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«Wir haben einen Platz in der Kunstwelt»

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Acht Künstlerinnen und Künstler arbeiten an diesem Morgen im Atelier Creahm in Villars-sur-Glâne. Sie malen und zeichnen ruhig und konzentriert. Mal stellt jemand eine Frage, mal erklingt ein Lachen, mal fällt ein lockerer Spruch. Als Myriam Schoen, die gerade eine Igelfigur aus Tonerde kreiert, niesen muss, kichert Géraldine Piller, die daneben an einer Tuschearbeit sitzt: «Da hat wohl gerade dein Freund an dich gedacht.» Myriam Schoen lacht fröhlich zurück. Wegen ihrer Behinderung kann sie nicht sprechen und verständigt sich mithilfe eines tragbaren Sprachcomputers. Den Witz von Géraldine Piller hat sie aber genau verstanden – und das, obwohl diese Französisch spricht, sie selber aber deutscher Muttersprache ist.

Künstlerische Begleitung

«Das Atelier Creahm ist einzigartig in der Schweiz», sagt Laurence Cotting, die hier seit zehn Jahren als Betreuerin arbeitet. Sie ist selber Künstlerin, ebenso wie ihr Kollege Gion Capeder, der seit fünf Jahren dabei ist. Das Besondere bei Creahm ist, dass die geistig und körperlich beeinträchtigten Menschen, die hier arbeiten, nicht als Behinderte, sondern als Künstlerinnen und Künstler gelten. Sie werden im Atelier nicht von Sozialpädagogen betreut, sondern von professionellen Künstlern begleitet. «Sie haben alle eine künstlerische Begabung und einen kreativen Antrieb», so Laurence Cotting. «Wir begleiten sie auf einem künstlerischen Weg, den sie selber gewählt haben, indem wir zum Beispiel technische Tipps oder kleine Anregungen geben. So fördern wir das Potenzial jedes Einzelnen.»

Wer im Atelier arbeiten will, muss sich mit einem künstlerischen Dossier bewerben. «Wir entscheiden aufgrund der Qualität der Arbeiten und des Potenzials, das wir in einem Künstler sehen», erklärt Gion Capeder. Wer dann – nach einer vier- bis sechsmonatigen Probezeit – aufgenommen wird, kann bei Creahm bleiben, solange er möchte. 18 Künstlerinnen und Künstler im Alter zwischen 24 und 61 Jahren arbeiten heute im Atelier. Sechs von ihnen sind seit der Gründung vor zwanzig Jahren dabei. Es gebe relativ wenige Wechsel und eine Warteliste, sagt Gion Capeder. Der letzte Neuzugang war im Jahr 2014. «Mehr Leute können wir nicht aufnehmen», so Capeder, «denn wir wollen uns für jeden Einzelnen Zeit nehmen können.»

Wachsende Anerkennung

Zum künstlerischen Anspruch des Ateliers gehört auch, dass es die Werke seiner Künstlerinnen und Künstler öffentlich zugänglich macht. So ist Creahm regelmässig an Ausstellungen beteiligt, im Raum Freiburg, aber auch in der restlichen Schweiz oder sogar im Ausland. «Es ist uns wichtig, uns nach aussen zu öffnen und uns zu zeigen», sagt Lau­rence Cotting. «Wir glauben daran, dass die Creahm-Kunst ihren Platz in der Kunstwelt hat.» Die Bekanntheit und die Anerkennung seien über die Jahre gewachsen: «Wir bekommen inzwischen viele Anfragen und müssen die Ausstellungsorte nicht mehr suchen.»

Und was lernen Laurence Cotting und Gion Capeder ihrerseits von den Künstlerinnen und Künstlern, die sie betreuen? «Mich beeindrucken gewisse grafische Ansätze», sagt Capeder, «und mir gefällt, wie sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen, ohne zu viel zu überlegen.» Laurence Cotting bewundert die bedingungslose Energie der Creahm-Künstler: «Sie stürzen sich auf eine Art in ihre Arbeit, die ich mir manchmal für mich selbst wünschen würde.»

Zahlen und Fakten

30 Künstlerinnen und Künstler in 20 Jahren

Das Atelier Creahm («Créativité et handicap mental») feiert dieses Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Es wurde 1998 in Freiburg gegründet und zog 2009 ins ehemalige Jugendhaus von Villars-sur-Glâne. In 20 Jahren haben 30 Künstlerinnen und Künstler vom Atelier profitiert, und es haben rund 100 Ausstellungen stattgefunden. Das Atelier ist an drei Tagen pro Woche geöffnet und wird von zwei Betreuern geleitet, die je ein 40-Prozent-Pensum innehaben. Das Jahresbudget von rund 120 000 Franken wird von den Beiträgen der Künstler und der Vereinsmitglieder, von der Loterie Romande, dem Kanton Freiburg und privaten Sponsoren sowie durch den Verkauf von Werken gedeckt.

cs

Tag der offenen Tür: Fr., 4. Mai, 17 bis 20 Uhr.

Ausstellung an der Fachmittelschule Freiburg (Creahm-Werke und Schülerarbeiten): 9. Mai bis 8. Juni. Mo. bis Fr. 8 bis 17 Uhr.

Grosse Jubiläumsausstellung in der Blue Factory: 9. bis 30. November.

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