Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Weder Wurm noch Käfer

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Wer einen alten Tontopf anhebt, der einige Zeit draussen gestanden hat, der kann ihm durchaus begegnen: dem Ohrwurm. Früher hat man den Kindern die Mär erzählt, sie sollen sich vor der Ohrela in Acht nehmen, denn sie krabble gerne in die Ohren von Menschen und beisse dort das Trommelfell durch. «Diese Geschichten sind weit verbreitet, stimmen aber nicht», hält der Freiburger Biologe Jacques Studer fest. Rund um den Ohrwurm gibt es noch ein paar andere Geschichten, die nicht stimmen.

So wird er oft als Käfer bezeichnet – und wurde früher sogar dieser Tierordnung zugeteilt. Mittlerweile sind Ohrwürmer eine eigene Ordnung. Schliesslich gibt es weltweit rund 2000 Arten, in der Schweiz sind sieben Arten bekannt. Zahlen aus dem Kanton Freiburg sind dem Biologen nicht bekannt. In unseren Breitengraden ist der rund anderthalb Zentimeter kleine gemeine Ohrwurm am meisten verbreitet. In Australien gibt es grössere Arten, einer von ihnen, der Titanolabis colossea, ist 6,5 Zentimeter gross.

Rätsel um den Namen

Woher das Tier seinen Namen hat, ist nicht klar. Man nimmt aber an, dass die Bezeichnung aus dem Altertum stammt, als die Menschen Ohrwürmer getrocknet und in Pulverform als Mittel gegen Ohrkrankheiten eingesetzt haben. «Bis heute gibt es jedoch keinen Nachweis, dass Ohrwürmer irgendeinen Wirkstoff enthalten», sagt Studer.

Wegen des Namens wird er sogar ab und zu fälschlicherweise als Wurm bezeichnet. Da er aber im Gegensatz zu den Würmern Beine und Flügel hat, ist auch diese Bezeichnung irreführend: Der Ohrwurm ist ein Insekt.

Jacques Studer hat den Ohrwurm für die Tiere-Serie ausgewählt, weil eigentlich recht wenig über dieses Tierchen bekannt ist. «Es ist ein unscheinbares und einfaches Tier, für das sich wenig Leute interessieren.» Was man aber von ihm wisse, sei, dass es sich mit einigen Eigenschaften von anderen Insekten unterscheide.

«Es ist ein altes Tier», so der Biologe. Die ältesten Funde von versteinerten Ohrwürmern sind 200 Millionen Jahre alt. Sie haben also schon gelebt, als es noch Dinosaurier gab. «Dass es sie heute noch gibt, ist eine Erfolgsstory. Sie haben offenbar die richtigen Antworten auf die Herausforderungen gefunden, die sich ihnen im Laufe der Zeit gestellt haben.»

Lieber laufen als fliegen

Die Augen waren es wohl nicht, die den Ohrwurm über all die Jahrtausende am Leben erhalten haben. Er sieht nämlich schlecht und findet sich deshalb in erster Linie fühlend zurecht. Dazu benützt er die zwei langen Fühler, die er am knallrot gefärbten Kopf trägt. Er bewegt sich flink auf den sechs Beinen, die mit Haftballen versehen sind und es ihm erlauben, auch kopfüber zu laufen.

Dabei könnte er es sich leicht machen und einfach davonfliegen, wenn zum Beispiel Gefahr droht. «Der Ohrwurm hat zwar Flügel, braucht sie aber eher selten», erklärt Jacques Studer. Das Insekt hat sogar vier Flügel, wie die Käfer, zwei harte Deckflügel und darunter versteckt die eigentlichen Flügel. Damit sie dem Ohrwurm nicht in den Weg kommen, sind sie ganz fein und fächerartig zusammengelegt: «Er kann sie bis zu 40-fach zusammenfalten.»

Um die Flügel zu entfalten, braucht er die grosse Zangen, die an seinem Hinterteil befestigt sind. Diese sind wie das ganze Tier sehr beweglich und haben noch ein paar andere nützliche Einsatzmöglichkeiten. Zum einen benützt der Ohrwurm sie, um sich gegen Feinde zu verteidigen oder potenziellen Partnerinnen zu imponieren. Bei Bedrohung richtet das Insekt zudem den Hinterkörper drohend auf. Und die Zangen aus Chitin kommen beim Paarungsritual zum Zug: «Die Ohrwürmer halten sich mit diesen Zangen gegenseitig, bis sie die richtige Position erreicht haben.»

Der Ohrwurm lebt unter Steinen, in Mauerritzen oder in einem toten Baumstamm. «Er mag gerne feuchte, dunkle Verstecke», so der Biologe. Während er sich tagsüber versteckt, ist der nachts munter und wach. Das Insekt ist die meiste Zeit seines Lebens alleine unterwegs, es bildet also keine Völker wie etwa die Ameisen.

Mobilhome für Ohrwürmer

Ohrwürmer sind Nützlinge, sie fressen viele Schädlinge wie zum Beispiel Blattläuse. «Ein einziger Ohrwurm frisst zwischen 50 und 120 Blattläuse.» Obstbauern und Hobbygärtner haben sich die Eigenschaft zunutze gemacht. Sie bereiten Ohrwürmern in Blumentöpfen mit Holzspänen oder Stroh eine Umgebung, in der sie sich wohlfühlen. Diese Töpfe hängen sie dann an Obstbäume auf «Es ist eine Art Mobilhome für Ohrwürmer», beschreibt Jacques Studer.

Die Ohrwürmer kommen heraus und fressen die Blattläuse. Eine Studie von Agroscope Changins-Wädenswil hat bewiesen, dass der Einsatz von Ohrwürmern als natürliche Schädlingsbekämpfer sehr effizient sein kann, um den Ertrag und die Qualität des Obstes zu erhöhen. «So ein mobiles Zuhause für Ohrwürmer kann jeder auch für sich zu Hause im Garten bauen.»

Jetzt gerade und bis September sind Ohrwürmer eifrig auf Partnersuche. Im Herbst gräbt das Weibchen eine Bruthöhle im Boden. Wie der Biologe ausführt, müssen die Bodenbeschaffenheit und die Feuchtigkeit in dieser Höhle stimmen. Das ist zum Beispiel rund um die Wurzel des Löwenzahns der Fall. «Das Weibchen macht die ganze Grabarbeit, ist dann aber so gnädig und lässt das Männchen he­rein, um mit ihm zu überwintern.»

Gute Mutter

Im Frühling, wenn es wärmer wird, legt das Weibchen in der Bruthöhle 30 bis 60 Eier. «Ohrwürmer sind sehr gute Mütter», hält der Fachmann fest. Es sei unter den Insekten nur wenige Arten bekannt, die eine derart emsige Brutpflege machen. «Sie drehen die Eier, putzen sie und verteidigen sie gegen Feinde.»

Apropos Feinde: Im Frühling wird das Männchen als potenzieller Feind aus der Höhle vertrieben. «Wenn man also im Frühjahr draussen einen einzelnen verirrten Ohrwurm sieht, so ist das vermutlich eines dieser Männchen, das aus dem warmen Nest vertrieben worden ist.»

Auch wenn die Larven geschlüpft sind, kümmert sich das Weibchen noch um seine Nachkommen. Geschieht ihm während dieser Zeit etwas, dann überlebt die Brut auch nicht. Das Weibchen schaut zu seinem Nachwuchs, bis dieser die zweite von fünf der bei Insekten üblichen Häutungen durchlaufen hat. Mit jeder Häutung entwickelt sich das Tier weiter, bis es zwischen April und Juli ausgewachsen und paarungsbereit ist – und der Ohrwurm-Kreis schliesst sich wieder.

In einer losen Serie stellen die FN in Zusammenarbeit mit dem Freiburger Biologen Jacques Studer einheimische Tiere vor.

Zahlen und Fakten

Insekten: vielfältig und unerforscht

Weltweit sind rund 1,8 Millionen Arten von Lebewesen wissenschaftlich beschrieben. Rund die Hälfte davon sind Insekten. Betrachtet man nur das Reich der Tiere, machen sie 70 Prozent aus. Insekten gibt es auf der Erde seit mehr als 700 Millionen Jahren. Sie haben beinahe alle Lebensräume erobert, ausser dem offenen Meer und den Polargebieten. Forscher sind sich einig, dass es weit mehr Insektenarten gibt als bisher beschrieben. Die Schätzungen gehen von einer Million, ja sogar bis zu 80 Millionen Arten aus. In der Schweiz sind bis heute rund 30 000 Insektenarten bekannt. Hochrechnungen haben aber ergeben, dass es zwischen 45 000 und 60 000 verschiedene Arten geben könnte. «Viele von ihnen werden aussterben, ohne je erfasst worden zu sein», ist der Freiburger Biologe Jacques Studer überzeugt.

im

 

 

Kommentar (0)

Schreiben Sie einen Kommentar. Stornieren.

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die Pflichtfelder sind mit * markiert.

Mehr zum Thema