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Wenn die Schule auch das Zuhause ist

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Wenn die Schule auch das Zuhause ist

Wie geht es zu und her in einer Heimschule?

Die Familie Weisse in Altavilla hat ihre eigene Schule. Die Lehrerin und Mutter nimmt nächstens das zweite Jahr ihrer Heimschule in Angriff. Ein Gespräch mit Ulla Maria Weisse, die ihre Kinder selber unterrichtet.

Von ANGELICA TSCHACHTLI

Das Wohnzimmer im umgebauten Bauernhaus in Altavilla sieht eigentlich ganz gewöhnlich aus. In einer musikalischen Familie gehörten ein Klavier und der Notenständer fast notwendigerweise zum Mobiliar. Die kleine Schultafel und das Schulpult aber lassen eine Heimschule vermuten.

Ulla Maria Weisse sitzt am Holztisch, der sonst als Schultisch dient. Die alte Schulbank davor ist leer. Ihr jüngstes Kind, die elfmonatige Klara, macht gerade den Mittagsschlaf. Der siebenjährige Jonas, die sechsjährige Hanna und der vier Jahre alte Lorenz sind nicht im Haus. Auch heute Donnerstag wird die Schulbank leer bleiben. Wo sind ihre Kinder, während deren Altersgenossen nach den Sommerferien wieder zurück in die Schulhäuser müssen?

Für Jonas und Hanna hat die Schule schon vor zwei Wochen wieder begonnen. Sie wohnen derzeit bei ihren Grosseltern in Finnland und besuchen an jenem Ort eine Klasse, wo die Mutter Ulla Maria Weisse einst selber zur Schule ging. Für vier Wochen erleben die Kinder dort eine «normale» Schule im grösseren Klassenverband. Für die beiden ist diese aber eben nicht «normal», weil sie üblicherweise zuhause Unterricht haben. Auch letztes Jahr besuchten Jonas und Hanna eine Klasse. Damals waren sie in München, wo Ulla Maria Weisse und ihr Mann Harald studiert haben.

Solche Austauschprojekte wären für eine «normale» Schulklasse wohl kaum realisierbar, in einer Heimschule jedoch sind sie eher möglich. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum Ulla Maria Weisse ihre Kinder zuhause unterrichtet.

Solide pädagogische Ausbildung

Die in Finnland aufgewachsene Weisse hat in ihrem Heimatland ein Sprachstudium absolviert, bevor sie in München das Lehramt für die Grundschule begann. Nach Altavilla ist sie wegen einer Stelle ihres Mannes gekommen. Daraufhin hat sie in Freiburg noch das kantonale Primarlehrerinnenpatent erworben. Sie kennt den Lehrplan und hat in der Umgebung auch Stellvertretungen gegeben, bevor sie vor einem Jahr die Heimschule eingerichtet hat. «Wenn ich das Lehrpatent hier nicht erworben hätte, würde ich das nicht machen. Bei den Praktika und Stellvertretungen konnte ich wertvolle Erfahrungen sammeln.»

Fremdsprachen
und praktische Arbeit

Ulla Maria Weisse weiss, was sie will, und so zögert sie keinen Moment, wenn sie nach ihren Zielen in der Erziehung ihrer Kinder gefragt wird: «Ich möchte, dass sie lernen selber zu denken und selbstständig zu urteilen. Konkret legt sie zum Beispiel viel Wert auf Fremdsprachen, die zu lernen ihre eigene Stärke war, erzählt Weisse, die selber fliessend sechs Sprachen spricht. So reden auch Jonas und Hanna bereits ein bisschen Englisch und Französisch, und auch das Finnische haben sie früh mitgekriegt. Der momentane Schulaustausch soll auch mithelfen, diese Sprache zu vertiefen. Deutsch bleibe aber bei den Sprachen klar das dominante Fach.

Ein grosser Vorteil der Heimschule sei, dass nebst den Hauptfächern Platz geschafft werden könne für Zusätzliches, erklärt sie. Nebst den Fremdsprachen und dem Fördern der intellektuellen Fähigkeiten ist für Ulla Maria Weisse das tägliche Singen sowie die praktische Arbeit, zum Beispiel das Kochen, sehr wichtig. Die üblichen Schulfächer wie Mathematik, Deutsch und Sachunterricht finden jeweils morgens statt. Am Nachmittag gehts in den Garten oder in den nahe gelegenen Wald.

Kontakt mit anderen Kindern

Nein, abschirmen wolle sie ihre Kinder überhaupt nicht. So wird auch der regelmässige Kontakt zu anderen Kindern gepflegt. Oft werden gemeinsame Projekte mit Kindern aus einer Familie im Kanton Bern durchgeführt, die auch von der eigenen Mutter zuhause unterrichtet werden. Und Konfliktfelder zum Erlernen von sozialen Umgangsformen gäbe es wirklich genug unter den Geschwistern und in der Familie.

Die Kinder müssten sonst per Bus in die Schule nach Murten fahren. Sie möchte aber ihre Kinder länger auf dem Land behalten, ihre Persönlichkeit stärken und auch ein bisschen ihre Kindheit verlängern.

Ulla Maria Weisse findet, dass die Kinder der Unterstufe nichts verpassen, wenn sie sich noch nicht in einem grösseren Verband unter Gleichaltrigen behaupten müssen. «Der Gruppendruck kommt früh genug», denkt sie.

Sie glaubt aber, dass es sicher vorteilhaft ist, wenn die Kinder ab der 3./4. Klasse in einer grösseren Gruppe arbeiten. Nicht nur deshalb arbeitet sie auf das Ziel hin, eine kleine, christlich gesinnte Gesamtschule zu eröffnen. Sie möchte damit auch anderen Kindern ermöglichen, in einer Kleingruppe Unterricht in ländlicher Umgebung zu erhalten.
Was ist eine Heimschule?

Gemäss Reto Furter, Dienstchef der Abteilung für deutschsprachigen Unterricht, wird im deutschsprachigen Kantonsteil zurzeit in drei Familien zuhause unterrichtet; einmal betrifft es die Ober- und zweimal die Primarschulstufe. «Privat die eigenen Kinder zu unterrichten ist aber klar eine Ausnahme und sehr selten», sagt Furter zur Situation. Nach dem freiburgischen Schulgesetz ist Privatunterricht möglich. Nicht in jedem Kanton ist dies aber der Fall. Wer eine Heimschule einrichten will, muss bei der Erziehungsdirektion ein Gesuch einreichen. Nach Abklärung der Situation durch den zuständigen Schulinspektor ist es wiederum die Erziehungsdirektion, die für die Bewilligung verantwortlich ist. Für Reto Furter persönlich käme Privatunterricht dort in Frage, wo Ausnahmesituationen herrschen. Zum Beispiel, wenn das Kind stark behindert ist oder eine ansteckbare Krankheit habe. Schulinspektor Norbert Schwaller, der die Situation der Familie Weisse kennt, erklärt, dass aber nicht nur Notsituationen bewilligt werden können. «Bedingung ist, dass der kantonale Lehrplan eingehalten wird und der Privatunterricht schulisch «verhebt». at

Wichtig ist
eine gute Planung

«Alle helfen mit, sonst geht es nicht», sagt Ulla Maria Weisse über das Funktionieren ihrer Heimschule. Kürzlich hat Ulla Maria Weisse den Jahresplan für das neue Schuljahr aufgestellt. Der achtjährige Jonas kommt offiziell in das 2. Schuljahr und Hanna käme eigentlich erst jetzt in die Schule. Sie hat aber bereits das 1. Schuljahr zusammen mit ihrem Bruder Jonas gemacht, ist in der Mathematik aber noch nicht so weit. Das Lernprogramm stellt Weisse individuell zusammen. Der erst vierjährige Lorenz will seit einiger Zeit auch «zur Schule gehen». Und auch ihn wird Weisse im kommenden Schuljahr «mitnehmen», wie sie sagt.

Eine Tagesplanung sei äusserst wichtig, «sonst artet die Schule neben dem Haushalt und anderem in ein Riesenchaos aus», weiss sie aus Erfahrung. Auch die Kinder wollten schliesslich wissen, wann der Schulalltag zu Ende sei. at

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