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Wie eine Dusche uns das Fürchten lehrte

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Dass ein einfacher Duschvorhang auch heute noch Angst und Schrecken bereiten kann, ist auf diese eine berühmte Filmszene zurückzuführen: In Alfred Hitchcocks Meisterwerk «Psycho» geht die vermeintliche Hauptfigur Marion Crane (gespielt von Hollywood-Star Janet Leigh) nichts ahnend in ihrem Motelzimmer duschen, worauf eine nicht erkennbare Person ins Badezimmer tritt, den Vorhang zur Seite reisst und die junge Frau mit einem Messer ersticht. Die Szene hat so grosse filmgeschichtliche Wirkung, dass viele sie kennen, ohne den Film jemals gesehen zu haben.

Es ist aufgrund dieser Bekanntheit und der filmhistorischen Bedeutung nicht verwunderlich, dass die Sequenz in zahlreichen Büchern, Fachartikeln und Seminaren bis ins letzte Detail beschrieben und analysiert wurde. Jedoch mangelte es bis anhin an einem Film und damit an einer leichter zugänglichen Darstellungsform, welche die vielen Besonderheiten dieser Szene auch gewöhnlichen Kinogängern aufzeigen und erklären kann. Dieses Manko zu beheben, hat sich der in Los Angeles lebende Genfer Dokumentarfilmer Alexandre O. Philippe angeschickt.

«Angst vor dem grossen und schon oft bearbeiteten Thema hatte ich nicht», sagt Philippe. «Wenn man sich vor solchen Dingen fürchtet, dann entsteht nie ein Film. Und ich wusste, dass ich etwas Neues zu erzählen hatte, entsprechend überzeugt war ich davon.» Begonnen habe er die Arbeit am Film vor etwas mehr als drei Jahren. «Die Idee trug ich aber schon lange vorher mit mir herum. Und ich könnte noch einen weiteren Film über die Szene machen; je besser man sie kennt, desto mehr entdeckt man.»

Vielzahl an Stimmen

Nachdem der Startschuss gefallen war, waren der Regisseur und das kleine Produktionsteam hauptsächlich damit beschäftigt, unzählige E-Mails zu schreiben und Telefongespräche zu führen, um Interviewpartner zu finden – denen notabene keine Gage angeboten werden konnte. Umso mehr erstaunt die Vielzahl und Vielfalt der Stimmen, die «78/52» dem Publikum bietet: Nicht nur sind an der Entstehung des Films beteiligte Personen wie die Cutterin oder das Double von Janet Leigh zu sehen und zu hören, sondern auch der Schriftsteller Bret Easton Ellis, der Filmemacher Guillermo del Toro oder die Hollywood-Stars Elijah Wood und Jamie Lee Curtis – wobei Letztere als Tochter von Janet Leigh zusätzlich die eine oder andere Anekdote kennt. Der Film hebt sich damit angenehm von einer trockenen Fachsimpelei ab und zeigt stattdessen die Begeisterung, die aussergewöhnliche Filme auslösen können. «Die Atmosphäre eines Wohnzimmergesprächs unter Freunden war mir wichtig. Weil sie teils nicht zu dieser Stimmung passten, konnte ich auch nicht alle gemachten Interviews verwenden», erklärt Philippe.

Diese Leichtigkeit des Films geht jedoch nicht etwa zu Lasten der Einsichten, die er vermittelt: Er beleuchtet die gesellschaftlichen Umstände und das filmische Schaffen zur Entstehungszeit von «Psycho» ebenso wie das geniale Zusammenspiel von Musik, Kameraführung und Schnitttechnik, das diesen besonderen Schrecken erzeugt, ohne dass die Gewalt jemals direkt ins Bild gerät.

Und man erfährt beispielsweise auch, dass eine Unmenge verschiedener Melonen «erstochen» wurden, um den für den Film richtigen Klang für die Messerstiche zu finden. Eine Casaba-Melone überzeugte am Ende vieler Versuche schliesslich den Meister.

Alexandre O. Philippe ist mehr als glücklich mit seinem neusten Film: «Mit ‹78/52› ist mir zum ersten Mal ein Film genau so gelungen, wie ich es mir vorgestellt hatte.» Recht geben ihm auch die zahlreichen Einladungen an Filmfestivals, darunter ans renommierte Sundance Festival. Ob der Film in der Schweiz auch ausserhalb von Festivalprogrammen in den Kinos laufen wird, ist derzeit unsicher. «Doch für die USA und England haben wir einen Verleih gefunden», sagt Philippe zufrieden.

Der Film «78/52» läuft am Mi., 5. April, um 20 Uhr im Kino Arena 5 und am Sa., 8. April, um 12.45 Uhr im Kino Rex 1.

Weitere Infos: www.fiff.ch

Zahlen und Fakten

Grosser Aufwand für kleine Sequenz

Die Duschszene von «Psycho» beginnt nach etwa 40 Minuten Laufzeit und dauert vom Schliessen der Badezimmertür bis zum Kameraschwenk weg von der toten Marion gut drei Minuten, dazwischen gibt es 52 Schnitte. Für die Sequenz haben Alfred Hitchcock und seine Crew während sieben Tagen mit insgesamt 78 unterschiedlichen Kameraeinstellungen gedreht. Skeptisch bezüglich des Erfolgs des Films einigte sich die Produktionsfirma mit Hitchcock auf eine Umsatzbeteiligung anstatt eines fixen Honorars – was dem Regisseur Millionen einbrachte.

fa

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