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Welche Prophetie darf es sein?

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wort zum sonntag

Welche Prophetie darf es sein?

Autor: Hans Ulrich Steymans

Das Gesetz über die Propheten im Deuteronomium wirkt im Christentum und im Islam fort. Jesus und Mohammed werden als Propheten wie Mose verkündet. Mose verspricht vor seinem Tod: «Einen Propheten wie mich wird dir der Herr, dein Gott, aus deiner Mitte, unter deinen Brüdern, erstehen lassen. Auf ihn sollt ihr hören» (Dtn 18,15).

Was ist ein Prophet? Der Prophet ist eine Stimme, die in göttlichem Auftrag eine Botschaft Gottes überbringt. Woran kann man erkennen, dass er im Auftrag Gottes spricht? Auf diese Frage geben der Islam und die jüdisch-christliche Tradition eine unterschiedliche Antwort.

Mose erklärt: «Und wenn du denkst: ‹Woran können wir ein Wort erkennen, das der Herr nicht gesprochen hat?›, dann sollst du wissen: Wenn ein Prophet im Namen des Herrn spricht und sein Wort sich nicht erfüllt und nicht eintrifft, dann ist es ein Wort, das nicht der Herr gesprochen hat. Der Prophet hat sich nur angemasst, es zu sprechen. Du sollst dich dadurch nicht aus der Fassung bringen lassen» (Dtn 18,21–22). Im jüdisch-christlichen Verständnis muss sich der Prophet an der Geschichte messen lassen, daran, ob sein Wort sich erfüllt und eintrifft. Man erkennt den echten Propheten erst im Nachhinein.

Mohammed dagegen antwortet auf die Frage seiner Zeitgenossen, woran man seine Worte als Prophetie erkennen könne, ganz anders. Er sagt, das Arabisch seiner Worte, die ihm vom Engel Gabriel überbracht wurden, sei überirdisch schön. An der Schönheit zeige sich die göttliche Herkunft.

Hier liegen zwei Verständnisse von Offenbarung vor. Im Islam ist Offenbarung Mitteilung eines Textes von überirdischer Schönheit. Im Judentum und Christentum besteht Offenbarung dagegen in Geschichte, die durch ein prophetisches Wort angekündigt oder gedeutet wird. Die grundlegende Erfahrung des Judentums, dass Gott sein Volk aus dem Ausbeutungsstaat Ägypten befreit, ist ein Ereignis, der Exodus. Noch deutlicher ist der Ereignischarakter im Christentum. Jesus hat keinen schriftlichen Text hinterlassen. Er ist eine geschichtliche Person.

An Erfüllung gebundenes Prophetenwort ist oft Kritik an den gesellschaftlichen Zuständen. Es destabilisiert die herrschenden Verhältnisse. Darum werden die biblischen Propheten von den Mächtigen ihrer Zeit bekämpft. Die Propheten unserer Zeit entlarven Strukturen, die Konsumsucht, Korruption, Armut, Totalitarismus und Umweltzerstörung produzieren. Müssen wir warten, bis sich ihre Warnungen erfüllen, bevor wir die zerstörenden Strukturen verändern?

Der DominikanerHans Ulrich Steymans ist Professor für Altes Testament und Biblische Umwelt an der Universität Freiburg (Schweiz) und lebt im Kloster St. Hyazinth in Freiburg.

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