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«Wenn Freiburg nie echt zweisprachig war, so wird es eben mehrsprachig»

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Autor: IRMGARD LEHMANN

Der Fremdsprachenunterricht war Ihr Kind – dafür haben Sie sich rund 20 Jahre eingesetzt. Was zeigt der Blick zurück?

Der Bereich Fremdsprachen war immer komplex, interessant und sehr vielseitig, und das entspricht mir.

Ich war neugierig, habe in der ganzen Schweiz und an vielen Orten Europas die Entwicklungen in der Fremdsprachendidaktik angehört, darüber diskutiert und debattiert.

Und ich glaube, dass es mir gelungen ist, die Theorie so zu bearbeiten, dass sie auf jeder Stufe die Lernenden erreicht hat.

Was hat Sie am meisten interessiert?

Wie innovativer Unterricht wirklich funktioniert. In der letzten Lehrveranstaltung hat mir ein Student im Namen der Klasse Blumen überreicht und gesagt: «Sie waren ja manchmal auch etwas mühsam, aber bei Ihnen haben wir fast immer etwas gelernt.»

Die viele Zeit aber, die ich damit verbracht habe, den Stein der kantonalen und bildungspolitischen Zweisprachigkeit immer wieder den Berg hinaufzuschieben, das war vielleicht verlorene Zeit. Immerhin bin ich nicht überrollt worden – das ist schon etwas. Ich lebe noch. Die Sinnfindung für diese Arbeit steht für mich noch aus.

Sie waren nicht nur für die Deutschsprachigen zuständig, sondern auch für die Französischsprachigen – inwiefern?

Mit vielen anderen Leuten habe ich dafür gesorgt, dass die Schülerinnen und Schüler in beiden Kantonsteilen einen Fremdsprachenunterricht geniessen, der einem bestimmten Standard entspricht.

Der Unterricht in der Nachbarsprache wurde in die 3. Klasse vorverlegt, Lehr- und Lernmaterialien wurden entwickelt, neue Lehrpläne geschrieben, neue Lehrmittel eingeführt.

Das Europäische Sprachenportfolio kam als Länder verbindendes Instrument und führte die Diskussion um die Zielsetzungen und Kompetenzen im Fremdsprachenunterricht zusammen usw.

Leider ist sich der Kanton Freiburg nur wenig bewusst, dass wir in vielen Bereichen Pionierarbeiten geleistet haben und weiter sind als andere Kantone oder Regionen. Der Prophet gilt im eigenen Land eben weniger als anderswo …

Das Stimmvolk hat das Konzept «Partnersprache» im Jahr 2000 bachab geschickt – hat man trotzdem einen Weg gefunden – welchen?

Einen Weg findet man immer. Zuerst ging es ja darum, dass man die rekordverdächtige Anzahl an Aussagen, welche Erkenntnisse der Forschung mit Füssen getreten hatten, verdauen konnte.

Und es war wichtig, dass man mit der Zeit auch darüber lachen konnte. Dann haben wir einfach wieder gearbeitet.

Ich war damals in beiden Kantonsteilen angestellt. Wir haben viel mit den Lehrpersonen gearbeitet, und das war sehr positiv. Sagen wir einmal, dass die Arbeit uns gerettet hat.

Welches sind die Perspektiven?

Die Zweisprachigkeit ist überwunden, und wir gehen in die Richtung einer Didaktik der Mehrsprachigkeit. Die Menschen – auch die Lernenden in der Schule – sollen sich freier fühlen, so viele Sprachen wie möglich lernen und mit vielen Kulturen in Kontakt kommen. Das ist die beste Antwort auf das, was in unserem zweisprachigen Kanton leider immer wieder passiert.

Wenn er nie wirklich zweisprachig war, so wird er eben mehrsprachig. Ob der neue Geist der Mehrsprachigkeit und Mehrkulturalität auf diesem Boden gedeihen kann, das wird sich zeigen.

Das neu gegründete Institut für Mehrsprachigkeit und das Projekt Passepartout der Grenzkantone werden sich um diese Frage kümmern.

Und was wäre Ihr grösster Wunsch bezüglich Zweisprachigkeit?

Ob ich heute noch Wünsche habe in Sachen Zweisprachigkeit? Etwas ganz Bescheidenes vielleicht: Das, was ich hier sage, könnte ich auch in beiden Sprachen sagen, und es könnte in beiden Sprachen gedruckt werden.

Die Hälfte aller Stunden habe ich in den letzten 10 Jahren nämlich in französischsprachigen Schulzimmern, Lehrerzimmern oder Sitzungszimmern verbracht. Dass diese künstliche Trennung in möglichst vielen Bereichen aufgebrochen wird, das würde ich mir wünschen. Und dass die jungen Menschen ihren Weg, den sie schon längst eingeschlagen haben, dezidiert weitergehen: offen und neugierig für alle Sprachen und Kulturen, neugierig auf die Welt, die hinter den doch so einsprachigen Kantonsgrenzen liegt.

Und nicht zuletzt die übliche Frage. Wie gestalten Sie nun die selbstbestimmbare Zeit, die da kommen wird?

Ich werde der Frage nachgehen, wie eine Didaktik der Mehrsprachigkeit in Lehrmitteln aussehen kann. Und fast hätte ich es vergessen: Ich sollte wohl die Zeit zurückholen, die ich mit den zahlreichen Versuchen verbracht habe, den Stein der bildungspolitischen Zweisprachigkeit den Berg hinaufzuschieben; und ich müsste darüber ein Buch schreiben.

Daneben werde ich vermehrt der Zeit zuhören und im Wind der neuen Freiheit neue Sprachen des Lebens verstehen.

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