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«Wir sind europäischer, als wir denken»

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«Wir sind europäischer, als wir denken»

Uni-Rektor Paul-Henri Steinauer erläutert die Idee der 25. Europatage

Theater, Kino, Ausstellungen und Kolloquien beleben seit einer Woche das Geschehen in Freiburg, an der Universität, in der Stadt und deren Umgebung. Gemeinsamer Nenner dieser Veranstaltungen ist immer Europa. Zum 25. Europatag, den die Universität Freiburg heute begeht, hat sie die Initiative für diese Jubiläumsveranstaltung ergriffen.

Von WALTER BUCHS
Zum 25. Mal begeht die Universität Freiburg heute ihren Europatag (siehe Kasten). Sie ist, getreu ihrem Auftrag als internationale Lehr- und Forschungsstätte, die einzige Schweizer Hochschule, welche die Anregung des Europarates aufgegriffen und einen solchen Tag zu einem festen Bestandteil des Angebots gemacht hat. Im Laufe der Jahre ist dieser Europatag in Freiburg zu einem immer wichtigeren Bestandteil im akademischen Jahr geworden und trägt zur Ausstrahlung der Universität wesentlich bei.

«Wir wollen der Bevölkerung in der Stadt und im Kanton zu spüren geben, dass uns vieles mit Europa verbindet, und zwar in allen Bereichen, und dass wir europäischer sind, als wir denken.»

Mit diesen Worten begründet Rektor Paul-Henri Steinauer im Gespräch mit den FN den Umstand, dass sich die Veranstaltungen zum Jubiläum in diesem Jahr über mehr als eine Woche erstrecken und nicht nur – wie bisher – an der Universität, sondern in der Stadt und Umgebung stattfinden. So wirken bei den laufenden Veranstaltungen neben dem Departement für kulturelle Angelegenheiten verschiedene öffentliche und private Kultur-
institute mit, um dem Ereignis ein besonderes Gepräge zu geben.

Gerade die Theater und Filme, aber auch die Veranstaltungen im Bereich der Musik, die im Rahmen der 25. Europatage in diesen Tagen stattfinden, zeigen, dass kulturelles Schaffen und Wirken immer grenzüberschreitend war. Dies zu unterdrücken, käme einem Kulturverbot gleich.

So hat der Freiburger Historiker Roland Ruffieux noch vor zwei Jahren geschrieben: «Die Schweiz ist Teil Europas; sie kann sich der Geschichte Europas nicht entziehen. Die Schweiz war nie eine Insel, höchstens in einer unwirklichen kulturgeschichtlichen Vorstellung.»

Dies trifft voll und ganz auch auf Freiburg zu, wie die Ausstellung «Freiburg auf den Wegen Europas» deutlich macht. Diese ebenfalls zum Europatag-Jubiläum realisierte Ausstellung ist noch bis zum 24. Juni in der Kantons- und Universitätsbibliothek zu sehen.

Auf den Wegen Europas

Freiburg durfte im Laufe der Jahrhunderte wertvolle Impulse von Kulturschaffenden erfahren, die aus verschiedenen Regionen hierher gekommen sind; dies namentlich in der Architektur und in anderen bildenden Künsten, wie namentlich Klostergebäude und ihre Kirchen und in neuerer Zeit Brücken zeigen. Auf diesen Umstand weist Aloys Lauper hin, der im Auftrag des Kulturgüterdienstes die erwähnte Ausstellung mitgestaltet hat.

Tatsächlich kann man in der Ausstellung entdecken, dass die grossen Etappen der europäischen Zivilisation ihren Ausdruck auch in der Schweiz und im Kanton Freiburg finden: von der Urgeschichte bis hin zur Auffassung der modernen Demokratie. Aloys Lauper weist darauf hin, dass Freiburg nicht nur viel von ausländischen Künstlern profitiert hat, wobei je nach Zeitraum mal der französische und dann wieder der alemannische Einfluss stärker war, sondern dass auch Impulse von hier ausgegangen sind.

Zur Zeit, als die sozialen Nachteile der ersten Industriestädte in England auftraten und man neue Städtemodelle suchte, kam Freiburg als Modell einer mittelalterlichen Kleinstadt ins Blickfeld und wurde auch kopiert. Es gibt aber auch andere bemerkenswerte Impulse, die von Freiburg ausgingen.

Es sind unter anderem die bedeutenden pädagogischen Leistungen des Freiburger Franziskaners Pater Girard, dessen 150. Todestag kürzlich begangen wurde. Sein Werk hat schweizerische und europäische Beachtung gefunden.

Ausstrahlung der Universität

Mit den von der Universität angeregten Veranstaltungen der diesjährigen Europatage trägt die Freiburger Hochschule wesentlich dazu bei, dass sich Freiburg und seine Bevölkerung seiner europäischen Wurzeln, gerade was grundlegende Werte ihrer Zivilisation anbelangt, bewusst werden kann. Gleichzeitig ist aber darauf hinzuweisen, dass Freiburg seinen Platz, den es heute im europäischen Bildungswesen einnimmt, weitgehend dem Wirken seiner Universität verdankt.

Bereits seit seiner Gründung Ende 1889 hat die Freiburger Hochschule eine Politik der Öffnung hin zu Europa betrieben. Nicolas Michel, Professor für Völkerrecht und Botschafter beim EDA, betont im Gespräch mit den FN: «Die Universität Freiburg ist nicht im Geist des katholischen Konservatismus oder eines Rückzugs auf sich selbst, sondern ganz bewusst in einem Geist der Öffnung und der sozialen Verantwortung gegründet worden.» Dabei hat die 1884 von weitsichtigen Aristokraten und Theologen gegründete «Union de Fribourg», deren Erbe die Universität später übernahm, entscheidende Impulse gegeben. Dieses Erbe wurde zwar nicht in jeder Epoche gleich stark wahrgenommen, aber wirkt bis heute nach und trägt zur wieder verstärkten Auseinandersetzung mit sozialen Fragen aus der Sicht der kirchlichen Soziallehre bei.

Als Fortführung und im Geiste der «Union de Fribourg» wurde am Ende des Zweiten Weltkrieges das «Institut international de sciences sociales et politiques» gegründet. Namentlich bis Mitte der 50er Jahre gaben die Professoren Arthur F. Utz und Eugen Bongras entscheidende Impulse bei der Suche nach katholischen Lösungen zur Sozialfrage und Sozialethik. An den von ihnen Ende der 40er und anfangs der 50er Jahre durchgeführten internationalen Kongressen wurden bereits ganz konkrete Ansätze der europäischen Integration behandelt. Einer der Begründer des neuen Europa, Robert Schumann, sagte, diese Überlegungen und Anregungen aus Freiburg seien für seine europäische Ini-tiative ganz wichtig gewesen; was auf eine herausragende kulturelle Leistung Freiburgs zum Aufbau Europas hinweist.

Erbe wird fortgeführt

Dieses Erbe wird von den Verantwortlichen der Universität heute fortgesetzt. «Wir setzen die Öffnung fort; jedes Mal, wenn sich uns eine Möglichkeit dazu bietet», sagte Rektor Steinauer. Die bereits intensive Zusammenarbeit mit vielen anderen europäischen Universitäten wird weiter verstärkt. Dabei lässt Rektor Steinauer durchblicken, dass die Annahme der bilateralen Verträge dies zusätzlich erleichtern würde.

Freiburg hat also bereits in den letzten Jahrzehnten dank der Tätigkeit und der Ausstrahlung seiner Universität seinen Beitrag an die kulturelle Entwicklung Europas geleistet, aber davon auch stark profitiert. Solche Momente werden wohl auch künftig Freiburgs Entwicklung in Europa kennzeichnen.

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