seit dem französischen Film «Bienvenue chez les Ch’tis» wissen wir, dass es auch in Frankreich Dialekte gibt. Doch sind diese schwächer als die deutschen Dialekte und deshalb ist es für Romands nur schwer nachvollziehbar, dass die schweizerdeutschen Dialekte sich ganz anders «anfühlen» als das Hochdeutsch. Unsere Dialekte haben einen anderen Wortschatz, andere Grammatik und andere Ausdrucksformen als die Hochsprache. All das macht das Schweizerdeutsch (oder die schweizerdeutschen Dialekte) zu so etwas wie einer «Quasi-Sprache», die zwar keine offizielle Schriftlichkeit kennt, sich für uns im Sprechen aber so unterschiedlich anfühlt wie Französisch von Italienisch. Wenn diese Unterschiedlichkeit erst einmal wahrgenommen und in der Deutschschweiz wie auch der Romandie akzeptiert wird, könnten wir uns daranmachen, die nationale Kohäsion zu stärken, indem wir nicht weniger, sondern mehr Schweizerdeutsch fördern! Denn würde in der Romandie auch Schweizerdeutsch unterrichtet werden, so würde dies dem wahren Charakter der deutschen Sprache an sich wesentlich näher kommen als die heutige Situation. Das soll uns Deutschschweizer nicht von jeglichen Pflichten entbinden, aber es würde uns erlauben, anstatt ein perfektes Hochdeutsch ein besseres Französisch anzustreben. Kurz: geben wir uns doch Mühe, die wahre Sprache des andern zu lernen!

Pascal Lottaz (24) wohnt in Schmitten. Er studiert Philosophie und Geschichte an der Universität Freiburg.

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